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Würgeser Fastnacht: Karl Bermbach gibt das närrische Zepter ab

30 Jahre war der frühere RSV-Vorsitzende Karl Bermbach Sitzungspräsident in Würges. Dieses Amt hat der 76-Jährige schon vor zwölf Jahren abgegeben, doch bei den Emsbachlerchen war er weiter aktiv. Das endet jetzt. Bei der Kappensitzung am Samstag, 10. Februar, steht er zum letzten Mal als Aktiver auf der RSV-Bühne. NNP-Redakteurin Petra Hackert sprach mit dem Urgestein der Würgeser Fastnacht.
Karl Bermbach in seinem Element: Die Fastnacht ist ihm wichtig. Foto: Petra Hackert Karl Bermbach in seinem Element: Die Fastnacht ist ihm wichtig.
Würges. 

Herr Bermbach, erinnern Sie sich noch an Ihre erste Rolle auf der Bühne?

KARL BERMBACH: Das war schon die des Sitzungspräsidenten. 1976 haben wir die Fastnacht wiederbelebt. Bis Mitte der 50er Jahre hatte es Kappensitzungen in Würges gegeben, dann nicht mehr. 1976 wurde ich auch RSV-Vorsitzender, und kurz davor hatten wir die Kappensitzungen im Verein wieder neu begonnen.

Was war das Beste in all den Jahren?

BERMBACH: Das kann man so gar nicht sagen. Es gab viele schöne und besondere Erlebnisse. Mitentscheidend für die Qualität unserer Sitzungen waren die beiden Frauen, zunächst Margit Becker, die von Anfang an dabei war und später dann Hildegard Löw. Ihre künstlerischen Fähigkeiten, Bühne und Saal zu gestalten beziehungsweise Kostüme zu schneidern, waren für uns unbezahlbar. Leider fiel Margit in der Kampagne 1979 wegen eines Knöchelbruches aus und wir mussten uns mit der traditionellen Kleidung, Narrenkappe, weißes Hemd und schwarzer Anzug, aushelfen. Ansonsten hatten wir jedes Jahr ein neues Thema, was zwar sehr anspruchsvoll, aber auch sehr aufwendig war.

Wie sind Sie gestartet?

BERMBACH: „Hochburg Würges“ war das erste Thema. Wir schnitten aus Sperrholz Burgzinnen aus und saßen auf dem Bühnenpodest als Musketiere dahinter. Das war noch eine relativ einfache Konstruktion. Dies hat sich dann sehr gesteigert. Wir hatten so viele Themen und keines doppelt, Star Wars, die Römer, Ägypter, Griechen, Asterix und Obelix, 1001 Nacht...

Was passiert mit all den Kostümen, wenn sie nur einmal gebraucht werden?

BERMBACH: Sie gehen über in den Besitz desjenigen, der sie trägt. Wir haben Hildegard Löw die Materialkosten erstattet. Aber für die viele Arbeit hat sie nie etwas verlangt. Dasselbe gilt auch für Margit Beckers Kreationen, die immer wieder auch beim Prunkwagenbau des Elferrats für die großen Umzüge der Camberger Fassenacht Verwendung fanden.

Ist Hildegard Löw Schneiderin?

BERMBACH: Keine gelernte. Aber bei den vielen Kostümen, zum Beispiel auch dem unseres Dreigestirns, muss man sagen: Sie ist nicht nur Schneiderin, ihre Produkte sind Kunst. Sie sollten einmal die Kappe sehen, die sie jetzt für unseren Elferratspräsidenten Jörg Glasner angefertigt hat. Eine Kappe mit RSV-Emblem, feinen Glanzstoffen und unzählig vielen Pailletten – vom Feinsten.

Was war Ihre schönste Rolle?

BERMBACH: Vielleicht die des Sultans bei „1001 Nacht“. Ich wurde auf einer Sänfte hereingetragen, und natürlich war die Tür nicht hoch genug. Die Elferräte mussten ganz schön in die Knie gehen, um da durchzukommen. Trotzdem hielten sie die Balance und ließen mich nicht abstürzen. Das war nicht ungefährlich. Wunderbar war aber auch die venezianische Fastnacht. Da fuhren wir mit Gondeln auf der Bühne. Oder die „Piraten“. Dabei war das Boot von wogenden Wellen umgeben, die durch elektrischen Antrieb bewegt wurden.

Was ist dieses Jahr das Besondere?

BERMBACH: Unser Motto ist „Wir feiern Fassenacht, wie es uns gefällt und laden ein den Rest der Welt“. Da haben wir vier Formen des Karnevals vereint: Brasilianische Samba-Tänzerinnen, die Mainzer mit Margit Sponheimer, einem Schwellkopp und Ernst Neger, das Kölner Dreigestirn, die Venezianer mit Gondel. Das ist eine tolle Atmosphäre und eine Augenweide. Das habe ich jetzt schon von vielen Besuchern der ersten Kappensitzung gehört.

Wenn Sie bei den Emsbachlerchen aufhören, dann endet für Sie die Zeit auf der Bühne. Tut es Ihnen nicht leid?

BERMBACH: Doch. Gerade dieses Mal haben wir viele Themen kurz und knackig in unserem Auftritt untergebracht. Natürlich bekommt Bad Camberg wieder ein wenig sein Fett weg – das ist in Würges immer so. Es ist so viel passiert, da haben wir einfach gute Themen. Aber jetzt müssen auch einmal Jüngere ran. Wer sich interessiert, sollte einfach zur Sitzung kommen und schauen, wie reizvoll so ein „Job“ sein kann.

Gute Ideen sind wichtig, dafür muss man ja nicht auf der Bühne stehen . . .

BERMBACH: Ja, fürs Dichten werde ich möglicherweise noch zur Verfügung stehen.

Bad Camberg bekommt wieder sein Fett weg

Würges war vor 400 Jahren eine wichtige Poststation der Strecke Köln – Frankfurt. Bad Camberg nicht, denn durch die Stadtmauer, deren Tore nachts geschlossen wurden, war die Durchfahrt für die Kutschen nicht möglich.

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