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St.-Vincenz-Krankenhaus: Immer wieder landen Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus

Von Natürlich hat die Zentrale Notaufnahme des St.-Vincenz-Krankenhauses einen Notfallplan für die Fastnachtstage. Aber mit der zu erwartenden Menge an Schnapsleichen wird das Team wohl auch ohne Verstärkung fertig. Und für die Standpauke für volltrunkene Jugendliche ist allemal noch Zeit.
Nach dem Alkoholgenuss kommt der Katzenjammer. Foto: Markus Bormann (25532732) Nach dem Alkoholgenuss kommt der Katzenjammer.
Limburg. 

Einige kommen öfter. Mal mit Verletzungen, mal mit Kopfschmerzen, mal weil sie nicht mehr gehen und stehen können – zu viel getrunken haben sie aber jedes Mal. Die anderen sieht Dr. Peter Sahmer nur einmal volltrunken in der Notaufnahme. Vielleicht reicht ihnen die eine Alkoholvergiftung, vielleicht wollen sie sich aber auch die nächste Ansprache des Notarztes ersparen oder die seiner Kollegen in der Notaufnahme im St.-Vincenz-Krankenhaus. „Wir versuchen durchaus, den erzieherischen Effekt einer Notaufnahme zu nutzen“, sagt Peter Sahmer, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am St.-Vincenz-Krankenhaus.

Karneval und Kirmes

Und in den kommenden Tagen wird das vermutlich öfter mal nötig sein. Karneval oder Kirmes – immer dann, wenn viele Menschen in der Öffentlichkeit feiern, steigt die Zahl der Alkoholleichen. „Das ist Statistik.“ Die Region sei nicht gerade „das Epizentrum des jugendlichen Rauschtrinkens“, sagt Peter Sahmer. Die Alkoholleichen sind meist obdachlose Männer.

Im vergangenen Jahr wurden aber immerhin 16 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht, im Jahr zuvor waren es 20. „Aber es fällt mit schwer, daraus einen Trend abzuleiten“, sagt Peter Sahmer.

Denn natürlich sei Alkohol bei Jugendlichen ein Problem. So wie Alkohol überhaupt ein gesellschaftliches Problem sei. Und immer dann zum persönlichen Problem werde, wenn jemand trinke, um etwas zu erreichen: um sich besser zu fühlen, um feiern zu können, um zu entspannen. „Das ist dann der Öffner für den Missbrauch.“

Und dann kommen die wirklichen gesundheitlichen Probleme. Dir meisten Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik kommen, haben einfach ihre Grenzen nicht gekannt. Und das hat unterschiedliche Folgen: Die einen müssen sich ein paar Mal übergeben, die anderen fallen ins Koma. Die Diagnose Alkoholvergiftung sei unscharf definiert, sagt Peter Sahmer. „Aber Alkohol ist ein Gift.“ Und wer leidet, hatte offenbar zu viel.

Manchen helfe es schon, wenn sie einfach ihren Rausch ausschlafen können, andere müssen intensivmedizinisch betreut werden – mit Infusionen („Flüssigkeit ist nie verkehrt“) und Überwachungsgeräten, weil sie stark unterkühlt oder sediert sind. Und wenn der Kopf wieder einigermaßen klar ist, aber noch ziemlich schmerzt, dann kommt die Standpauke: Ein Krankenhaus sei keine Erziehungsanstalt, aber: „Je jünger die Patienten sind, umso eher reden wir ihnen ins Gewissen.“ Und wenn sie das dann überstanden haben, kommt oft noch Stress mit Freundin oder Freund und dann noch eine Ansage von den Eltern dazu. Kein minderjähriger Patient wird einfach nach Hause entlassen. „Und wenn die Mama mich im Krankenhaus abholt, hat das auch noch mal eine erzieherische Komponente“, sagt Peter Sahmer.

Sowieso sei das Ganze den Jugendlichen am nächsten Tag meistens ziemlich peinlich – auch wenn sie nicht mit Kleidung voll Erbrochenem aufwachen. „Und wenn das große Wimmern kommt“, dann berichten sie, dass sie dazugehören wollten, dass sie nicht als feige dastehen wollten und dass sie nüchtern noch wussten, dass 15 Wodka mit Energie-Drink einfach zu viel sind, das aber nach dem 7. nicht mehr auf dem Schirm hatten. „Aber mit der Erfahrung kommt der Lerneffekt“, sagt Peter Sahmer. Auch bei den Medizinern: Dass es eben nicht immer die Kinder aus prekären Verhältnissen sind, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen. Peter Sahmer erinnert sich an eine 15-Jährige, deren Eltern ganz verdutzt waren, als die Klinik anrief, sie sollten ihre Tochter abholen. Das müsse sich um ein Missverständnis handeln, ihre Tochter liege im Bett, erklärten sie. Aber das tat sie nicht. Die 15-Jährige war nachts getürmt und hatte sich bei einer Party an der Grillhütte so betrunken, dass sie völlig unterkühlt in der Asche des Lagerfeuers lag, als der Rettungswagen sie einsammelte.

Und Peter Sahmer erinnert sich an einige Fälle, in denen es schon geholfen hätte, wenn der Betrunkene in seinem eigenen Bett und nicht gleich in der Notaufnahme gelandet wäre. Aber es gibt immer mehr „Freunde“, die einfach den Notarzt rufen oder den Patienten auch selbst ins Krankenhaus bringen, um dann unbeschwert und ohne volltrunkene Last weiterzufeiern.

Bunt statt blau

Alle Jahre wieder lädt die DAK Gesundheit zur Kampagne „bunt statt blau“. Mit einem bundesweiten Wettbewerb lädt die Krankenkasse Jugendliche dazu ein, „Kunst gegen Komasaufen“ zu schaffen. „Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns unverzichtbar, um Kindern und Jugendlichen die Gefahren von Alkoholmissbrauch aufzuzeigen“, sagt Miriam Ilzhöfer, Leiterin der DAK-Gesundheit Limburg. Weitere Informationen zu der Kampagne gibt es im Internet: www.dakk.de.

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