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Feuerwehren üben den Katastrophenfall: Löschwasser in Rekordzeit

Was tun, wenn eine große Firma brennt und plötzlich die Wasserversorgung zusammenbricht? Diesen Ernstfall probten am Samstag Löschzüge aus Limburg, Hünfelden, Selters, Bad Camberg und Villmar auf dem Gelände des Entsorgungsunternehmens Bördner in Lindenholzhausen.
Etwas unheimlich sehen die Feuerwehrmänner in ihren Schutzanzügen aus. Bilder > Foto: Johannes Koenig Etwas unheimlich sehen die Feuerwehrmänner in ihren Schutzanzügen aus.
Limburg-Lindenholzhausen. 

Der lichterloh brennende Container ist nur eine Ablenkung – unter der geschlossenen Tür der benachbarten Lagerhalle quillt Rauch hervor.

So wie die Suche nach dem Brandherd beginnt die Katastrophenschutzübung auf dem Gelände der Entsorgungsfirma Bördner oberhalb von Eschhofen zuerst mit einem „normalen Brand“, nur um dann „unerwartet“ in eine ganz andere Richtung umzuschwenken.

Los geht es am Samstagmorgen mit der Alarmierung der Feuerwehren aus Lindenholzhausen und Eschhofen: Ein Blitzeinschlag hat nach dem Szenario das in zwei Leichtbauhallen gelagerte Altpapier entzündet. Da Bördner auf Lindenholzhäuser Gemarkung liegt, übernimmt Wehrführer Markus Knoth mit seiner Mannschaft die Leitung. Konkret heißt das: Ihr Löschfahrzeug fährt mit Blaulicht direkt aufs Firmengelände. Während die Eschhöfer Kameraden erst einmal vor dem Haupttor in Bereitschaftsposition gehen.

Zweiter Blitzeinschlag

„Gerade bei Firmen ist der Platz für Wendemanöver oft begrenzt, daher fährt erst einmal ein Fahrzeug voraus, um die Brandmeldeanlage zu überprüfen“, erzählt Martin Arnold. Der Niederbrechener Feuerwehrmann trägt bei der Übung die blaue Weste mit der Aufschritt „Presse“. Bei einem tatsächlichen Großbrand wäre er das Bindeglied zwischen Einsatzleitung und Pressevertretern. Überhaupt die Westen: Von weitem sind der Einsatzleiter an seiner gelben und die Gruppenführer an ihren roten Westen zu erkennen. Letztere gehen zuerst zu dem am Haupttor abgestellten Einsatzleitwagen, um dort ihre Weisungen entgegenzunehmen. Erst dann fahren die verschiedenen Löschfahrzeuge zu den ihnen zugewiesen Positionen.

Drei Arbeiter werden in den brennenden Hallen vermisst. Atemschutzgeräteträger aus Lindenholzhausen und Eschhofen suchen in den dunklen, mit Qualm gefüllten Hallen nach ihnen. Wenig Minuten später holen sie drei Dummies nach draußen, die mit Tragen in Sicherheit gebracht werden.

Dann passiert das „Unerwartete“: Ein zweiter Blitzeinschlag verursacht einen Stromausfall und führt zu einem Zusammenbruch der Wasserversorgung. „Gehe niemals ohne einen Schlauch mit Wasser in ein brennendes Gebäude“, lautet die eiserne Regel der Angriffstrupps. „Rückzug“ lautet der Befehl aus dem Funkgerät, um die Einsatzkräfte nicht zu gefährden.

Wasser aus dem Emsbach

Nun muss es schnell gehen – um eine alternative Versorgung mit Löschwasser sicherzustellen, werden unverzüglich Katastrophenschutzzüge aus Hünfelden, Selters, Bad Camberg und Villmar alarmiert. „Alle Züge im Landkreis haben ihre Spezialgebiete“, sagt Arnold. So hält zum Beispiel die Hünfeldener Wehr viele Schläuche vor. Sie sind es dann auch, die runter an den Eschhöfer Emsbach fahren, um von dort Löschwasser zu beschaffen. Keine zwanzig Minuten später heißt es: „Wasser marsch“. In Rekordzeit haben sie zusammen mit den Kameraden der anderen Wehren die etwa 1,5 Kilometer lange Wasserleitung zum Brandort gelegt und rund 25 Meter Höhenunterschied überwunden. 600 Liter Löschwasser pro Minute stehen nun den Angriffstrupps zur Verfügung. Zusammen mit dem in Zisternen gesammelten Regenwasser kommt eine Leistung von bis zu 1200 Liter Wasser pro Minute zustande. Über die stark befahrenen Hauptstraße zwischen Eschhofen und Ennerich haben Mitglieder der Limburger Kernstadtfeuerwehr eine Schlauchbrücke aufgebaut. Der Autoverkehr kann also während der Übung mit Einschränkungen weiterfließen. Im Ernstfall hätte die Polizei die Straßen gesperrt.

Die brennenden Hallen sind allerdings nicht mehr zu retten. Um ein Überspringen des Feuers auf benachbarte Gebäude sowie den in der Nähe abgestellten Fahrzeugpark zu verhindern, werden sogenannte Sperrriegel errichtet. Das Löschwasser prallt dabei gegen eine am Schlauchende angebrachte Metallplatte und bildet so eine Wand feiner Wassertropfen, welche die vom Feuer ausgehende starke Hitze abkühlt. Letztere könnte sonst zu weiteren Bränden führen.

Nach knapp zwei Stunden geht die Übung ihrem Ende entgegen. „Alles lief wie geplant“, zieht der stellvertretende Stadtbrandinspektor Peter Lorger zufrieden eine erste Bilanz. Wie immer gebe es zwar da und dort bei den einzelnen Arbeitsabläufen noch Verbesserungsmöglichkeiten. „Das sind aber insgesamt nur Kleinigkeiten.“ Diese werden ausgiebig in der Nachbesprechung analyiert.

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