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Himmlische Klänge zum Weihnachtsfest

Das traditionelle Weihnachtskonzert der „Alten Musik im Weilburger Schloss“ fand am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder in der gut besetzten Schlosskirche statt und trug den so schönen wie passenden Titel „Es ist ein Ros entsprungen“ nach einem der bekanntesten und ältesten Weihnachtslieder.
Elisabeth Seitz, Martina und Lutz Kirchhof bei ihrem Konzert in der Weilburger Schlosskirche.	Foto: Zimmermann Elisabeth Seitz, Martina und Lutz Kirchhof bei ihrem Konzert in der Weilburger Schlosskirche. Foto: Zimmermann
Weilburg. 

Das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ stammt aus den Jahren 1587 (Text) und 1599 (Melodie) – mithin derjenigen Zeit, in der die Komponisten der meisten Stücke dieses Konzertnachmittags lebten und Werke für Laute, Viola da Gamba und Hackbrett schrieben. Diese filigranen Kompositionen wurden von Lutz und Martina Kirchhof, dem international bekannten Duo der Alten Musik aus der heimischen Residenzstadt, und von Elisabeth Seitz, der Innsbrucker Hackbrettvirtuosin, die ihr Instrument seit einigen Jahren wieder neu in der europäischen Kunstmusik verwurzelt hat, zum Klingen gebracht, lebhaft-lebendig, feinsinnig-zartbesaitet und kunstvoll-virtuos, Gemüt und Seele berührend. Sicher zufällig, aber dennoch signifikant, standen insgesamt 33 Werke von Tonsetzern der Renaissance auf dem Programm, eine Zahl, welche die Lebensjahre Jesu umfasst, zu dessen Ehren und Geburtstag an Weihnachten ja dieses Konzert gegeben wurde, wie auch die zahlreichen anderen Weihnachtskonzerte allüberall.

Weihnachtlich inspiriert

Auch die Zusammenstellung der drei Instrumente Laute, Viola da Gamba und Hackbrett ist weihnachtlich inspiriert, findet man diese Instrumente doch musizierenden Engeln in die Hände gelegt, wie es auf zahlreichen zeitgenössischen Gemälden zu sehen ist, beispielsweise bei der Geburt Christi auf einem der Tafelbilder des 1506 bis 1515 entstandenen Isenheimer Altars von Matthias Grünewald (1475/80 – 1528) in Colmar oder der Sacra Conversazione von Giovanni Bellini (1437 – 1516) in der venezianischen Kirche San Zaccharia (Zacharias).

Das Zusammenspiel dieser drei „englischen“, engelsgleichen Instrumente verbürgt so fast wie von selbst „himmlischen Klang“. Der war zunächst in einigen weltlichen Kompositionen von Pietro Paolo Borrono da Milano (1490 – 1563) zu hören, in einem erstaunlich „swingenden“ Schreitetanz, einer Pavane, sowie zwei sehr rhythmischen Saltarelli und der Tochata nel fine del ballo. In den anschließenden beiden Soli stellten Martina Kirchhof in zwei Ricercari für Sopran-Gambe von Sylvestro Ganassi (1492 – um 1550) und Lutz Kirchhof in einem „Preludium für Laute solo“ von Laurencini da Roma (16. Jahrhundert) die Besonderheiten des Klangs ihrer Instrumente vor, jeweils virtuos mehrstimmig klingend – in klaren, hellen Tönen die Gambe, manchmal auch aufgeraut, die Laute in warmer vielstimmiger Klangfarbe. In dem instrumental vorgestellten Lied „Jesu decus angelorum“ (Jesus, Zier der Engelschar) von Felix Anerius (1560 – 1614), dessen mystischer Text dem Zisterziensermönch und Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) zugeschrieben wird, aber von dessen Schüler Aelred von Rivaulx (1110 – 1167) stammt, übernahm das mit zwei Klöppeln gespielte Hackbrett den bestimmenden Part vor dem gestrichenen (Gambe) und dem gezupften (Laute) Instrument. Hier konnte Elisabeth Seitz die Stärken ihres Instrumentes, das seit 1370 bekannt ist, voll zur Geltung bringen: den wunderbar weichen, klangfarbenreichen Ton des Hackbrettes, das seinerzeit in geläufigen Musiktraktaten mit der lateinischen Bezeichnung „Dulce Melos“ genannt wurde, süßes Lied, angenehmer Klang. Das perfekte flüssige Zusammenspiel ergab einen schönen, runden Klang, in dem das Hackbrett die Akzente setzte. Getragen und sehr langsam kamen dann sehr eindringlich „Jesu summa bonitas“ (Jesus du höchstes Gut) und „Tu mentis delectatio“ (Du bist meine Seelenfreude) von Ruggiero Giovanelli (1560 – 1625) daher. Dass es aber ausgelassen und fröhlich klingt, vielschichtig bunt, rund und voll, wenn Jesus in Friede herrscht („Jesus in pace imperat“ von Giovanni Maria Nanino, 1543 – 1607), das machte das Trio mit seinem im Forte ausklingenden Spiel dieses Stückes deutlich, ehe der erste Teil dann wieder mit einer Pavane „La Milanesa“, heiter, rhythmisch, mit schönen Echoeffekten gegeben, zwei Saltarelli, genannt „Violette Rose“, mit großem Melodiebogen, und „Schöne Blume“, klangfarbenprächtig, nebst einer anderen Tochata nel fine del ballo von Pietro Paolo Borrono da Milano endete.

Glockenspiel

Der zweite Teil begann mit dem titelgebenden Stück „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ in der bekannten Version von Michael Prätorius (1571 – 1621). Ein abwechslungsreiches Glockenspiel mit 20 Variationen imitierten Laute, Gambe und Hackbrett ungemein betörend in einem Stück von Thomas Robinson (1560 – nach 1609), dem Verfasser des bedeutendsten englischen Lehrwerkes für Laute, dem anschließend ein ebenso töneglitzernder Feentanz (The Fairy Round von Anthony Holborne, 2. Hälfte 16. Jahrhundert) folgte. Jubelnd das „Hosianna dem Sohne Davids“ eines anonymen Komponisten, verträumt das Ricercar von Diego Ortiz (Mitte 16. Jahrhundert), das wie in sich selbst versunken und „einfach so“ von den drei Instrumenten vor sich hingesungen klang.

Aus den „Hundert geistlichen Melodien evangelischer Lieder“ von Elias Reusner d. Ä. (1636 – 1679) erklangen nach einigen Stücken von Gabriel Bataille (17. Jahrhundert) die bekannten Weihnachtslieder „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „Nu komm der Heyden Heiland“, „Joseph, lieber Joseph mein“ und, als strahlender Höhepunkt, „In Dulci jubilo“.

Der lange, begeisterte und dankbare Beifall für ein zauberhaftes, „himmlisches“ Konzert erzwang einige Zugaben, darunter mit „Los Caminos“ ein andalusisches Weihnachtslied.

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