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Interview: Knigge im Thing: Kleinkunst-Premiere am 16. Februar

Moritz Freiherr Knigge, Nachfahre des bekannten Benimm-Papstes Adolph Knigge, feiert am Freitag, 16. Februar, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), im Limburger „Thing“ Premiere seines neuesten Kleinkunstprogrammes „Who The Fuck is Knigge?“. Unser Mitarbeiter Robin Klöppel hatte die Möglichkeit, sich vorher mit dem Nachfahren des berühmten „Benimm-Papstes“ Adolph Knigge zu unterhalten.
Moritz Freiherr Knigge. Foto: Dennis Stobbe Foto: Dennis Stobbe Moritz Freiherr Knigge. Foto: Dennis Stobbe
Limburg. 

Herr Knigge, wie unhöflich würden Sie es denn von den Limburgern finden, nicht zu Ihrer „Who The Fuck is Knigge?“-Premiere ins Thing zu kommen?

MORITZ FREIHERR KNIGGE: Sehr unhöflich. Schließlich feiere ich dort – wie Sie richtig schreiben – meine Premiere. Im Ernst: Noch ist der Besuch meiner Veranstaltungen ja nicht verpflichtend und so muss ich zähneknirschend akzeptieren, dass möglicherweise nicht alle Limburgerinnen und Limburger meiner Einladung folgen werden.

Was erwartet die Besucher?

KNIGGE: Ich möchte Bezug nehmen auf den vielfach beklagten Sittenverfall, den Verlust von Umgangsformen und das zunehmende Gefühl in einer Rüpel-Republik zu leben. In meinem Programm gehe ich der Frage nach, was jeder von uns tun kann, um das Zwischenmenschliche gelingen zu lassen. Schließlich ist mein Familienname das Synonym dafür, wie man etwas richtig tut im Umgang mit Menschen.

Ist es eher Fluch oder Segen, Herr Knigge zu sein? Haben die Leute an Sie besonders hohe Erwartungen? Können und wollen Sie diese erfüllen?

KNIGGE: Ich gebe es zu: Manchmal ist mein Name tatsächlich ein Fluch. Dabei habe ich so einen schönen Familiennamen! Und wofür steht der? Für den Umgang mit Messer und Gabel statt für den Umgang mit Menschen. Andererseits, da bin ich ehrlich: Knigge zu sein ist nicht so übel, die Menschen behandeln mich wirklich ausgesucht höflich! Natürlich ist das auch mit bestimmten Erwartungen an mich verbunden. Alles hat eben seinen Preis. Ob ich diese Erwartungen immer erfülle, das weiß ich nicht, da müssen sie meine Mitmenschen fragen. Erfüllen möchte ich aber eines: ein angenehmer Mensch zu sein. Wer sich von mir hingegen Absolution für seine eigene Engstirnigkeit erhofft, dem sage ich auch schon mal: „Wer ist den hier der Knigge, wer macht denn hier die Regeln?“

Haben Sie sich schon mal richtig danebenbenommen oder zumindest das Bedürfnis verspürt, so richtig privat, mal beispielsweise bei einer Feier, die „Sau rauszulassen“?

KNIGGE: Für „Sau rauslassen“ bin ich ein zu erdverwachsener Niedersachse, und an meine Jugendsünden kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern. Vielleicht will ich das auch nicht.

Was war der größte Fehler Ihres Lebens im Umgang mit Menschen?

KNIGGE: Jene Momente, in denen ich kurz davon überzeugt war, keine Fehler zu haben und zu machen.

Womit kann man eine Frau beeindrucken? Darf man Fragen wie „Wie findest Du mein Kleid?“ ehrlich beantworten oder sind Notlügen besser, um nicht als unhöflich zu gelten?

KNIGGE: Mit Komplimenten kann man beeindrucken. Komplimente sind etwas Schönes, wenn sie von Herzen kommen und nicht inflationär benutzt werden. Ehrlichkeit und Höflichkeit vertragen sich nach meiner Erfahrung nicht besonders gut. Schon in Goethes Faust lesen wir: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“. Was mich interessiert ist, dass der Umgang gelingt. Und da ist Ehrlichkeit nicht immer die beste Lösung: „Gefällt mir überhaupt nicht Dein Kleid!“

Muss ich in Zeiten der Gleichberechtigung noch eine Frau bevorzugen, beispielsweise sie vor allen Männern im Raum begrüßen?

KNIGGE: Eigentlich nicht und irgendwie doch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen nach wie vor gerne als Dame behandelt werden wollen. Andererseits wurde mir auch schon von einer Frau auf mein Angebot ihr in den Mantel zu helfen entgegenschleudert: „Das kann ich schon alleine!“

Bringt es im Berufsleben überhaupt noch etwas, höflich zu sein? Ich lese gerade ein Buch des Psychiaters Borwin Bandelow, der zur Erkenntnis kommt, dass in Führungspositionen oft psychisch Kranke, Narzisten und Borderliner kommen, weil diese eben oft keine Skrupel haben, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen?

KNIGGE: Das kommt darauf an, wie wir für uns selbst „bringt das was?“ definieren. Wer ohne Skrupel und ohne Scham nur das Ziel verfolgt die Karriereleiter möglichst schnell hoch zu purzeln, der sollte auf Höflichkeit verzichten. Bringt nichts: Kostet nur Zeit und damit Geld. Für wen „bringt das was?“ bedeutet, mit gesunder Seele durchs Leben zu gehen, der sollte nicht auf Höflichkeit verzichten. Bringt was: Charakterbildung durch echte Begegnungen mit echten Menschen.

Ich habe mich, um Menschen besser verstehen zu können, intensiv mit den Schimpansenforschungen von Jane Goodall befasst. Schimpansen sind geschickt darin, Bündnisse zu schmieden, sich durch Lautstärke größer zu machen, um andere zu übertrumpfen und in der Hierarchie nach vorne zu kommen. Manchmal führen sie auch Krieg gegen benachbarte Gruppen, um ihr Machtimperium zu erweitern? Haben wir nicht alle eine animalische, bösartige Seite in uns?

KNIGGE: Natürlich haben wir eine natürliche Seite. Natur und Kultur sind die beiden Seiten unserer menschlichen Medaille. Wir sind Menschen, uns ist nichts Menschliches fremd. Adolph Freiherr Knigge sprach in diesem Zusammenhang von „kunstvoller Natürlichkeit“ und gab uns damit den wertvollen Hinweis, das Animalische weder zu unterdrücken noch ihm die Kontrolle zu überlassen. In diese Balance zu kommen war für ihn das Ziel des menschlichen Miteinanders.

Sie sind ja auch in sozialen Netzwerken im Internet unterwegs? Ich mache die Erfahrungen, dass mit vielen anderen Usern niveauvolle kontroverse Diskussionen gar nicht mehr möglich sind. Wie reagieren Sie, wenn andere nicht an einem sachlichen Meinungsaustausch interessiert sind, sondern sofort bei unterschiedlichen Auffassungen persönlich beleidigend werden? Ich habe oft den Eindruck, viele wollen nicht nett sein, sondern einfach durch gnadenloses Durchdrücken Ihrer Meinung den anderen Mitlesern zeigen, dass sie der Stärkere sind.

KNIGGE: In sozialen Netzwerken beschleicht auch mich das Gefühl, dass der Schimpanse in uns die Oberhand gewonnen hat. Viele Menschen scheinen sich von Angesicht zu Angesicht begegnen zu müssen, um einen zivilisierten Umgang miteinander zu pflegen. Ansonsten vergessen sie scheinbar, dass am anderen Ende auch ein Mensch sitzt. Im Netz finden sich leider so schnell so viele andere „Schimpansen“ mit denen sich prima Bündnisse schmieden lassen, um sich größer zu machen und andere zu übertrumpfen. Ich mag die Analogie mit den Schimpansen. Das Problem besteht dann darin, dass aus Meinung ruckzuck Wahrheit wird. Da würde allen, die sich auf dem „digitalen Affenhügel“ ganz oben wähnen die alte Weisheit: „Glaube nicht alles, was Du denkst“ gut tun.

Ist es für Sie in Ordnung, wenn sich im Netz Fremde einfach duzen oder im privaten Umgang keinen Wert mehr auf Rechtschreibung legen, weil das Posten ja so schneller geht? Ist die Gesellschaft unhöflicher geworden?

KNIGGE: Ich sage immer: Solange KNIGGE drin vorkommt, fühle ich mich angesprochen. Ob die Gesellschaft unhöflicher geworden ist, das ist ein eigenes Interview wert. Für mich gilt jedoch die folgende Maxime: Wer den Finger an die eigene Nase nimmt, kann nicht auf andere zeigen.

In Zeiten des Grippevirus: Darf ich eigentlich einem Hustenden Gesundheit wünschen?

KNIGGE: Sie dürfen jedem jederzeit Gesundheit wünschen. Es sei denn, Sie haben es mit einem Allergiker zu tun, der 100 Mal in der Stunde niest. Der wird Ihnen dann was husten!

Knigge im Thing

Moritz Freiherr Knigge – Nachfahre des berühmten Autors der Benimm-Bibel – feiert am Freitag, 16. Februar, die Premiere seines ersten Kleinkunstprogramms in der Limburger Kleinkunstbühne Thing.

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