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Streit um Klinik-Kooperation: Limburg verärgert, weil Weilburg mit Wetzlar anbandelt

Von Die angekündigte Kooperation des Weilburger Kreiskrankenhauses mit den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar löst nicht nur Freude aus. Das Limburger St. Vincenz reagiert empört und sieht die Gesundheitsregion Limburg-Weilburg gefährdet. Die Hintergründe des Konflikts sind spannend.
Zum 1. Juli 2017 war der Startschuss für Tele-Radiologie zwischen Limburg und Weilburg gefallen (im Bild Chefarzt Dr. Thomas Heß). Seit zwei Jahren organisiert die Klinik für Gefäßchirurgie unter Leitung von Dr. Patricia Schaub (rechts), eine Gefäßsprechstunde im Weilburger Kreiskrankenhaus. Zum 1. Juli 2017 war der Startschuss für Tele-Radiologie zwischen Limburg und Weilburg gefallen (im Bild Chefarzt Dr. Thomas Heß). Seit zwei Jahren organisiert die Klinik für Gefäßchirurgie unter Leitung von Dr. Patricia Schaub (rechts), eine Gefäßsprechstunde im Weilburger Kreiskrankenhaus.
Limburg-Weilburg. 

Die Verantwortlichen des Limburger St. Vincenz-Krankenhauses schlagen Alarm – ihre Kollegen in Weilburg wiegeln ab. Die Gesundheitsregion im Kreis ist gefährdet, sagen die einen. Noch ist nichts entschieden, entgegen die anderen. Was steckt dahinter?

Seit seinem Amtsantritt als Vincenz-Geschäftsführer ist Guido Wernert dabei, mit möglichst vielen Partnern ein enges Netz für die medizinische Versorgung in Limburg-Weilburg zu knüpfen. Seit gut vier Jahren mit zunehmendem Erfolg, doch jetzt bekommt das Netz Risse. Die beabsichtigte Kooperation des Weilburger Kreiskrankenhauses mit den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar – am vergangenen Wochenende von beiden Seiten als alternativlos deklariert – empört die Chefs auf dem Limburger Schafsberg. „Wir sind sehr verwundert und besorgt“, sagen Geschäftsführer Guido Wernert und Verwaltungsratsvorsitzender Erwin Reuhl. „Diese neue Kooperation macht aus bewährten Partnern künstliche Konkurrenten im eigenen Landkreis.“ Die bisherige kollegiale Zusammenarbeit beider Häuser, in vielfältiger Weise vom St. Vincenz befördert, werde so in Frage gestellt.

Landrat Manfred Michel Bild-Zoom
Landrat Manfred Michel

„Wir haben die Vision einer gemeinsamen Gesundheitsregion Limburg-Weilburg nicht nur skizziert, wir haben sie gelebt. Im operativen Bereich arbeiten wir mit den Weilburger Kollegen und Ärtzenetzwerken gemeinsam für den Landkreis bestens zusammen,“ erklärt Wernert. . „Jetzt erleben wir, dass mühsam erarbeitete Grundpfeiler zur Sicherung dieser Versorgung unserer Region bewusst gefährdet werden“.

Sowohl Landrat Manfred Michel (CDU) als auch sein Stellvertreter, Gesundheitsdezernent Helmut Jung (SPD), hätten den Prozess in verschiedenen Zusammenhängen wohlwollend begleitet. Von daher sei das aktuelle Handeln nicht verständlich.

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Kommentar: Krankenhäuser stehen vor einer schweren Zukunft

Die Krankenhäuser stehen vor einer schweren Zukunft, an der Zusammenarbeit von Kliniken führt kein Weg vorbei. Das ist für die Bilanzen der Betriebe ebenso wichtig wie für die medizinische Versorgung.

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Dass nun von einer „alternativlosen Kooperation“ mit dem Wetzlarer Klinikverbund gesprochen werde, mute angesichts der diversen Vernetzungen zwischen dem St. Vincenz und dem Weilburger Haus „mehr als merkwürdig“ an. Hintergrund: Erst zum 1. Juli war der Startschuss für die Tele-Radiologie zwischen Limburg und Weilburg gefallen, die zuvor über Wetzlar geleistet wurde. Auch in der Gefäßchirurgie arbeiten beide Kliniken zusammen.

„Gespräche ergebnisoffen“

Manfred Michel, der als Vorsitzender des Aufsichtsrates und des Gesellschafterausschusses des Weilburger Kreiskrankenhauses das Sagen hat, mag die Aufregung nicht verstehen. „Wir haben bislang lediglich vereinbart, über eine Kooperation zu sprechen“, sagte er gestern der NNP. „Die Gespräche sind ergebnisoffen.“ Dabei gehe es keinesfalls um eine Fusion, und betriebsbedingte Kündigungen werde es bei einem positiven Ausgang definitiv nicht geben.

Guido Wernert, Vincenz-Geschäftsführer Bild-Zoom
Guido Wernert, Vincenz-Geschäftsführer

Der Landrat machte deutlich, dass er alles tun werde, um den Bestand des kleinen Kreiskrankenhauses sicherzustellen – und das möglichst in eigener Verantwortung und in kommunaler Trägerschaft. Interessant: Manfred Michel gehört auch dem Verwaltungsrat der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz an – von einem Interessenkonflikt will er jedoch nichts wissen.

Und es gibt noch mehr interessante Hintergründe. Weilburger Entscheidungsträger begründen ihr Vorgehen auch mit einem Beschluss ihrer Limburger Kollegen von Januar, die Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit mit Weilburg zu beenden. Dabei ging es allerdings nach Informationen dieser Zeitung nicht um medizinische Angebote, sondern um Geld. Demnach hätte sich das St. Vincenz mit einem Anteil von sechs Prozent an der Weilburger Gesellschaft beteiligen sollen. Das Kreiskrankenhaus macht seit Jahren Verluste; in der jüngsten Bilanz war offiziell ein Defizit von einer halben Million Euro ausgewiesen.

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