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Testphase an der PPC: Leichter online lernen: Individueller Sprachunterricht für Flüchtlinge

Von Drei Monate lang lernten junge Flüchtlinge Deutsch im Hybrid-Unterricht: Die Lerneinheiten wurden digital angeboten und individuell und online von einem Coach betreut. Das Ergebnis ist erfolgversprechend, sagen die Entwickler des Programms und die Schüler.
„Geistige Passivität“ gibt’s beim Hybrid-Unterricht nicht mehr, sagen Entwickler Dr. Jan Ihmels (Mitte), der ehemalige PPC-Lehrer Jürgen Engel (links) und Lern-Coach Johanna Rhein (Zweite von rechts). Foto: Anken Bohnhorst-Vollmer „Geistige Passivität“ gibt’s beim Hybrid-Unterricht nicht mehr, sagen Entwickler Dr. Jan Ihmels (Mitte), der ehemalige PPC-Lehrer Jürgen Engel (links) und Lern-Coach Johanna Rhein (Zweite von rechts).
Limburg. 

Dass Integration über Sprache funktioniert, ist keine neue Erkenntnis, sagte Detlev Winkler, Stellvertretender Schulleiter der Peter-Paul-Cahensly-Schule (PPC-Schule), bei der Präsentation des Lernprogramms „lingua.ly“. Neu – und erfolgversprechend – sei indes, diese Sprachvermittlung durch die Möglichkeiten des Hybrid-Unterrichts zu optimieren. Das habe die dreimonatige Testphase des Programms an der Schule gezeigt.

Das in Wetzlar ansässige Unternehmen Ecolingual und der ehemalige PPC-Lehrer Jürgen Engel haben ein Konzept entwickelt und durchgeführt, bei dem Schüler individuell, aber online betreut werden.

Vier junge Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak haben an der Schule während der vergangenen drei Monate zusätzlich zum regulären Deutschunterricht im Klassenverband an diesem neu konzeptionierten Sprachenunterricht teilgenommen. Sie bearbeiteten am Computer digital aufbereitete Lerneinheiten und wurden dabei durch ihren Coach, Studentin Johanna Rhein, unterstützt. Entscheidend hierbei sei, dass die Inhalte zwar standardisiert seien, das Lerntempo aber den persönlichen Fähigkeiten angepasst wurde. Die jungen Erwachsenen erlebten somit „eine Eins-zu-Eins-Betreuung“, erklärte Ecolingual-Entwickler Dr. Jan Ihmels.

Daheim lernen

Die Vorteile sind Ihmels zufolge deutlich. Die Lerninhalte, die im herkömmlichen Klassenverband in vier bis fünf Stunden vermittelt werden, begreift und vertieft der Schüler bei dieser Form des Einzelunterrichts in 45 Minuten. Zudem kann der Unterricht am Wohnort oder am Arbeitsplatz stattfinden. Der Lerncoach sitzt dem Schüler dabei digital gegenüber und unterstützt ihn mit bereits ausgearbeiteten Lernmodulen. Trotz „signifikant kürzerer Lernzeiten sind die Lernfortschritte hervorragend“, teilte Ihmels mit. Zurückhaltende oder unsichere Schüler würden durch die individuelle Betreuung ermuntert. „Geistige Passivität“ wie sie in größeren und heterogenen Klassenverbänden häufig zu erleben sei, gebe es nicht. Das Lernen mache Spaß, bestätigten die Schüler.

Kritik an Sprachförderung

Neben dieser Effektivitätssteigerung im sprachlichen Bereich könne aber auch die Wirtschaftlichkeit erhöht werden, da der Coach bereits vorhandenes Material einsetze.

Die Kosten für eine Hybrid-Unterrichtseinheit belaufen sich nach Ihmels Berechnungen auf rund 13 Euro, wodurch das Programm nach seiner Meinung auch für bundesweit agierende Anbieter attraktiv sei. Tatsächlich liege die Klassenstärke bei den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durchgeführten Maßnahmen bei 25 Teilnehmern. Und „eine Binnendifferenzierung findet nicht statt“.

Dass die herkömmliche Sprachförderung für Flüchtlinge unbefriedigend sei, bestätigte auch der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung (SPD). Er sprach von „deprimierenden Ergebnissen“, die etwa bei Schulungen des Job-Centers zu verzeichnen seien.

Die Zwischenevaluation sei vielversprechend, betonte Jürgen Engel, Mitinitiator und langjähriger Lehrer der Peter-Paul-Cahensly-Schule. Nun müsse es darum gehen, das neu entwickelte Programm finanziell abzusichern und dessen Verbreitung zu fördern.

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