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Hunde wecken Neugier

Therapie mit Hilfe von Hunden: Darüber informierte sich eine japanische Delegation in einer Neesbacher Hundeschule. Denn Hunde genießen in Japan längst nicht die Wertschätzung, die sie hier oft als „Mitglieder der Familie“ genießen.
Dirk Schaper (r.) führte die Übungen vor. Dirk Schaper (r.) führte die Übungen vor.
Hünfelden-Neesbach. 

. Noch etwas zögerlich streichelt der Mann den Rücken des aufgeweckten Vierbeiners. Aufmerksam beobachtet er jede Bewegung des Hundes: Wie das Tier wohl auf ihn reagiert? Unsicherheit schwingt in seinem Lachen mit, als der Shiba Inu, eine japanische Zuchtrasse, sich mit den Vorderpfoten auf seine Oberschenkel stützt und das angebotene Leckerli verschlingt. „Nur keine Sorge – der Hund ist genauso aufgeregt wie Sie es sind“, beruhigt ihn Konstanze Denzim.

Vorsichtig zeigt sie ihrem aufmerksamen Helfer, wie er die Dose zu halten hat. Damit sie beide mit dem Ergebnis der Aufgabe zufrieden sind: Mensch und Hund. Die Leiterin der Neesbacher Hundeschule „Der natürliche Weg“ hat heute ganz besondere Gäste im Übungsraum ihrer Einrichtung: Denn ihre Schüler – die Worte der Hundetrainerin fleißig mitschreibend – sind Besucher aus Japan. In Kooperation mit den Deutschen Jugendherbergen nehmen die Hostelbesitzer an einem deutsch-japanischen Fachkräfteprogramm teil. Unter dem Motto „Bildung ohne Hindernisse“ besuchen sie Schulungen und Seminare zu Themen, die ihren Landsleuten noch vollkommen fremd sind.

Den Nachmittag in Neesbach hat die Koordinatorin Ulrike Brummerhop auf den Wunsch einer Teilnehmerin organisiert. „In Japan hat der Hund einen sehr niedrigen Stellenwert“, erzählt Izumi Ozawa. „Ich habe gehört, dass die Menschen in Deutschland ganz anders mit den Tieren umgehen. Aber dass hier sogar Therapie mit Hunden angeboten wird; das hat mich doch sehr erstaunt.“ Tatsächlich bringen einige der Erklärungen Dirk Schapers sowie Konstanze und Christine Denzims vom Verein „Therapeuten auf vier Pfoten.“ die japanischen Gäste zum Staunen.

Familienmitglieder

„In den Sitzungen der tiergestützten Therapie ist der Hundeführer verpflichtet, darauf zu achten, dass seinem Partner keine Schmerzen zugefügt werden“, sagte Christine Denzim. „Wir sehen Tiere nicht nur als Arbeitsgeräte oder Mittel zum Zweck. Für uns sind sie vollwertige Familienmitglieder.“ Diese Mentalität lehren die Vorsitzenden des Vereins für tiergestützte Intervention nicht nur ihren Mitgliedern. Auch den Tieren wird in der Ausbildung zum Therapiehund ein „anerzogener Ungehorsam“ antrainiert. Konstanze Denzim erklärt den Gedanken dahinter: „Wenn der Hund merkt, dass der Patient ihn nicht gut behandelt oder mit ihm etwas nicht stimmt, soll er die Aufgabe verweigern.

Uns ist das Wohl des Hundes genauso wichtig wie das des Patienten.“ Leider, so die mehrfache Hundebesitzerin, befolgen selbst in Deutschland viele Vereine und Privatpersonen nicht die Richtlinien zum Tierschutz. „In manchen Einrichtungen wird sehr unachtsam mit den Hunden umgegangen“, so Konstanze Denzim. „Wenn ein Patient dem Tier dann aus Versehen weh tut, lautet die Devise: ’Da muss der jetzt halt mal durch!’.“ In Japan sieht die Situation für die Vierbeiner sogar noch düsterer aus. „Wenn ein Hundebesitzer in Japan keine Zeit oder Lust mehr an seinem Tier hat, gibt er ihn beim Gesundheitsamt ab.

Einschläferung droht

Die Veterinäre dort schläfern ihn dann ein.“, berichtet Izumi Ozawa. „Hunde sind oft nicht mehr als ein Besitzgegenstand.“ Natürlich, so die japanischen Gäste weiter, gäbe es auch viele Liebhaber der Tiere in ihrem Heimatland. Doch trotz allem: „Hunde bleiben Hunde. Seine Position liegt weit unterhalb des Menschen“, resümiert einer der Hostelbesitzer. Mit dem Besuch in der Hundeschule wollen die Hostelbesitzer aus Japan die wachsende Bedeutung von Inklusion behinderter Menschen in ihrer Heimat für sich nutzen. Viele von ihnen planen, später selbst tiergestützte Therapie in ihren Einrichtungen anzubieten.

Eine „totale Neuheit“

Therapiehunde sind im asiatischen Halbinselstaat ein totales Novum, wie seine Mitreisende Izumi Ozawa erklärt: „Es gibt schon freiwillige Helfer, die Patienten in Seniorenheimen mit Hunden besuchen. Aber hier geht es nicht um therapeutische Unterstützung. Der soziale Aspekt steht im Vordergrund, die Patienten drücken und knuddeln das Tier.“ Ähnlich den sogenannten Besuchshunden in Deutschland steht hinter diesem Einsatz die Vermeidung von Vereinsamung im Alter. Aber auch hier wird die Position des Hundes im asiatischen Land wieder deutlich: Er ist hauptsächlich ein Kuscheltier, welches für die persönliche Freude gedrückt und gestreichelt wird. Die Diskussionsrunde im Rahmen der Vorführungen zeigt jedoch, dass auch in Japan ein Umdenken stattfindet. „Ich hatte auch einmal einen Hund“, wirft Makoto Suzuki ein. „Und für mich war dieser Hund ein Familienmitglied.“

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