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Erlenbachschule: Kurioser Fall: Schulklo ohne Zwischenwände

Das Thema Schultoiletten ist heikel. Mangelnde Sauberkeit ist oft ein Problem, Vandalismus und verstopfte Kloschüsseln. 1,765 Millionen Euro plant der Landkreis Limburg-Weilburg in diesem Jahr in die Toilettenanlagen in Schulen und Sporthallen zu investieren. Dann werden wohl endlich auch Toilettenräume in der Erlenbachschule repariert – dort fehlen seit eineinhalb Jahren die Trennwände zwischen den Klos.
Bei diesen Toiletten in der Erlenbachschule fehlen die Trennwände. Dieses Jahr soll dies behoben werden. Foto: Heike Lachnit Bei diesen Toiletten in der Erlenbachschule fehlen die Trennwände. Dieses Jahr soll dies behoben werden.
Limburg-Weilburg. 

Der Mutter eines Erlenbachschülers reicht es mittlerweile. Nachdem sie sich mit ihrer Beschwerde nach eigenen Angaben schon des Öfteren an den Landkreis gewandt hat, schrieb sie nun an diese Zeitung. „Seit eineinhalb Jahren fehlen bei den Jungen die Trennwände zwischen den Toiletten, und es sind nur noch zwei Toiletten abschließbar“, beschreibt die Mutter, die namentlich nicht genannt werden will, die prekäre Lage auf dem Schulklo. Die Toilette benutzten alle Schüler der Elzer Haupt- und Realschule. Der Landkreis habe sie bisher vertröstet.

Dessen Pressesprecher Jan Kieserg erklärt auf Anfrage: Die Trennwandanlage sei während der normalen Schulzeit so sehr zerstört worden, dass eine normale Reparatur durch einen Schreiner nicht möglich sei. Die gesamte Tragekonstruktion sei verbogen gewesen. Es müssten komplett neue Trennwände errichtet werden. Ein Kostenvoranschlag belaufe sich 6000 Euro. „Es war aus Sicht des Landkreises nicht einzusehen, diesen Schaden ohne Konsequenzen zu beseitigen“, teilt Kieserg mit. Die Schulleitung sei gebeten worden, den Verursacher ausfindig zu machen, um Schadenersatz geltend zu machen und die Erneuerung zu veranlassen. „Dies ist aber bis heute nicht geschehen.“ Dennoch sei schon länger angedacht, die WC-Anlagen der Haupt- und Realschule zu sanieren. Im Rahmen dieser Maßnahme würden dann auch die Trennwände erneuert.

Vandalismus oder Versehen?

Beate Kallenbach, stellvertretende Schulleiterin der Erlenbachschule, sagt, dass der Schaden direkt gemeldet worden sei. „Zuerst war es nur ein kleiner Schaden, doch dieser wurde immer größer, so dass die Trennwände herausgenommen werden mussten, um die Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Kallenbach. In ihren Augen handelt es sich nicht um einen Vandalismusschaden. „Die Jugendlichen besitzen noch ein fehlendes Körpergefühl“, begründete sie. Zudem sei es schwierig, den Schaden jemanden zuzuordnen, da es keine Aufsicht auf den Toiletten gebe. Da aber auch die Rohre veraltet und die Fliesen und Fugen nach vielen Jahre verdreckt seien, freue sie sich, dass diese Anlagen demnächst grundsaniert werden. Da in der Zeit der Sanierung die Anlagen gesperrt sind, können diese nur in den Schulferien getätigt werden.

Die Toiletten der Erlenbachschule sind nur eine der WC-Baustellen, die der Landkreis in diesem Jahr in Angriff nimmt. Insgesamt investiert er 1,765 Millionen Euro, um die Toiletten in elf Sporthallen und neun Schulen zu sanieren, teilt der Pressesprecher mit.

Ulrich Wolf, Schriftführer und Pressesprecher des Kreiselternbeirates, sieht die Toilettensituation an den Schulen als nicht so schlimm an. „Es gibt Einzelfälle, doch insgesamt brennt es im Kreis nicht so“, sagt Wolf, „in den vergangenen Jahren wurde viel in die Gebäude und Toiletten investiert.“ Zudem habe der Kreis immer ein offenes Ohr. Wenn Geld da sei, werde es auch in die Hand genommen und in die Schulen gesteckt.

„Schüler sind pingelig“

Matthias Roßbach, stellvertretender Schulleiter der Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar, sieht die Situation auch eher entspannt. An ihn würden nur sehr selten Beschwerden gerichtet. „Die Schüler sind heute sehr pingelig geworden“, erzählt er, „es passiert zwar immer wieder mal etwas, doch es hält sich in Grenzen.“ Die Toiletten würden täglich gereinigt, und alles werde aufgefüllt. In der Turnhalle würden die Sanitäranlagen in diesem Jahr grundsaniert. Für die Toilettenräume im Schulgebäude würde er sich Desinfektionsspender in der Nähe der Waschbecken wünschen.

Dirk Fredl, stellvertretender Schulleiter der Marienschule, attestiert den Klos an seiner Schule einen guten Zustand. Es gebe immer mal wieder Vorfälle wie ausgeleerte Papierbehälter oder in die Toiletten geworfene Sachen. Aber generell gebe es dort keine größeren Probleme.

Nur Klaus Müller, Schulleiter der Goetheschule, wählt deutlichere Worte: „Ich würde mir wünschen, dass die Schüler pfleglicher mit den Anlagen umgehen“, sagt er. Die baulichen Voraussetzungen auf den Schultoiletten seien alle sehr gut. Aber er könne keine ständige Aufsicht abstellen, die die Schüler kontrolliert. Zwar würden die Kollegen immer wieder auch in den Toiletten nach dem Rechten sehen, aber sie könnten nicht dauerhaft dort sein. „Das Problem könnte nur über eine andere Form der Aufsicht gelöst werden, doch dies ist nicht machbar“, sagt Müller.

Wer trägt die Putzkosten?

In Hessen gibt es mittlerweile sogar Schulen, an denen die Eltern die Putzkräfte bezahlen müssen. Diese Überlegungen habe es auch schon an den größeren Schulen im Landkreis gegeben, sagt Kreissprecher Kieserg. Allerdings ist ihm keine Schule bekannt, die dies auch umgesetzt hat.

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