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90 Jahre: Jugendhaus „Karlsheim“ feiert Geburtstag

Das Karlsheim, das erste zentrale Jugendhaus des Bistums Limburg, hat eine bewegte Geschichte und wird 90. Und das wird gefeiert am Samstag, 9. Juni, in Kirchähr im Gelbachtal.
Im alten Pfarrhaus erinnert der „Josef-Leber-Raum“ an neun katholische Jugendliche, die 1941 gegen die Nazis protestiert haben. Foto: Veröffentlichung nur mit Genehm Im alten Pfarrhaus erinnert der „Josef-Leber-Raum“ an neun katholische Jugendliche, die 1941 gegen die Nazis protestiert haben.
Kirchähr. 

„Freunde und Förderer des Karlsheim Kirchähr“ und die Heimleitung laden alle Interessierten ein, die begeisternde Gemeinschaft von Kirchähr in Geschichte und Geschichten, in Erinnerungen und Perspektiven wiederzufinden, heute zu spüren und weiter zu tragen. Um10 Uhr treffen sich zunächst die „Freunde und Förderer des Karlsheims Kirchähr“ zur jährlichen Mitgliederversammlung. Um 14 Uhr beginnt der offizielle Teil. Unter dem Motto „Willkommen – wir feiern!“, heißt es „Ankommen – gratulieren, Spuren suchen, Erinnerungen erzählen – Neues zeigen“. Bei Musik und Kaffee können die Besucher entspannen, durchs Haus und seine Umgebung spazieren, sich informieren, einander begegnen, in Erinnerungen schwelgen. Um 17 Uhr klingt der Tag aus mit einem Dankeschön in lebendiger Liturgie für das Haus und seine Gäste und der Bitte um Gottes Segen.

Für viele Menschen im Bistum Limburg ist das Karlsheim im Gelbachtal ein ganz besonderer Ort. Viele haben hier ganz besondere Erfahrungen gemacht bei Begegnungen, Schulungen, Freizeiten, an die sie sich ein Leben lang gern erinnern. Auch Paare haben sich hier gefunden, den Bund fürs Leben geschlossen, ihre Kinder in der Kirche taufen lassen. Das Karlsheim im Bistum Limburg ist eine Marke.

Nutzer des Hauses sind überwiegend kirchliche Träger der Jugendarbeit wie die Bistumsstelle für Freiwilligendienste, die regionalen Fachstellen für Jugendarbeit, die Jugendkirchen und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Zu den Gästen gehören aber in ökumenischer Offenheit ebenso Kindergruppen, Schulklassen, Chöre, Familien-, Kommunion- und Feriengruppen aus dem Bistum wie aus benachbarten Regionen.

Hier gibt es Service rundum: Ob vegetarisch, ob mit oder ohne Schweinefleisch – das leckere Essen wird ganz nach den Wünschen der Gäste abgestimmt. Der Getränkekeller verwöhnt mit Wein vom Bischöflichen Weingut. Selbst Grillfreunde kommen hier auf ihre Kosten.

Das Haus ist das ganze Jahr über nachgefragt und belegt. Gut 100 Schlafplätze stehen nach den erst kürzlich wieder erfolgten Sanierungs- und Umbauarbeiten zur Verfügung.

Das gestuft am Talhang liegenden Gebäude mit Kirche und Brücke über den Gelbach bildet eine unverwechselbare Kulisse um das Alte Pfarrhaus. Ein romantisches Fachwerkhaus mit Schieferdach, in dem man die Atmosphäre früherer Zeiten schnuppern kann. Die Zimmer im gesamten Objekt tragen Namen von Heiligen: angefangen bei Albert über Judith, Lubentius und Elisabeth bis hin zu Hildegard. In einem breitgefächerten Angebot an Tagungsräumen können die Gästegruppen ihre Veranstaltungen durchführen.

Darüber hinaus gehört zur Anlage ein weitläufiges naturnahes Spielgelände mit benachbartem Zeltplatz. Etwa weitere 120 Plätze mit Toiletten, Ein benachbartes Wirtschaftsgebäude bietet alles, was in der großen Küche in Selbstversorgung zubereitet und serviert werden kann.

Aus der Geschichte

Die rund 800 Jahre alte Kirche war ursprünglich mit seinem Pfarrhaus Mittelpunkt für die auf den umliegenden Höhen liegenden Westerwälder Gemeinden. Die Geschichte als Karlsheim begann 1928, als es am 3. Juni, dem Dreifaltigkeitssonntag und späteren Jugendbekenntnistag, eingeweiht wurde. Die Gemeinde hatte sich im Nachbarort Gackenbach eine neue Kirche mit Pfarrhaus errichtet.

Das alte leerstehende Pfarrhaus wurde fortan als erstes Jugendhaus des Bistums Limburg genutzt, benannt nach Carl Mosterts, der ab 1913 Generalpräses der katholischen Jugendverbandsarbeit gewesen war und seinerzeit deren Inhalte und Organisation maßgeblich geprägt hatte. Bis 1939 blieb hier das Zentrum der kirchlichen Jugendarbeit. Während der Nazizeit war die kirchliche Jugendarbeit verboten. In der Pogromnacht von 1938 wurden jüdische Mitbürger im Karlsheim interniert und unter Aufsicht der SA gestellt.

Viele von ihnen haben daraufhin Deutschland verlassen. Am 14. März 1939 wurde die Leiterin des Hauses infolge einer verleumderischen Kampagne verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Das Karlsheim wurde daraufhin der Hitlerjugend übereignet. 1941 drangen neun katholische Jugendliche ein, rissen die Hakenkreuzfahne ab und protestierten gegen die Übernahme des Hauses durch die Nazis, indem sie ein Christuszeichen anbrachten. Die Sache wurde aufgedeckt, die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren mit Jugendarrest streng bestraft. Der älteste Beteiligte war Josef Leber, der mit fast 18 Jahren als einziger zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wurde und 1942 in ein Himmelfahrtskommando nach Russland an die Front geschickt wurde, wo er im April 1943 ums Leben kam. An diesen Akt erinnert noch heute der „Josef-Leber-Raum“ zum persönlichen und stellvertretenden Gedenken an die jugendlichen Opfer des Naziregimes.

1945 wurde das Karlsheim sofort als Haus der Kirche wieder in Besitz und Betrieb genommen.

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