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Flüchtlinge als Thema: Kirche muss Mut machen

Die Kirche muss im Blick auf die Flüchtlingssituation den Satz „Wir schaffen das“ stark machen. Das hat Dr. Wolfgang Pax, Leiter des Kommissariats der katholischen Bischöfe in Hessen, vor der Diözesanversammlung gefordert.
Flüchtlinge auf dem Gelände einer Erstaufnahmestelle. Foto: Sebastian Kahnert Flüchtlinge auf dem Gelände einer Erstaufnahmestelle. Foto: Sebastian Kahnert
Limburg. 

Die Kirche müsse den Menschen Mut zu machen, dass „wir die Kraft haben, das zu bewältigen und zu gestalten“, sagte Dr. Wolfgang Pax am Samstag in der Sitzung der Diözesanversammlung. Ebenso wie der Hauptreferent des Tages, Dr. Rupert Neudeck, warnte er davor, ein „Kippen der Stimmung“ förmlich zu beschwören und damit herbeizureden.

Zugleich plädierte der Limburger Domkapitular für eine Versachlichung der Debatte – und dafür, verbal „abzurüsten“. In der Politik in Hessen erlebe er eine respektvolle Sprache, wenn es um Flüchtlinge gehe sowie ein hohes Engagement der Regierung und der Ministerien.

Herausforderung als Chance

Nicht bei dem stehen zu bleiben, was die Politik macht: So lautete der Appell, den Dr. Rupert Neudeck in seiner Rede an die Mitglieder der Diözesanversammlung richtete. Der christliche Auftrag sei immer ein bisschen anders als der staatliche. „Es gibt Kategorien der Barmherzigkeit, die weit über staatliche Ordnung hinaus gehen“, sagte der Mitgründer von Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte und Vorsitzende des Friedenskorps Grünhelme.

Er ermunterte dazu, die große Herausforderung als ebenso große Chance wahrzunehmen; als eine Situation, „die uns stolz machen sollte.“ Die Menschen kämen wegen der Möglichkeit, hier in Frieden und Sicherheit zu leben: „Diese unglaubliche Gunst, die wir täglich genießen, gibt es nur in Europa.“ Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus unterstrich Neudeck die oberste Priorität, die Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen eingeräumt werden müsse. Mit dem Bau von Schulen versuche seine Organisation, dafür in den Herkunftsländern der Flüchtlinge Voraussetzungen zu schaffen.

Die Schwierigkeiten, die sich hierzulande bei der Beschulung von über 18-jährigen Flüchtlingen ergeben, führten zu einem einstimmigen Beschluss der Diözesanversammlung, in dem sie ihre Erwartung an die Bistumsleitung formuliert, „in Schulen in kirchlicher Trägerschaft ein entsprechendes, über das staatliche Angebot hinausgehendes Schulangebot einzurichten und zu finanzieren.“ Was das Bistum Limburg davon unabhängig bereits in der Flüchtlingsarbeit leistet, von der Unterstützung der Ehrenamtlichen bis hin zu den aufgelegten Fonds für finanzielle Hilfe, listete Annegret Huchler, Beauftragte für Willkommenskultur im Bistum, auf. Als eine der großen Herausforderungen bezeichnete sie die Wohnraumbeschaffung.

Kritik an Rom wegen Tebartz

Mit innerkirchlichen Ereignissen hatte sich eingangs die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, beschäftigt. Die römische Entscheidung, kein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Bischof anzustreben, halte sie nicht für gut. Auch viele Mitglieder des Diözesansynodalrates hätten in entsprechenden Diskussionen unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die Entscheidung im Bistum auf wenig Verständnis stoße und in die deutsche Öffentlichkeit nicht zu vermitteln sei.

Als „spürbaren Fortschritt“ bezeichnete sie dagegen die Offenlegung des externen Berichts über die Auswertung der sogenannten Telefonhotline gegenüber dem Diözesansynodalrat durch Weihbischof Manfred Grothe. Er habe sich dabei explizit von dem darin dokumentierten Verhalten der früheren Bistumsleitung distanziert.

In einem mit großer Mehrheit verabschiedeten Beschluss zu den „Zulassungsbedingungen zum Weiheamt“ plädiert die Diözesanversammlung dafür, die historisch gewachsenen und heute gültigen Vorschriften zu überprüfen. Sie sei fest davon überzeugt, dass der verpflichtende Zölibat als grundsätzlich notwendige Voraussetzung zur Priesterweihe auf Dauer nicht (mehr) dem Aufbau der Gemeinden diene. Auch könne in der Gesellschaft die Beschränkung von Weiheämtern auf Männer nicht nachvollzogen werden.

(nnp)
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