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Caritas verstärkt die Flüchtlingsberatung: Integration wird Dauerjob

Von Der Caritasverband für den Bezirk Limburg verstärkt die Flüchtlingsberatung. Die Verantwortlichen planen bereits langfristig – denn Integration funktioniert nicht von heute auf morgen. Das Bistum und die „Aktion Mensch“ finanzieren zwei zusätzliche Halbtagsstellen. Die beiden Mitarbeiterinnen beraten und unterstützen unter anderem die Ehrenamtlichen in den Gemeinden.
Sei beraten Migranten im Auftrag der Caritas (von links): Sebastian Schneider, Sahar Torabi, Gerhard Neunzerling-Dernbach, Sandra Hansen und Lena Taibinger. Bilder > Foto: Christof Huels Sei beraten Migranten im Auftrag der Caritas (von links): Sebastian Schneider, Sahar Torabi, Gerhard Neunzerling-Dernbach, Sandra Hansen und Lena Taibinger.
Limburg-Weilburg. 

Seit dem 15. April arbeiten zwei zusätzliche Mitarbeiterinnen im Migrations- und Flüchtlingsbereich der Caritas – Unterstützung, die dringend nötig ist.

Zehn Frauen und Männer saßen in einer Runde, um der Presse die neuen Ansätze und Verbesserungen vorzustellen – eine geballte Beratungskompetenz. Die Caritas kümmert sich schon seit den 70er Jahren um Migranten, auch dank der Initiative des damaligen Bischofs Kamphaus, wie Sachbereichsleiter Stephan Behrla erklärt. Doch seit zwei Jahren steige die Nachfrage von Ratsuchenden zur Integrationsbegleitung „dramatisch“, formuliert es Caritas-Bezirks-Geschäftsführer Max Prümm. Binnen zehn Jahren habe sich die Zahl der Klienten vervierfacht. Auch qualitativ seien die Anforderungen gestiegen: Verschiedene Rechtskreise und Gesetze erschweren den Ratgebern den richtigen Rat. Die Leistungen seiner Beratungsstellen sieht Max Prümm als „Katalysator“ und „Schmierstoff“, um den Übergang zu ermöglichen in die deutsche Gesellschaft. Allerdings sei der Sozialdienst kein Ersatz für ein unbedingt nötiges, langfristiges Integrationsprogramm. Deshalb wirke die Caritas auch auf der fachpolitischen Ebene.

1200 Klienten stehen aktuell in der Kartei der Caritas-Fachdienste im Bereich Migration. Die weitaus größte Mehrheit sind Flüchtlinge, aber auch Zuwanderer aus anderen EU-Staaten, nachgezogene Familien ehemaliger Gastarbeiter oder Spätaussiedler.

Guter Rat ist teuer, auch für die Caritas. Nur Zuwendungen und Projektmittel ermöglichten es, mehr Kräfte zu mobilisieren. In diesem Fall profitiert die Limburger Caritas von der Aktion Mensch und dem Programm „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ des Bistums Limburg.

Die Sozialorganisation Aktion Mensch finanziert die eine Hälfte der Stelle von Sandra Hansen. Die berät nun Flüchtlinge vor und im Asylverfahren. Die Politikwissenschaftlerin bietet regelmäßig Sprechzeiten in Limburg und neuerdings auch in Weilburg an, wo die Caritas dringend neue Räume sucht. In der anderen Hälfte ihrer Arbeitszeit kümmert sich Sandra Hansen um die vielen ehrenamtlichen Helfer in den örtlichen Kirchengemeinden im Oberlahn-Bereich.

Das Bistum Limburg finanzierte eine halbe Stelle, um diesen Dienst auch den Ehrenamtlichen in den anderen Kommunen des Kreises zu ermöglichen: Dort arbeitet nun die Sozialwissenschaftlerin Stephanie Ellenburg.

Die Ehrenamtlichen seien „zu einem 200-Meter-Lauf gestartet und stecken jetzt mitten in einem Marathon irgendwo bei Kilometer 10“, lenkt Migrationsberater Sebastian Schneider den Blick auf die nötige Langzeitperspektive. Ohne die vielen freiwilligen, unbezahlten Helfer vor Ort würde vieles gar nicht laufen, unterstreicht Detlev Knopp, Koordinator der Gemeindecaritas. Sie ermöglichten Sprachübungen, betrieben Willkommens-Cafés oder sorgten für ein „wohlwollendes Klima“. Doch die Hilfe sei notgedrungen spontan entstanden. Es gelte, sie zu verstetigen. Dabei stellen sich aber nun beispielsweise Versicherungsfragen. Wer mit Kindern oder Jugendlichen arbeite, der brauche in Deutschland eigentlich ein polizeiliches Führungszeugnis. So ergeben sich unendlich viele Fragen. Und aufgrund des allmählichen Aufbaus der Gemeinschaftsunterkünfte stellten sich die Fragen an jedem Ort zur anderen Zeit. An diesen Punkten sollen Stephanie Ellenburg und Sandra Hansen ansetzen.

Bereits in der zweiten Hälfte des Vorjahres konnte der Verband Stunden seiner Mitarbeiter erhöhen. Eine in Elternzeit gegangene Kollegin bringt zusätzlich Bewegung ins Personalkarussell.

Personal schwer zu finden

Neu im Team ist deshalb auch Lena Taibinger, die gemeinsam mit Sahar Torabi und Gerhard Neunzerling-Dernbach den Jugendmigrationsdienst bedient. Die drei beraten bei Problemen mit Schule oder Familie, unterstützen bei Ausbildungs oder Berufsorientierung, informieren über Bildungsmöglichkeiten. Um erwachsene Flüchtlinge mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus kümmern sich Sebastian Schneider und Yvonne Best.

Stephan Behrla, Sachbereichsleiter der Allgemeinen Beratungsdienste der Caritas, macht keinen Hehl daraus, dass es immer schwieriger wird, fachlich geeignete Personen zu finden. „Der Markt ist leergefegt.“ Doch Integration sei nun Daueraufgabe.

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