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Steinmetz Müller: Jesuitenkirche in Mannheim war das letzte große Marmor-Projekt

Von Dass die Mannheimer Jesuitenkirche heute wieder in alter Pracht erstrahlt, verdankt sie dem Villmarer Steinmetzbetrieb Engelbert Müller. Der sorgte im Jahr 1989 dafür, dass der im Krieg zerstörte Altar aus Marmor wieder originalgetreu aufgebaut wurde. Zeitzeugen erinnerten sich an die letzte Blockbergung im Marmorbruch Bongard.
Die damalige Chefin des Steinmetzbetriebs Engelberg Müller, Christa Höhler, zeigt die Marmorsäulen, die schließlich im Hochaltar der Mannheimer Jesuitenkirche verbaut wurden. Fotos (4): privat Bilder > Die damalige Chefin des Steinmetzbetriebs Engelberg Müller, Christa Höhler, zeigt die Marmorsäulen, die schließlich im Hochaltar der Mannheimer Jesuitenkirche verbaut wurden. Fotos (4): privat
Villmar. 

Die barocke Jesuitenkirche ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Mannheims. Besonders beeindruckt dort der Altar aus verschiedenfarbigem Lahnmarmor. Mit diesem Prunkstück ist es jedoch im September 1943 jäh vorbei: Ein britisch-amerikanisches Bombardement beschädigt das Gotteshaus, der Hochaltar ist komplett zerstört. „Damals flogen zwei Bomben in die Kirche“, erzählt Thomas Meurer, in den 1980er Jahren Chef des Villmarer Steinmetzbetriebs Engelberg Müller, beim Zeitzeugencafé im Lahn-Marmor-Museum am Internationalen Museumstag.

Die Kirche wird nach dem Krieg wieder aufgebaut, der Hochaltar nicht. Doch er fehlt den Gläubigen, unter denen ein sehr prominenter ist: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl setzt sich in den 80er Jahren persönlich für die Rekonstruktion des Marmoraltars ein.

Im Steinbruch Bongard zwischen Villmar und Runkel wird allerdings seit der Insolvenz der Firma Dyckerhoff & Neumann im Jahr 1979 kein Marmor mehr abgebaut. Aber in Villmar gibt es noch den Steinmetzbetrieb Engelbert Müller, der sich bei der Ausstattung von Kirchen bundesweit einen Namen gemacht hat. Und es gibt damals, wie Thomas Meuser am Museumstag erzählt, in dem Bruch noch ausreichend große Marmorstücke, um den Altar originalgetreu nachzubauen. Auch mit Bruchstücken von Schupbach Schwarz und aus dem Villmarer Bruch Famosa sind noch genug Bruchstücke für die Rekonstruktion des Altars da.

Zuschlag für Villmar

Thomas Meuser leitete den Steinmetzbetrieb. Bild-Zoom
Thomas Meuser leitete den Steinmetzbetrieb.

Doch alleine die Beschaffung des Materials würde 1,3 Millionen Mark, die Wiederherstellung des Altars insgesamt 6,54 Millionen kosten. Durch die Kirche und Spenden kommen jeweils ein Drittel der Kosten zusammen. Und im Jahr 1988 beschloss der baden-württembergische Landtag endlich, das Drittel der Kosten für den Wiederaufbau des Altars zu übernehmen. Also auf ans Werk! Das Unternehmen Müller aus Villmar gewinnt die beschränkte Ausschreibung. Den Verantwortlichen in Mannheim gefällt die Idee, den Altar mit nahezu identischen Marmorstücken zu rekonstruieren.

Das Problem: Nun müssen die schweren Marmorbrocken aus dem grasüberwucherten Bongard-Gelände geborgen werden. Dafür wird im Februar 1989 der damals größte Teleskopkran Deutschlands von der Firma Riga aus Mainz nach Villmar geholt. Die Einwohner müssen eine Woche lang mit Einschränkungen leben: Die Straße Richtung Runkel ist eine Woche lang gesperrt. In dieser Zeit soll der Marmorblock geborgen werden. Meuser erinnert sich: „Es dauerte den ganzen Montag, den 1000-Tonnen-Kran aufzubauen. Bis zum Donnerstag wurde der Marmor geborgen.“ Der schwerste Block, der aus dem Bongard-Bruch geborgen wurde, wog 235 Tonnen. Vor dem Abtransport mussten die Brocken mit der Seilsäge aber in kleinere Teile geschnitten werden. Denn das zulässige Ladungsgewicht eines Lasters betrug 98 Tonnen. Die Firma Riga ist mit insgesamt 13 Fahrzeugen in Villmar.

Alfons Stein erinnert sich noch gut an Helmut Kohl, der bei der Einweihungsfeier des Altars in der Kirche war. Bild-Zoom
Alfons Stein erinnert sich noch gut an Helmut Kohl, der bei der Einweihungsfeier des Altars in der Kirche war.

Auch Alfons Stein, der damals als Polier der Firma Engelbert Müller Kirchenprojekte in Deutschland und halb Europa betreute, kann sich noch gut an die spektakuläre Blockbergung im Jahr 1989 erinnern. Kein Wunder: Das Projekt für die Mannheimer Kirche sei das größte seiner insgesamt 41 Dienstjahre gewesen, berichtet der heute 86-Jährige.

Kohl in der ersten Reihe

„Ich konnte im Laster von Villmar immer nur drei Säulenteile mitnehmen“, erzählt Stein. Vier Mitarbeiter aus Villmar hätten dann in Mannheim den Altar nach Zeichnungen des Bildhauers wiederaufgebaut. Nie werde er vergessen, sagt Alfons Stein, wie bei der Feierstunde zur Einweihung des Hochaltars Bundeskanzler Helmut Kohl ganz rechts in der ersten Reihe des Gotteshauses saß. „Das war seine Lieblingskirche.“

Oti Adler war in den 80er Jahren „Mädchen für alles“ bei der Firma Müller.Fotos (3): Klöppel Bild-Zoom
Oti Adler war in den 80er Jahren „Mädchen für alles“ bei der Firma Müller.Fotos (3): Klöppel

Otfried „Oti“ Adler war in den 1980er Jahren „Mädchen für alles“ bei Engelbert Müller, wie er selbst sagt. In der Mannheimer Jesuitenkirche half er beim Einbau der Säulen. Zuvor hatte er die Aufgabe gehabt, die Marmorblöcke im Bongard-Bruch mit der Seilsäge klein zu schneiden, damit diese abtransportiert werden konnten. Etwa einen Monat dauerte die mühsame Tätigkeit, aus rund 14 Tonnen Material zwölf Säulenteile zu schneiden. Er musste aufpassen, dass er nicht zu viel abschnitt. „Sonst wäre der Marmor nicht mehr verwendbar gewesen“, erinnert sich Adler.

Um das Material nach Mannheim zu bekommen, wurde ein 70-Tonnen-Kran in den Bongard-Bruch gehoben. Der schob die Teile dann zum 1000-Tonnen-Kran, der draußen wartete und die Brocken auf die Laster hob.

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