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Leichter lernen mit Tablets

Von Die Mittelpunktschule Goldener Grund macht gute Erfahrungen mit ihren beiden Tablet-Klassen, die es seit Schuljahresbeginn gibt. Die Schüler lernen gern auf diese Weise, die sie ganz speziell fordert und fördert.
Statt „Hefte raus“, heißt es hier „Tablets auf“. Die virtuellen Schulbücher haben die Kinder so immer mit dabei. Im Hintergrund ist der Tablet-Schrank zu sehen.	Fotos: Hackert Bilder > Statt „Hefte raus“, heißt es hier „Tablets auf“. Die virtuellen Schulbücher haben die Kinder so immer mit dabei. Im Hintergrund ist der Tablet-Schrank zu sehen. Fotos: Hackert
Selters-Niederselters. 

Konzentriert blickt Leon auf den kleinen Bildschirm. Das Programm startet, und mit wenigen Handgriffen zieht er ein paar Punkte auf. Der Zwölfjährige geht geschickt mit der Software um, könnte jetzt Abstände, Strecken, aber auch dreidimensionale Objekte zeichnen und berechnen. Leon ist einer von 20 Schülern, die die fünfte Klasse der Mittelpunktschule Goldener Grund (MPS) besuchen. Beide fünfte Klassen der MPS sind schon zum Schuljahrsbeginn als Tablet-Klassen gestartet. Das hat viele Vorteile.

Info: Interaktives Lernen

Die Mittelpunktschule (MPS) Goldener Grund sieht das Arbeiten mit den Tablets als eine gute Vorbereitung auf die Berufswelt und den Alltag.

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„Wir müssen nicht mehr so viele Bücher tragen“, erklärt Batuhan (10) erst einmal etwas ganz Praktisches. Der Schulranzen ist leichter geworden. „Wir haben digitale Sachbücher und manchmal schließen wir unser Tablet auch an die große Tafel an.“ Die gleichaltrige Natascha ergänzt: „Am Anfang gab es manchmal Probleme, zum Beispiel mit dem Anmelden oder so. Aber die waren immer schnell gelöst. Das Lernen ist so viel besser geworden.“ Das bestätigt auch Antonia (11): „Dadurch, dass wir mit den Schulprogrammen arbeiten, können wir selbst abrufen, wo wir Schwierigkeiten haben und dort dazulernen.“

 

Spezielle Lernprogramme

 

Dazulernen und Probleme lösen. Das mussten auch die Lehrer, die sich mit den Tablets beschäftigen. Schulleiter Heiko Last hat Konrektor Andreas Lang mit dem Projekt betraut. Er kümmert sich übergreifend um alles, was notwendig ist und unterstützt die beiden Klassenlehrerinnen Carolin Wagner und Natalie Kohl bei der Arbeit. „Die Kosten für die Software halten sich im Rahmen, wir können ja auf Schullizenzen zurückgreifen“, sagt Heiko Last. Außerdem gibt es kostenlose Programme und solche, die vom Land Hessen zur Verfügung gestellt werden. „Wir haben das ganze Office-Paket zur Verfügung, die Kinder lernen, damit zu arbeiten und lernen außerdem das Zehn-Finger-Schreiben“, äußert sich Andreas Lang zum Grundlegenden. Dann geht es natürlich auch an die Inhalte.

Info: Fünf Schulen im Kreisgebiet

Nach Informationen der Kreisverwaltung, die Schulträger ist, gibt es aktuell fünf Schulen im Landkreis Limburg-Weilburg, die mit Tablets arbeiten.

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In Mathe – hier ist Leon, der das Tablet zuerst erklärt, hat besonders gut – kann man es sich leicht vorstellen, wie hilfreich der kleine Computer als Arbeitsgerät ist. Aber auch in anderen Fächern erleichtern die virtuellen Bücher Zugriffe und Arbeiten. Und: Die Klasse von Carolin Wagner ist eine Inklusionsklasse. Das heißt, eine schwächere Schülerin wird beim Lernen mit dem Tablet so gefördert, dass sie deutlich besser zurechtkommt – was natürlich für alle gilt, die bei speziellen Aufgaben Probleme haben. Jetzt die Gretchenfrage: der Preis. Bildung ist teuer.

Die Mittelpunktschule hat die Tablets nicht angeschafft, sondern die Eltern. Andreas Lang: „Wir hatten die Eltern gefragt und wollten ursprünglich nur eine Tabletklasse einrichten, um das Ganze zu testen. Aber die Nachfrage war so groß, dass wir mit zwei Klassen gestartet sind.“ Ein Tablet kostet etwa 400 Euro. Viel Geld für manchen Haushalt. Dafür begleitet es die Schüler als Arbeitsgerät bis zur zehnten Klasse – sechs Jahre lang. „Wir haben natürlich daran gedacht, sozial schwächere Familien zu unterstützen“, erklärt Carolin Wagner. Dies geschieht unter anderem durch Mittel der Schule/des Fördervereins, aber auch durch ganz spezielle Spenden. So haben sogar einzelne Eltern, die es sich leisten konnten, dafür gesorgt, dass Klassenkameraden ihrer Kinder auch in den Genuss des Tablets kommen konnten.

Hinten im Klassenzimmer steht ein Schrank mit vielen kleinen Fächern. Hier werden die Tablets abgelegt und verschlossen, wenn die Kinder zum Beispiel in den Sportunterricht gehen. Und natürlich arbeiten alle auch zu Hause mit den Tablets. Was nicht heißt, dass nicht mehr mit der Hand geschrieben wird. Denn das muss natürlich auch trainiert werden. Gestern war für die beiden fünften Klassen noch ein ganz besonderer Tag: Eine heimische Firma stellte den Tablet-Schülern den nächsten technischen Schritt vor, und die Jungen und Mädchen waren ganz fasziniert vom 3 D-Drucker. Er stellt mit Plastikmasse Gegenstände her. Insofern ist das Wort Drucker natürlich für diejenigen, die sich nicht mit dem Thema beschäftigen, etwas irreführend.

Aber die Kinder lernen ganz schnell, was alles möglich ist, wie „Zeile um Zeile von unten aufgebaut“ ein Objekt entsteht. Oliver Godehardt von der Firma Pauly nimmt sich viel Zeit, um alles zu erklären. Da entstehen Schachfiguren, ein Zauberwürfel, man könnte sogar ein Implantat, zum Beispiel einen neuen Zahn, herstellen – sehen die Kinder. Die Gegenstände sind handfest und einsatzbereit – wie Yannick und Rene gleich einmal mit der gedruckten Ukulele ausprobieren. Man kann tatsächlich darauf spielen. „Wir überlegen, einen 3 D-Drucker anzuschaffen“, sagt Heiko Last. Für viele Arbeitsbereiche ist er nützlich und gut beim Lernen. Und man kann natürlich auch etwas herstellen, was Spaß macht. „Oh, ein Laserschwert“, hat Tim sofort eines der Beispiele wiedererkannt. So macht Lernen natürlich Freude.

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