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Kampf gegen „Windmühlen“

Auf dem „Galgenberg“ und im Bereich Seelbach/Falkenbach könnten bald schon Windparks entstehen. Welche Nachteile Windkraftanlagen vor der eigenen Haustür bringen können, machte die Bürgerinitiative „Wind-Wahn Villmar/Runkel“ bei einer Informationsveranstaltung in Seelbach deutlich.
Winfried Klein aus Runkel warnte vor 200 Meter hohen „Windmonstern“ und der „größten Naturverschandelung aller Zeiten“.	Foto: Klöppel Winfried Klein aus Runkel warnte vor 200 Meter hohen „Windmonstern“ und der „größten Naturverschandelung aller Zeiten“. Foto: Klöppel
Villmar-Seelbach. 

Das Interesse ist groß: Rund 120 Bürgerinnen und Bürger haben am Freitagabend an einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Wind-Wahn“ zum Thema Windräder in Villmar, Seelbach und Falkenbach teilgenommen. Winfried Klein aus Runkel sagte, dass ein starkes Bürgerengagement Windkraftanlagen verhindern könne. Er erinnerte an entsprechende Pläne vor Jahren oberhalb des Neubaugebietes Kappesborder Berg. Als dort keine Baugrundstücke gekauft wurden, habe sich gezeigt, wie sensibel die Bürger für dieses Thema seien. Als die Windkraftpläne dann fallen gelassen wurden, habe die Stadt mehr Bauplätze verkauft. Klein behauptete, dass es kein einziges wirkliches Argument für Windkraft gebe. Seiner Meinung nach gebe es keine Erderwärmung infolge eines steigenden Kohlendioxidgehaltes der Luft. Was Deutschland zur CO2-Produktion beitrage, sei verschwindend gering. Durch zusätzliche Windkraftanlagen würden in unserem Land, wie Klein betonte, die CO2-Konzentration nicht geringer. Denn oft sei hier nicht genügend Wind vorhanden, so dass zur Absicherung des Energiebedarfes ohnehin die gleiche Zahl herkömmlicher Kraftwerke zur Sicherheit mitlaufen müssten. Das Ziel, 100 Prozent der benötigten Eigenbedarfs über erneuerbare Energie zu decken, sei nicht umsetzbar, behauptete Klein.

Die Umsetzung der hessischen Pläne würde nach Aussagen des Runkelers bedeuten, dass 44 Quadratkilometer des Bundeslands mit Windkraftanlagen zugebaut würden. Alle 6,63 Kilometer stünde dann, so Klein, in Hessen ein Windpark, was die Landschaft verschandeln würde. Klein hält es auch für eine Mär, dass Kommunen und Bürger durch Beteiligungen an Windkraftanlagen Geld verdienen können. Auch in Runkel und Villmar liefen bereits Vertreter der Windindustrie herum und stellten den Landbesitzern bis zu 30 000 Euro Pacht im Jahr für ihre Flächen in Aussicht. Ob das Geld am Ende auch gezahlt werde, sei fraglich.

Firmen sind unterwegs

Klaus Ahlborn von der Bürgerinitiative meinte, er hätte nie gedacht, dass jemand ernsthaft in Erwägung ziehen würde, das wichtige Naherholungsgebiet „Galgenberg“ in Villmar mit einem Windpark zu verschandeln. Doch 14 Firmenvertreter seien beim Marktflecken Villmar deswegen schon vorstellig geworden. Ahlborn sieht eine große Gefahr darin, solche Anlagen in Villmar in den Wald zu stellen. In Deutschland seien mittlerweile schon 100 solcher Anlagen abgebrannt. Wenn so eine Windanlage brenne, könne die Feuerwehr sie nicht mehr löschen; der Brand könnte dann direkt auf den Wald übergreifen. Ahlborn sprach auch von einer dauerhaften Wertminderung von 20 bis 40 Prozent für Villmarer Immobilien, wenn die Windkraftanlagen erst einmal stehen.

Vögel verenden

Dieter Stahl, Vorsitzender des Arbeitskreises Limburg Weilburg der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), nahm „mit Erschrecken“ zur Kenntnis, was in Villmar und Runkel geplant sei. Stahl warf Regierungspräsident Dr. Lars Witteck (CDU) vor, nur die Interessen der Windkraft/Lobby zu vertreten. Ob seltene Fledermäuse oder Vögel wie der Rotmilan durch die Anlagen sterben würden, sei offenbar egal. Auch Kraniche könnten bei ihrem Zug leicht in die Anlagen geraten, wenn es stürmisch oder neblig sei. Viele tote Tiere würden von den Mitarbeitern der Windparkbetreiber frühmorgens eingesammelt und nie gemeldet. Der HGON-Vertreter lobte die Stadt Runkel dafür, dass sie sich klar gegen Windkraft positioniert habe. Aber die Vorrangflächen befänden sich zum Teil auf Runkeler Gebiet im Staatswald, und das Land Hessen habe Interesse daran, mit Windkraftanlagen Geld zu verdienen. Stahl warnte vor der Zerstörung der Natur durch die Windkraft, die beispielsweise im Hünfeldener Wald schon deutlich sichtbar sei, aber für die sich dort scheinbar niemand verantwortlich fühle. Er forderte die Bürger auf, gegen die Windkraft zu kämpfen, „denn es geht um unsere Gesundheit und Natur“.

200 Meter hoch

Michael Engel von der Bürgerinitiative hält es für völlig unverantwortlich, in einem Land wie Deutschland mir dichter Bebauung auf Windkraft zu setzen. Die modernen Anlagen seien mehr als 200 Meter hoch und damit beispielsweise dreieinhalb Mal so groß wie die Villmarer Kirche. Engel sagte, durch die Geräusche und Lichter der Anlagen würden die Anwohner in Zukunft nicht mehr ruhig schlafen können. In 1000 Metern Entfernung sei noch mit Schattenwurf zu rechnen. Ebenso warnte er vor Eiswurf. Im Winter könnten Tausende von Metern weit Eisblöcke mit einem Gewicht von bis zu 50 Kilo von den Anlagen heruntergeschleudert werden und somit Menschenleben gefährden. Engel kann es nicht verstehen, dass wegen einer Technologie, „die uns nicht weiterbringt“, die Natur mit Industrieanlagen zugebaut wird. Noch schlimmer findet Engel aber die nicht auf den ersten Blick erkennbaren Beeinträchtigungen wie die Auswirkungen des nicht hörbaren Infraschalls. Dieser könne sich von den Anlagen bis zu 15 Kilometer weit ausbreiten und zu Symptomen wie Schlafstörungen, Übelkeit, Panikattacken und Herzrasen führen.

Wer Infos von der Bürgerinitiative möchte oder mitmachen will, kann sie über die Homepage www.bi-wind-wahn.de oder Initiator Wolfgang Nawroth unter E-Mail BI.villmar-runkel@t-online.de kontaktieren.

(Robin Klöppel)
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