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Golfclub: Kein Golfplatz im Schirlinger Feld

Von Im Schirlinger Feld in Staffel wird es keinen Golfplatz geben. Einer der Eigentümer, dessen Flächen zwingend benötigt würden, hat aus Sicht des Golfclubs Eschhofen überraschend einen Rückzieher gemacht. Der Vorsitzende des Golfclubs ist bitter enttäuscht.
Das Schirlinger Feld in Staffel wird nun doch kein Golfplatz. Foto: Anette in Concas Das Schirlinger Feld in Staffel wird nun doch kein Golfplatz.
Staffel. 

Fliegen im Frühjahr 2020 Golfbälle durch das Schirlinger Feld in Staffel? Vor wenigen Tagen wäre die Frage sehr wahrscheinlich mit einem ja beantwortet worden. Doch nun lautet die Antwort: nein. Das Schirlinger Feld bleibt eine landwirtschaftlich genutzte Fläche direkt an der Lahn.

Der Golfclub Eschhofen plant seit knapp eineinhalb Jahren, dort eine Neun-Loch-Golfanlage zu errichten. Der 2015 gegründete Verein hatte mit den meisten Eigentümern eine Einigung erzielt. Doch nun muss der Vorsitzende Alfred Werner überraschend das Aus für den Standort Schirlinger Feld verkünden. „Das ist ein herber Rückschlag“, sagt er. „Wir fangen wieder bei null an. Die Suche geht weiter.“

Einig war sich der Golfclub Eschhofen nach eigenen Angaben auch mit dem wichtigsten Eigentümer, dessen Flächen zwingend benötigt worden wären, um einen Golfplatz errichten zu können. Doch Landwirt Gerhard Stamm hat nach Werners Angaben einen Rückzieher gemacht. Das sei sehr überraschend gekommen, weil man sich im Grunde einig gewesen sei, berichtet der Vorsitzende des Golfclubs. Er wirkt sehr enttäuscht.

Zwei Herzen in der Brust

„Er war immer gesprächsbereit“, sagt Werner. „Ohne seine grundsätzliche Bereitschaft von Anfang an, Flächen abzugeben, hätten wir mit den anderen Eigentümern nie verhandelt. Über den Umgang mit uns sind wir sehr unzufrieden.“ Stamm habe dem Verein vor Kurzem überraschend mitgeteilt, einer der Söhne sei nun doch bereit, den Hof zu übernehmen.

Der Staffeler Landwirt hatte in der Vergangenheit nie einen Hehl daraus gemacht, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen, und er den Verlust landwirtschaftlicher Flächen durch einen Golfplatz bedauern würde. Aber er hatte auch nie abgelehnt, mit dem Verein zu verhandeln über eine Abgabe eines Teils seines Besitzes, sofern man sich finanziell verständigen könne. Am Geld habe es sicher nicht gelegen, sagt Werner.

Der Golfclub Eschhofen hatte vor knapp zwei Wochen mit 19 der insgesamt 24 Eigentümer eine mündliche Einigung erzielt, darunter befand sich zunächst auch Gerhard Stamm. Zwei Eigentümer kleinerer Flächen hätten das Angebot des Golfclubs zwar abgelehnt, was aber aus Werners Sicht kein Problem gewesen sei, und mit drei weiteren hätten noch Gespräche geführt werden müssen. Und selbst wenn auch diese Eigentümer abgelehnt hätten, hätte es nach Werners Angaben eine ausreichend große Fläche gegeben, um einen Golfplatz zu errichten.

Jubeln über die Niederlage des Golfclubs wird die Bürgerinitiative gegen einen Golfplatz im Schirlinger Feld; sie hatte das Ziel, die dortige Landwirtschaft zu erhalten und das Gelände weiterhin für die Naherholung aller Bürger zu nutzen. Und auch beim Kreisbauernverband werden die Sektkorken knallen, weil er den Verlust wertvoller Ackerflächen befürchtet hatte. Freuen werden sich zudem die Fraktionen von Grünen und Linken, die sich gegen einen Golfplatz positioniert hatten.

Lange Gesichter dürfte es bei Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) geben, der dem Vorhaben des Golfclubs von Anfang an positiv gegenüberstand und sich dafür eingesetzt hatte, dass die städtischen Flächen im Schirlinger Feld dem Verein gegen Erbpacht zur Verfügung gestellt werden. Auch die FDP wird das vorläufige Scheitern der Golfplatz-Pläne mit Bedauern zur Kenntnis nehmen.

Am Feierabend spielen

Die Fraktionen von CDU und SPD hatten sich im Vorfeld mit einer öffentlichen Bewertung zurückgehalten, aber die Golfplatz-Befürworter sollen in beiden Fraktionen in der Mehrzahl sein. Schon im vergangenen Jahr hatte das Regierungspräsidium Gießen in einer vorläufigen Bewertung keine grundsätzlichen Bedenken gegen einen Golfplatz im Schirlinger Feld geäußert.

Jetzt muss der Golfclub Eschhofen wieder von vorn anfangen. Im Fokus rückt nach Werners Angaben die Eppenau. Dort wollte der Verein ursprünglich einen Golfplatz errichten und war von seinem Vorhaben erst abgerückt, als es die Möglichkeit gab, das Schirlinger Feld als Standort zu nutzen. „Wenn wir weiter mit der Eppenau geplant hätten, hätten wir dort schon eine Driving Range“, sagt Werner. Er meint damit eine Übungswiese für Golfer, auf der sie ihre Abschläge trainieren. Entscheidend für den Golfclub sei, eine ausreichend große Fläche (um die 15 Hektar) rund um Limburg zu finden. Wer über eine solche Fläche verfüge, könne sich per E-Mail an ihn wenden, sagt er: alfred.werner@gc-eschhofen.de.

Warum ist dem Verein ein Golfplatz in Limburg so wichtig, schließlich gibt es in mehrere Golfplätze in der Region, zum Beispiel in Dillenburg und Idstein? „Es geht uns darum, dass wir abends nach Feierabend auch einmal eine Stunde Golf spielen können“, erklärt Werner. „Wenn man von Limburg zum Golfplatz nach Idstein fährt, verliere ich ja schon eineinhalb Stunden durch die Autofahrt und das Ein- und Ausräumen. Dann lohnt es sich kaum, dort für eine Stunde Golf hinzufahren.“ Dem Golfclub gehe es um einen Golfplatz für jedermann, auch für Kinder und Jugendliche, die dann zum Golfplatz mit dem Fahrrad fahren könnten. „Wir wollen als Verein keine Gewinne erwirtschaften, sondern einen Golfplatz für alle möglich machen.“

Mindestens 200 Mitglieder

Im vergangenen Jahr hatte der Golfclub seine Pläne zum Schirlinger Feld im Magistrat vorgestellt. Der Verein hatte eine Studie in Auftrag gegeben und zwei Varianten für einen Neun-Loch-Golfplatz im Schirlinger Feld überprüfen lassen. Die kleinere Variante sollte mehr als 700 000 Euro kosten, die größere Variante rund 860 000 Euro.

Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung spielen die Mitglieder. „Theoretisch reichen uns 200 Mitglieder, dann sind wir aber noch auf Spenden angewiesen“, sagt Werner. „Um ohne Spenden auszukommen, benötigen wir 250 Mitglieder.“ Derzeit hat der Verein 58 Mitglieder, aber nach Werners Angaben haben 150 Golfer ihre Bereitschaft signalisiert, sofort Mitglied im Golfclub zu werden, wenn sich die Ansiedlung eines Golfplatzes in Limburg umsetzen lässt.

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