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Beeindruckende Premiere: Leben muss gelebt werden

Von „Die fremde Stadt“ heißt die eindrucksvolle Theaterproduktion, die die Amateurbühne „Oase“ am vergangenen Wochenende erstmals präsentierte. Das Premierenpublikum war von dem Neun-Personen-Stück des britischen Autors John B. Priestley begeistert.
Das Leben ist mehr, als das eigene Dasein zu erhalten. Das ist die Quintessenz des Bühnenstücks „Die fremde Stadt“, die für Zündstoff unter den Anwesenden vor der Stadtmauer sorgt. Das Leben ist mehr, als das eigene Dasein zu erhalten. Das ist die Quintessenz des Bühnenstücks „Die fremde Stadt“, die für Zündstoff unter den Anwesenden vor der Stadtmauer sorgt.
Montabaur. 

Es gibt Begrüßungsformeln, die sind abgedroschen, leer und klanglos. Und dann gibt es Willkommenssätze, die trotz ihrer Kürze lange nachhallen. Oase-Regisseur Oliver Lammersdorf formulierte am Premierenabend passend und prägnant: „Schicksalsschläge bringen uns dazu, über unser Leben nachzudenken.“

Er wolle damit an den kürzlich verstorbenen Dieter Krock erinnern, der ein langjähriges Mitglied des Ensembles war, sagte er. Gleichzeitig lieferte er damit die Kernaussage des von John B. Priestley geschriebenen Theaterstücks „Die fremde Stadt“: Das Leben ist mehr, als das eigene „Dasein aufrecht zu erhalten“. Leben muss gelebt werden, damit es gelingt. Das ist die Botschaft dieser Geschichte, die sich auf der Bühne des Amateurtheaters vor einer festen Mauer abspielt.

Neun Personen mit sehr unterschiedlichen Biografien, Lebensentwürfen und Vorstellungen treffen vor dieser Mauer aufeinander. Niemand von ihnen weiß, wie er dorthin gelangt ist, und kaum einer ahnt, was sich hinter der Mauer verbirgt, zumal sich das „Dahinter“ in der fremden Stadt für jeden der Protagonisten anders darstellt. Was für die einen das Paradies sein mag, lässt die anderen zurückschrecken. Das Glück ist ein individuelles Erlebnis. Aber zu probieren, dieses Glück zu erlangen, das kann jeder.

So erscheinen zunächst Lady Loxfield (Hiltrud Thull) mit ihrer eigensinnigen Tochter (Maren Schaar), der eifrig jeder Gewinnoption hinterherjagende Geschäftsmann Cudworth (Michael Musil), eine weise alte Frau (Gordana Meudt), der golfspielende Adelige Sir George (Tobias Kuczera), die flinke und temperamentvolle Kellnerin Alice (Paulina Scheugenpflug), das ungleiche Ehepaar Stritton (Wiebke Becker und Jonathan Heins) und Joe (Alexander Fabian), der Handwerker, der in diesem Stück zum Mund-Werker mutiert.

Denn er ist es, der die Gesellschaft wachrütteln will, der dem Geschäftsmann beweisen will, dass Geld weniger wichtig ist als Achtung voreinander, und der ihn mit seinem ruhigen, sardonischen Lächeln zur Weißglut treibt. Dabei steigern sich die beiden Schauspieler bei ihrem langen, verbalen Wettstreit in atemberaubende Rage. Der ohnehin ständig geprügelt wirkende Malcolm Stritton wirkt da noch ein wenig verzagter. Aber auch ihn will Joe aufmischen und feuert ihn an, endlich das zu sagen und zu tun, was er selbst möchte. Großartig gelingt es Jonathan Heins immer wieder, diese Diskrepanz zwischen Wollen und Sollen aufblitzen zu lassen: Einem energischen Temperamentsausbruch folgt ein umso kläglicheres Nachplappern dessen, was seine Frau Dorothy vorgibt. Malcolm wird es nicht schaffen, seinen eigenen Weg zu finden. Und als Joes Widerpart ist Mr. Stritton allemal zu schwächlich.

 

Herrliche Dialoge

 

Da bietet Sir George mehr Angriffsfläche und liefert sich mit Joe herrliche Dialoge voll triefender Arroganz und Absurdität. Überhaupt nimmt Sir-George-Darsteller Tobias Kuczera im Laufe des Stücks souverän an Fahrt auf. Mal tänzelt er um seinen Golfschläger, mal schwingt er ihn auf die Schulter wie eine Waffe. Sir George steht in und zu seinem Leben. Das genügt ihm.

Ebenfalls glücklich mit ihrem Dasein ist die alte Frau, die mit Gordana Meudt sehr gut besetzt ist. Weise ist sie, gelassen und altersmild. Mit wenigen Worten bestimmt sie ihre Position: Natürlich sei sie nicht tot, weil ihr schließlich dann die Füße nicht wehtun würden und weil sie dann keine Einkaufstasche zu schleppen hätte – das ist ihre positive Philosophie.

Die große Entdeckung bei dieser Theaterproduktion aber ist Paulina Scheugenpflug, die die quirlige Kellnerin Alice spielt. Sie lässt sich nicht einschüchtern auf dem Weg zu ihrem Glück. Mutig geht sie in die fremde Stadt, um zu erleben, wie sich Leben anfühlt. Dabei ist die junge Schauspielerin so wendig, in ihrer Ausdruckskraft so überzeugend, dass man ihre Auftritte gerne mit Szenenapplaus bedacht hätte. Den gab es am Ende reichlich für alle.

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