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Kirche in Bad Camberg: Kirchturm der Pfarrkirche muss für halbe Million saniert werden

Von Der älteste Teil der Bad Camberger Pfarrkirche St. Peter und Paul ist sanierungsbedürftig: Der im Kern gotische Westturm wurde 1580 errichtet. Jetzt muss das Dach erneuert werden. Die katholische Kirche rechnet mit Kosten von rund einer halben Million Euro. 90 Prozent davon trägt das Bistum.
Der älteste Teil der Kirche ist der im Kern gotische Westturm, 1580 errichtet. Durch den Zerfall des Schiffes folgte hier 1777 bis 1779 ein Neubau. Bilder > Foto: Petra Hackert Der älteste Teil der Kirche ist der im Kern gotische Westturm, 1580 errichtet. Durch den Zerfall des Schiffes folgte hier 1777 bis 1779 ein Neubau.
Bad Camberg.  Der langgezogene Raum sieht aus wie ein riesiger Speicher. Dicke Holzbalken stützen das Dach. Über zwei lange „Planken“ geht es zur Leiter, rechts und links Stahlwolle. „Treten Sie da besser nicht drauf“, sagt Dominik Martin. Wir befinden uns an einem Ort, den wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Wer könnte meinen, dass unter dem Holzboden ein prachtvolles Gemälde von Appiani liegt, der Sebastiansleuchter von 1748 aus Messingbronze herunterhängt? Genau. Wir stehen gerade über der stuckierten Spiegeldecke des Mainzer Hofmalers Joseph Appiani, die die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul ziert. Unser Weg führt weiter, denn wir wollen noch höher. Drei Leitern hinauf, erst sieben, dann elf, auf der letzten 20 Sprossen in die Höhe. Jetzt sind wir im Turm. Dominik Martin öffnet
Der Kirchturm von St. Peter und Paul Bad Camberg. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Der Kirchturm von St. Peter und Paul Bad Camberg.
ein Fenster. Der Vorsitzende des Ortsausschusses der Pfarrei St. Peter und Paul Bad Camberg blickt hinaus. Die „Pfortenwiesen“ sind sehr gut zu sehen. Die „Grüne Lunge“ Bad Cambergs, von Wohnhäusern umgeben. Angrenzend der Sportplatz der Turngemeinde (TG Camberg). Auf der anderen Seite führt der Blick über den Kirchplatz, die „Alte Schule“, die Fachwerkgebäude bis hin zum Untertorturm. Der hat seit seiner Sanierung vor ein paar Jahren wieder ein Dach. Jetzt kommt die Gemeinsamkeit mit dem Kirchturm: Auch der ist gedeckt, nur leider sind Reparaturen nötig. Der Zahn der Zeit hat heftig genagt.

Risse im Holz

Blick über das Schieferdach. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Blick über das Schieferdach.

Dominik Martin legt die Hand in Löcher und Risse im Holz, zeigt Verunreinigungen durch Vögel, Stellen, an denen bereits frische Holzbretter eingebaut wurden. Doch jetzt steht eine umfangreichere Sanierungsmaßnahme ins Haus. Nicht „heute oder morgen“, aber bald. Dieses Jahr ist geplant, den Turm von innen zu reinigen. Es folgen Gutachten, Ausschreibung, Auswertung der Angebote und 2018 die Projektumsetzung. „Aktuell gehen wir von Kosten von mehr als einer halben Million Euro aus“, erklärt Martin. 90 Prozent davon trägt das Bistum Limburg, zehn Prozent muss die Pfarrei aufbringen. „Sie werden unter anderem aus Initiativen wie zum Beispiel Benefizkonzerte und Einzelspenden getragen.“ In dieser Phase ist die Pfarrei jetzt – sie bittet um Spenden.

 

Gutachten folgen

Einen konkreten Sanierungsplan gibt es noch nicht. „Das steht erst fest, wenn die Gutachten abgeschlossen sind“, erläutert der Ortsausschuss-Vorsitzende. Grundsätzlich lasse sich aber sagen, dass das komplette Naturschieferdach (rund 450 Quadratmeter) inklusive Schalung und teilweiser Gebälkerneuerung anstehe.

Also eine umfangreiche Maßnahme, auch wenn man es dem Turm von unten jetzt nicht ansieht. Baufällig ist er ebenfalls nicht, beruhigt Dominik Martin. Denn der Kirchturm von St. Peter und Paul trägt eine schwere Last: Er beherbergt fünf verschieden große Glocken.

Zwei der fünf Glocken, vorne Maria, hinten Katharina. Bild-Zoom
Zwei der fünf Glocken, vorne Maria, hinten Katharina.

4,5 Tonnen Glocken

Die älteste mit dem Namen Maria wurde 1922 gegossen und ist 1200 Kilogramm schwer, die anderen vier entstanden im Jahr 1950. Die kleinste, Katharina, wiegt 370 Kilogramm – bei einem Durchmesser von „nur“ 86 Zentimetern. Nicht ganz ein Meter also. „Christkönig“ ist das Schwergewicht im Glockenklang. 1,46 Meter ist der Durchmesser. Das Gewicht: 1750 Kilogramm. Dies ist auf einer Tafel zu lesen, die oben im Glockenturm hängt.

Wer die Zahlen addiert wird feststellen, dass dort oben beim Geläut 4,5 Tonnen Metall hin- und herschwingen. Dies alles trägt die Holzbalkenkonstruktion im Kirchturm. Mauern wären dem nicht gewachsen.

CHRONIK 1578 stürzte der Kirchturm ein – Neubau folgte ...

Die Sanierung des Bad Camberger Kirchturms, die nächstes Jahr ansteht, ist nötig und beileibe nicht die erste. Im 16. Jahrhundert stürzte der Kirchturm sogar ein.

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Die Turmuhr

Übrigens: Die Kirchturmuhr verfügt bis heute über ein mechanisches Uhrwerk, das auf die Sekunde genau geht – das hat die Initiative Kirchturmuhr mit Hilfe einer Funkuhr nachgemessen. Bernd Schlösser, der schon viele Interessierte zum Uhrwerk geführt hat, zeigt, wie das Aufziehen funktioniert, das ein Kreis von Ehrenamtlichen übernimmt. Die Pendeluhr ist über 100 Jahre alt. Damals hatte noch niemand an den Wechsel von Sommer- und Winterzeit gedacht. Das führt dazu, dass in Bad Camberg regelmäßig zweimal im Jahr die Zeit stillsteht. Denn: Die Kirchturmuhr lässt sich nicht einfach so vor- oder zurückstellen. Deshalb wird sie beim Wechsel auf die Sommerzeit, der Ende März wieder ansteht, für eine Stunde angehalten. Noch ein wenig komplizierter ist der Übergang in die Winterzeit, denn Vorstellen geht ja auch nicht. Dann wird die Uhr sogar für elf Stunden angehalten, damit wieder alles stimmt.

Dominik Martin steigt in den Turm. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Dominik Martin steigt in den Turm.
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