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Musikalische Demut: Limburger Domsingknaben beginnen Jubiläumsprogramm mit Werken zur Fastenzeit

Von Mit einer geistlichen Abendmusik im Dom haben die Domsingknaben am Samstagabend ihre Jubiläumsveranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen eingeläutet. Die Zuhörer erlebten ein anspruchsvolles, sehr souverän musiziertes Programm, zu dme auch ein Streicherensemble beitrug.
„Stabat Mater“: Vorgetragen von den jungen Domsingknaben und einem Streicherensemble. Die Gesamtleitung hatte Andreas Bollendorf (rechts). Foto: Bohnhorst-Vollmer „Stabat Mater“: Vorgetragen von den jungen Domsingknaben und einem Streicherensemble. Die Gesamtleitung hatte Andreas Bollendorf (rechts).
Limburg. 

Einige Augenblicke lang herrschte vollkommene Stille im Dom. Stille, in der die Zuhörer die Eindrücke des gerade Gehörten zu verarbeiten begannen, ehe lang anhaltender, dankbarer Applaus aufbrandete. „Geistliche Abendmusik zur Fastenzeit“ hieß das Programm, das die Domsingknaben am Samstagabend gemeinsam mit einem Streicherensemble (Annette Seyfried, Uta Lorenz: Violine; Karoline Wehse, Clara Holdenried: Viola; Laura Mehlin: Violoncello) und Basso Continuo (Wilhelm Gries) vorbereitet hatten. Die ausgewählten Werke sind anspruchsvoll, deren Präsentation war tief berührend.

Im Mittelpunkt des Konzerts stand die von Giovanni Battista Pergolesi geschaffene Komposition „Stabat Mater“, die in der Originalvorlage für Alt- und Sopran-Soli geschrieben ist. Chorleiter Andreas Bollendorf hatte diese ursprüngliche Vorgabe aufgegriffen und ließ das Werk ausschließlich von den jungen Knaben seines Ensembles singen. Zu erleben waren jedoch nicht nur reine und klar artikulierte, opernhaft angelegte Solopassagen, die der kontrapunktischen Satzweise des Chores gegenübergestellt waren. Die jungen Sänger verblüfften vielmehr mit der einfühlsamen Interpretation des lateinisch vorgetragenen Werks. „Ihre klagende Seele, betrübt und schmerzvoll durchbohrte ein Schwert“, heißt es da etwa, und wurde gleichermaßen mit Würde und Demut vorgetragen.

Ebenso bemerkenswert wie das musikalische und inhaltliche Verständnis, das diese Chorknaben bereits verinnerlicht zu haben scheinen, sind deren technische Möglichkeiten.

Zauberhafter Klangteppich

Sowohl solistisch als auch als Ensemble zeigten die Jungen angenehme dynamische Varianzen und überraschende Klangmodulationen, zum Beispiel in der kraftvollen Tutti-Passage „Mach, dass brenne mein Herz in Liebe zu Christus, meinem Gott, damit ich ihm gefalle“ und im finalen „Wenn unser Leib sterben wird, mach, dass der Seele gegeben werde des Paradieses Herrlichkeit“.

Pergolesis „Stabat Mater“ folgten die von Francis Poulenc vertonten vier kleinen Gebete, „Quatre petits prières de Saint Francois d’Assise“, die von den Männerstimmen gesungen wurden. Bereits jetzt sind die Stimmen dieser jungen Männer unglaublich ausgereift und zu einem zauberhaften Klangteppich mit gregorianischen wie auch mit träumerisch romantischen Ornamenten verwoben.

„Ich verehre den heiligen Franziskus, aber ein wenig schüchtert er mich auch ein. Auf jeden Fall wollte ich mit der Vertonung seiner so wunderbar anrührenden Gebete ein Zeichen der Demut setzen“, soll der Komponist Poulenc über seine Komposition gesagt haben, die die Domsingknaben herrlich wiedergaben.

Eingebettet waren diese beiden zentralen Werke des Konzerts in den anspruchsvoll angelegten 121. Psalm von Darius Milhaud, in Dietrich Buxtehudes „Jesu meines Lebens Leben“ und „Unser Leben ist ein Schatten“ von Johann Sebastian Bach.

An den Anfang der geistlichen Abendmusik hatten die von Andreas Bollendorf und Stimmbildner Wilhelm Gries großartig vorbereiteten Domsingknaben die Vertonung von „Schaffe in mir ein reines Herz“ gestellt, die Andreas Hammerschmidt komponiert hat. Bereits hier waren Fülle und Kraft der jungen und jüngsten Sänger zu prachtvoller Entfaltung zusammengeführt worden. „Tröste mich wieder mit deiner Hilfe und den freudigen Geist erhalte mir“, lauten die letzten Verse. Für die Verbreitung des „freudigen Geists“ sorgten an diesem Abend auch die Domsingknaben und das Streicherensemble – dieses Programm hätte weit mehr Zuhörer im Dom verdient gehabt.

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