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Sara Zimmermann: „Jeder Mensch verdient Hilfe“

Von Sara Zimmermann aus Oberbrechen hat ein Jahr in Ghana gelebt und eine Hilfsorganisation unterstützt. Zurück in Deutschland lässt sie das Thema nicht mehr los. Immer stärker wird ihr bewusst, was noch zu tun ist.
Sara Zimmermann auf Tuchfühlung mit einem „heiligem“ Krokodil in Paga, Ghana. Sara Zimmermann auf Tuchfühlung mit einem „heiligem“ Krokodil in Paga, Ghana.
Oberbrechen. 

18 Jahre alt, gerade das Abitur an der Taunusschule gemacht und dann ein Jahr in Afrika vor Augen. So ging es Sara Zimmermann im Herbst 2016. Jetzt ist sie wieder zurück, hat schon viel erzählt, aber noch längst nicht alles verdaut. „Ich habe unglaublich viel dazugelernt, über mich selbst, Deutschland, Ghana, Schule, Erziehung und so weiter. Und doch kann ich es auch einige Monate nach meiner Rückkehr kaum in Worte fassen“, sagt die junge Frau aus Oberbrechen.

Teilen selbstverständlich

Das mag daran liegen, dass sie in eine ganz andere Lebenswelt eingetaucht ist. Ein weiterer Grund ist die Hilfsorganisation, für die sie tätig war. „Der gemeinnützige Verein Nima hat mehrere Projekte. Dazu zählen ein Waisenhaus in der Nähe von Accra und eine Partnerschule in der direkten Nachbarschaft. Dann gibt es noch das Junior-Programm. Dort hat das Teilen eine ganz andere Selbstverständlichkeit, aber auch eine ganz andere Notwendigkeit“, berichtet Sara. „Wobei: Wenn wir die Augen aufmachen, sehen wir, dass die Notwendigkeit hier die gleiche ist. Jeder Mensch verdient Hilfe, egal ob ihr direkter Nachbar oder der einige tausend Kilometer südlicher.“

16 000 Freiwillige zog es in zehn Jahren ...

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ 2008 ins Leben gerufen.

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Sie hat die Augen aufgemacht und noch mehr gesehen: „So schön sich das Wort Vielfalt auch anhört, es hat wie alles im Leben seine positiven sowie negativen Seiten. Und natürlich gibt es auch Armut in Ghana und bestimmt auch Korruption und sogar Elefanten, aber eben auch unglaublich gutes Essen, viel Bollywood, maßgeschneiderte Kleider und noch viel mehr Fußball. Vielfalt heißt aber eben auch, dass es nicht reicht, Kleiderspenden über das Rote Kreuz abzugeben und zu hoffen, dass alle Probleme gelöst sind. Oft macht dies es aber eher schlimmer. Vielfalt heißt also, dass man kreativ und nachhaltig helfen muss“, sagt die 20-Jährige.

Ein Beispiel: Oft werde Bildung als Schlüsselwort gegen Armutsbekämpfung genannt. „Und doch ist auch diese nicht ganz so einfach. Denn auch wenn ein Kind in Ghana nicht zur Schule gehen kann, reicht es nicht, nur Schulgebühren für irgendeine Schule zu bezahlen. Man muss auch den familiären Hintergrund beachten, eventuell sozialpädagogisch zur Seite stehen, dann muss man die Stärken des Kindes fördern und es motivieren. Und selbst wenn man einen guten Universitätsabschluss hat, heißt das nicht, dass man automatisch einen Job findet.“ All diese Faktoren und noch viel mehr zählten, wenn es darum gehe, nachhaltig zu helfen.

Sara hat dies getan, indem sie Kinder unterrichtet hat, indem sie Lebensweisen kennengelernt und versucht hat, aus einem der reichsten Länder der Welt mit stabiler Demokratie gute Erfahrungen zu transferieren. Vieles sei mühselig, keine einmalige Angelegenheit. „Und doch glaube ich, dass wir etwas bewirken können. Denn ein Verein wie Nima verschenkt nicht einfach wahllos Kleidung, so dass lokale Schneider pleitegehen, sondern hilft nachhaltig mit Bildung und unglaublich fähigen Mitarbeitern vor Ort.“

Doch es geht auch um das Bewusstsein der Menschen in Deutschland. Das spricht sie mit einem ganz einfachen Beispiel an: Hühnerreste. „Hier gehen die Leute zu KFC oder zu Aldi, greifen in die Tiefkühltruhen und kaufen Tüten voll mit Hühnerbeinen, manchmal auch Flügel und ab und zu eine Brust. Was passiert mit dem Rest des Huhns? Richtig, es wandert weiterverarbeitet nach Afrika. Die Menschen dort stört es weniger, ob sie Hühnerbein oder -po essen. Hühnerreste verkaufen sich in Ghana billiger als die Angebote der lokalen Bauern. Sie werden eben nicht subventioniert oder haben irgendwelche industriellen Möglichkeiten der Verarbeitung. Somit machen die europäischen Konzerne mehr Profit, und die lokale Wirtschaft wird geschwächt und teilweise zerstört.“

Afrikabild geändert

Auch das ist ein Teil der Wahrheit: „Somit hat sich auch mein Bild von Afrika unglaublich geändert, denn Afrika ist nun mal mehr als Natur, Armut und Krieg“, sagt Sara heute. Die direkte Erfahrung sei der beste Weg, hier dazuzulernen. Deshalb möchte sie andere, die zwischen 18 und 27 Jahre alt sind und einen Schulabschluss haben, dazu animieren, sich für einen Freiwilligendienst zu bewerben. „Wenn man sich bei einem ,weltwärts‘ geförderten Dienst bewirbt, werden 75 Prozent der Kosten vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ getragen, der Rest soll durch Spenden finanziert werden.“

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