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Detlef Woschnitza im Hospiz: Im Haus der Menschlichkeit

Bei dem Begriff Hospiz denken Menschen häufig an Sterbehilfe oder alte Menschen. Dass es dort aber darum geht, das Leben Schwerkranker angenehm zu gestalten, zeigt die Geschichte des 45-jährigen Detlef Woschnitza.
Eva Woschnitza weiß, dass ihr Mann Detlef wohl nie wieder gesund werden wird. Doch die verbleibende Zeit genießen die beiden zum Beispiel bei gemeinsamen Ausflügen durch Hadamar. Foto: Heike Lachnit Eva Woschnitza weiß, dass ihr Mann Detlef wohl nie wieder gesund werden wird. Doch die verbleibende Zeit genießen die beiden zum Beispiel bei gemeinsamen Ausflügen durch Hadamar.
Hadamar. 

„Es war die beste Entscheidung, die wir getroffen haben“, sagen Detlef und Eva Woschnitza übereinstimmend. Seit Januar lebt Detlef, Jahrgang 1970, im Hospiz in Hadamar. Er hat eine unheilbare Tumorerkrankung.

Dirk Hinz, Krankenpfleger im Hospiz, erzählt, dass Detlef Woschnitza bei seiner Ankunft bettlägerig war und sich kaum bewegen konnte. Als sehr aktiver Mensch machte ihn dieser Zustand zu einem schwierigen Zeitgenossen. Seit drei Wochen ist das anders: Detlef Woschnitza bekam einen Elektrorollstuhl, und seitdem hält ihn nichts mehr im Bett.

Alleine kommt Detlef Woschnitza zwar noch nicht aus dem Bett. Denn durch hohe Corstisongaben schwemmte sein Körper auf. Dazu gesellte sich ein fehlendes Sättigungsgefühl. „Als ich hier ankam, war meine komplette rechte Hälfte unbeweglich, doch so langsam erlange ich Stück für Stück die Kontrolle darüber zurück“, erzählt er. Alleine aufstehen zu können, ist sein nächstes Ziel. Dirk Hinz muss ihm dabei helfen und hat dafür ein spezielles Gerät, das er humorvoll „Affenschaukel“ nennt. Damit kann der Pfleger Woschnitza aus dem Bett zu heben und in den Rollstuhl setzen.

Kaum im Rollstuhl, gibt der Hospizbewohner Gas und ist nicht mehr zu bremsen. Eva Woschnitza freut sich sehr darüber: „Mein Mann ist wieder mehr der Alte, da er ein Stück Selbstbestimmung zurückgewonnen hat, die vorher so rapide verschwand.“

Mit dem Rolli unterwegs

Jeden Vormittag und jeden Nachmittag macht Detlef Woschnitza Hadamar unsicher. Die Dauer hängt jeweils davon ab, ob er gut sitzt im E-Rolli oder nicht. Und auf diesen Fahrten sammelt er verschiedene Erfahrungen. „95 Prozent der Restaurants in Hadamar sind nicht behindertengerecht“, beschwert er sich. Die Gastronomie sei absolut nicht auf Behinderte eingestellt. Das findet er sehr deprimierend.

Seine Krankheit begann im Jahr 2010. Damals wurde bei ihm ein Lungentumor diagnostiziert. Zwei Jahre darauf stellten die Ärzte Hirnmetastasen fest. Die Ärzte bestrahlten den Krebs und es traten als Nebenwirkungen Strahlenschäden auf. Es bildete sich Wasser im Kopf, das Druck auf die Nerven ausübte. Dadurch wodurch Detlef Woschnitzas rechte Körperhälfte gelähmt. Er konnte nur noch unverständlich sprechen.

„Es gab eine Zeit, da habe ich mir gewünscht, dass es endlich zu Ende ist“, erzählt der Patient. Doch seine Einstellung hat sich komplett gewandelt: „Ich möchte mich nicht selbst aufgeben“, sagt er heute. An dieser Wandlung hat das Hospiz einen großen Anteil. Hier bekomme er alles, was er braucht, sagt Woschnitza. Die Pfleger und die ehrenamtlichen Hospizbegleiter seien immer freundlich und aufopferungsvoll. Ihre Untersützung gebe ihm sehr viel. Eva Woschnitza bestätigt, dass die Menschen im Hospiz einen großen Anteil an dem Zustand ihres Mannes haben. Inzwischen bekommen für sie, ihren Mann und die beiden Kinder (10 und 15) Kleinigkeiten eine Wichtigkeit, an die sie früher nicht gedacht haben. „Diese Fürsorglichkeit hätte ich zu Hause nicht leisten können“, erzählt die Ehefrau, „aber insgesamt versuchen wir, eine Art Alltag aufrechtzuerhalten.“

Für Dirk Hinz ist Menschlichkeit selbstverständlich. Die Philosophie des Hospiz‘ lautet: „Gemeinsam wollen wir den verbleibenden Tagen mehr Leben geben, nicht unbedingt dem Leben mehr Tage.“ So werden die Menschen palliativmedizinisch behandelt, um ihnen Schmerzen und andere Probleme zu nehmen. Aber die Pflegenden sind auch bemüht, die Wünsche ihrer Gäste zu erfüllen. So freuten sie sich mit Detlef Woschnitza, als dieser durch den neuen Rollstuhl ein Stück Selbstständigkeit wiedergewann.

Detlef Woschnitza denkt nicht an das Sterben und den Tod. Er hat ganz andere Wünsche: „Ich möchte meine Familie am Wochenende oder zu Geburtstagen zu Hause besuchen.“ Und wenn er etwas möchte, dann bekomme er das auch, sagt er.

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