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Katholische Fundamentalisten: Limburg: Hetzkampagne gegen Bischof Georg Bätzing

Von Anfangs wetterten katholische Fundamentalisten nur im weltweiten Netz gegen den Limburger Bischof, nun sind sie auch in der Stadt aktiv gewesen – und sogar vor seinem Wohnhaus. Nicht nur die Vertreter des Bistums sind empört.
Abtreibungsgegner Banner vor dem Wohnhaus von Bischof Geord Bätzing. Abtreibungsgegner Banner vor dem Wohnhaus von Bischof Geord Bätzing.
Limburg. 

Vom Internetportal „Katholisches.Info“ hatten selbst eingefleischte Katholiken noch nichts gehört. Die massiven Angriffe auf dieser Seite gegen den Bischof, dem die Betreiber vorwarfen, für die Abtreibung zu werben, nahmen die Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat (BO) deshalb zunächst nicht sonderlich ernst – zumal die Kritik aus ihrer Sicht auch jeder Grundlage entbehrt. „Völliger Blödsinn“, sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle nach wie vor. Doch inzwischen hat sich die Haltung im BO zu den Protesten verändert.

„Die Grenze ist überschritten, wir prüfen jetzt rechtliche Schritte“, sagte Schnelle gestern dieser Zeitung. „Das hat mit Meinungsfreiheit nichts zu tun, das ist Rufmord. Durch diese Hetze werden Menschen verunsichert.“

Bischof als Teufel

Die Unbekannten beschränken ihre Aktion nicht mehr auf das weltweite Netz, wo sie eine Petition gegen den Bischof starteten, sondern drangen vor der Heiligen Nacht bis zum Heim von Georg Bätzing vor. Vor seinem Wohnhaus stellten sie ein Banner mit dem Hinweis auf die Petition und dem Untertitel „Wir sind das Volk“ auf. Bätzing entfernte es am nächsten Morgen. Nachbarn, die nach Gewohnheiten des Oberhirten gefragt worden waren, reagierten empört. Außerdem verteilten die radikalen Abtreibungsgegner in Limburg Flyer und Postkarten mit verleumderischen Aussagen; teilweise direkt an Passanten, unter anderem vor dem Rathaus. Die meisten steckten sie in Briefkästen.

Das Bistum verstärkte deshalb die Sicherheitsvorkehrungen für den ZDF-Weihnachtsgottesdienst aus dem Dom.

In einem Fall gibt der Verfasser sich zu erkennen. Gerhard Woitzik, Bundesvorsitzender der „Deutschen Zentrumspartei“, der wegen der angeblichen Werbung für die Abtreibung Anzeige gegen den Bischof gestellt hat, steckt hinter dem Flyer mit folgendem Titel: „Die Krippe ist leer! Maria hat Jesus abgetrieben. Und das Bistum Limburg hat ihr den Beratungsschein besorgt, der für den Schwangerschaftsabbruch notwendig ist.“

Postkarten mit verleumderischen Aussagen und dem Konterfei des Bischofs tauchten in den letzten Tagen in Limburg auf. Bild-Zoom
Postkarten mit verleumderischen Aussagen und dem Konterfei des Bischofs tauchten in den letzten Tagen in Limburg auf.

Die Zentrumspartei stellt Bätzing in einer Fotomontage als Teufel dar und bezeichnet ihn als „Komplizen der Abtreibungsindustrie“, weil im „Sternengarten“ auf dem Südfriedhof in Wiesbaden zwei bis dreimal im Jahr nicht nur tot geborene Kinder aus der hessischen Landeshauptstadt beerdigt würden, sondern auch abgetriebene Kinder aus ganz Deutschland.

Die Behauptung Woitziks, die Staatsanwaltschaft interessiere sich für das Bistum Limburg, ist falsch. Die Strafverfolger haben keine Ermittlungen eingeleitet; weder in Limburg noch in Frankfurt. Dies bestätigte gestern eine Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung.

Diesen Flyer mit einer besonderen „Weihnachtsbotschaft“ haben die Abtreibungsgegner verbreitet. Bild-Zoom
Diesen Flyer mit einer besonderen „Weihnachtsbotschaft“ haben die Abtreibungsgegner verbreitet.

Auf der zweiten Karte mit dem Foto des Bischofs steht: „Bischof Bätzing lässt abgetriebene Kinder im Massengrab verschwinden.“ Welche und wieviele Kinder in Wiesbaden beerdigt würden, ist dem Bistum laut Schnelle nicht bekannt. „Wir wollen eine würdige Beisetzung allen menschlichen Lebens. Und das fängt für uns nicht erst mit der Geburt an“, erläuterte der Sprecher.

Bistum: Leitfaden ändern

Stein des Anstoßes war ein Satz auf der Homepage des zum Bistum gehörenden Kirchenbezirks Hochtaunus mit einem Link zur Diakonie. Unter den Hilfsangeboten war auch der Hinweis auf die Schwangerenkonfliktberatung. Den Satz, dass diese Stelle den für einen Schwangerschaftsabbruch notwendigen Schein ausstellt, hat das Bistum mittlerweile von der Seite genommen. „Wir werden den Leitfaden ändern“, kündigte Schnelle an. Er betonte erneut, dass katholische Schwangerschaftskonfliktberatung „immer das Ziel hat, dass Mütter ihr Kind bekommen“. Deshalb engagiere die Kirche sich ideell und finanziell für diese Aufgabe. Bischof Bätzing, so Schnelle, sei ein entschiedener Lebensschützer und kein Abtreibungsbefürworter.

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