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Flüchtlinge in Limburg: Mehr Platz für Flüchtlinge

Von Der Kreis bereitet die Aufnahme weiterer Flüchtlinge vor. Sie sollen in Industriegebäuden (Limburg, Dehrn und Merenberg), in einem leer stehenden Einkaufsmarkt (Villmar) und in Containern beziehungsweise Leichtbauhallen (Nähe Kreissporthalle und Goetheschule in Limburg, Sportplatz Schadeck) untergebracht werden.
Für Flüchtlinge werden im Landkreis Limburg-Weilburg weitere Plätze benötigt. Sie sollen, anders als auf dem Foto in der Erstaufnahmeeinrichtung in Staffel, möglichst auch Privatsphäre zulassen. Für Flüchtlinge werden im Landkreis Limburg-Weilburg weitere Plätze benötigt. Sie sollen, anders als auf dem Foto in der Erstaufnahmeeinrichtung in Staffel, möglichst auch Privatsphäre zulassen.
Limburg-Weilburg. 

100 Flüchtlinge kommen derzeit pro Woche in den Landkreis, dessen Kapazitäten zur Unterbringung sind so gut wie erschöpft. Landrat Manfred Michel (CDU) setzt deshalb auf sogenannte Überlaufeinrichtungen, um zunächst einmal die Kapazitäten zu erhöhen. Dazu sind die Produktionshalle und das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Firma Ohl im Industriegebiet Dietkirchener Höhe (250 bis 300 Plätze) sowie ein leer stehenden Einkaufsmarkt in Villmar angemietet worden. Dort könnten bis zu 150 Flüchtlinge schon in den nächsten zwei Wochen einziehen.

Info: Von 200 sind fünf gekommen

Geordnet läuft die Unterbringung von Flüchtlingen derzeit nicht ab, Improvisation, Hektik und ständig neue Informationen prägen die Situation quer durch allen Ebenen.

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Darüber hinaus ist derzeit geplant, ein Industriegebäude in Merenberg anzukaufen. Weiterhin hat sich der Kreis die Nutzung von 49 Doppelcontainern gesichert (10 und 13 Meter lang, drei Meter breit). Ein Teil dieser Container soll an der Kreissporthalle in Limburg aufgestellt werden. Zwischen Halle und Wohnbebauung sollen sie kommen. Alle Überlaufeinrichtungen werden mit zusätzlichen Containern versehen, die Sanitärräume, Essen- und Verpflegungsplätze sowie auch Gelegenheiten zum Wäschewaschen bieten.

1000 Plätze für das Land

Wie Michel in einer Pressekonferenz gestern Nachmittag im Kreishaus sagte, hat er am Morgen alle Bürgermeister über die akteuelle Entwicklung informiert. Zeit zum Luftholen bleibt da nicht, denn der Landkreis hat nicht nur die ihm zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen, sondern muss auch noch für das Land aktiv werden.

Auch auf dieser Ebene sind sogenannte Überlaufeinrichtungen oder Notunterkünfte geplant. Das Land betreibt sie, aber der Kreis muss die Plätze beziehungsweise Immobilien zur Verfügung stellen. In der Woche ab dem 12. Dezember ist dabei mit Aufnahmen zu rechnen. 1000 Plätze soll der Kreis bereitstellen. „Als ich das erfahren habe, habe ich erst einmal beim Ministerpräsidenten, verschiedenen Minsitern und den Regierungspräsidenten in Gießen und Darmstadt angerufen“, sagte Michel gestern. Erst einmal Dampf abgelassen – aber am Ergebnis hat es nichts geändert.

Verhandelt wird deshalb darüber, ob die bestehenden Ersteaufnahmeeinrichtungen in Staffel und Waldhausen erweitert werden. „Das hätte den Vorteil, dass die Rettungs- und Sanitätsdienste dort sind“, machte Michel deutlich. Aber es gibt noch weitere Ideen und Vorstellungen. Auf dem alten Sportplatz an der Goetheschule könnten Leichtbauhallen für Flüchtlinge errichtet werden, auch für den Sportplatz in Schadeck gibt es entsprechende Überlegungen. Mitte oder Ende Dezember könnten dort die Hallen aufgebaut werden, die je Standort 200 bis 250 Plätze zur Verfügung stellen.

Auch gibt es Vorbereitungen zur Nutzung von zwei Industriehallen in Dehrn. Und die Belegung der Jugendherberge in Odersbach bis ins kommende Frühjahr ist schon unter Dach und Fach.

Auch die Nutzung von Sporthallen schloss Michel gestern nicht mehr aus, allerdings sei dies nur im absoluten Notfall vorgesehen, quasi als Überbrückung für den Fall, dass die Gewerbeimmobilien noch nicht zur Verfügung stehen oder auch die Leichtbauhallen noch nicht aufgebaut werden können. „Das Ganze ist so dynamisch, dass wir jeden Morgen vor einer neuen Situation stehen“, musste Michel einräumen. Ein Teil der Verwaltung ist quasi rund um die Uhr damit beschäftigt, neue Räumlichkeiten für Flüchtlinge zu finden. Aktuell verhandeln der Kreis oder auch die Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung oder der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft über 400 weitere Plätze. Dabei kaufen der Landkreis beziehungsweise die eng mit ihm verknüpften Gesellschaften auch Wohnraum an.

Über 1715 Unterbringungsmöglichkeiten verfügte der Landkreis am Dienstag, 24. November. Rund 1600 davon waren belegt. „Und wir bekommen sie auch so schnell nicht frei“, sagte Michel. Denn für die Menschen, die die Gemeinschaftsunterkünfte nach ihrer Anerkennung als Asylbewerber eigentlich verlassen müssten, gibt es so gut wie keinen bezahlbaren Wohnraum.

Mit am Tisch gestern im Kreishaus saß auch der Runkeler Bürgermeister Friedhelm Bender (SPD). Ebenso wie seine Kollegen war er am Morgen über die aktuelle Entwicklung informiert worden. Für den Abend hatte er dann schon die Fraktionsvorsitzenden, die Stadtverordnetenvorsteherin sowie die Ortsbeiräte Dehrn und Schadeck eingeladen, um die Informationen weiterzugeben. „Wir können und dürfen uns dieser Aufgabe nicht verschließen“, machte Bender deutlich. Er sagte zu, auch die Bürger zu Informationsveranstaltungen einzuladen, wenn sich die Vorstellungen für die Unterbringung von Flüchtlingen in Schadeck und Dehrn konkretisiere.

Aufgabe geht alle an

„Wir haben nach unserem Grundgesetz die Aufgabe, wo es geht zu helfen“, sagte Werner Schlenz, der als Bürgermeister von Brechen auch Sprecher seiner Kollegen im Landkreis ist. Nach seiner Einschätzung ist es sinnvoll, dass die Unterbringung von Flüchtlingen zentral durch den Kreis übernommen wird, alles andere würde das noch weiter erschweren. Und zugleich müssten die Kommunen dem Kreis auch dankbar dafür sein, dass ihnen diese undankbare Aufgabe abgenommen werde. „Ich vermisse etwas mehr Gesamtverantwortung“, sagte Schlenz. Die Aufnahme, Unterbringung und letztendlich Integration sei eine Aufgabe von allen.

Wie Michel weiter ausgeführte, gehört der Landkreis zu den wenigen in Hessen, die die ankommenden Flüchtlinge nicht auf die einzelnen Kommunen nach einem festen Schüssel verteilt, sondern selbst für deren Unterbringung sorgt. Das heißt aber auch, dass der Kreis über die entsprechenden Immobilen und Möglichkeiten verfügen muss.

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