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Mehr als nur Kartoffelpuffer

Von Zum zehnten Mal beteiligte sich eine Delegation aus Hünfelden in der französischen Partnergemeinde Le Thillay an der dortigen Veranstaltung im Rahmen der landesweiten Wohltätigkeitsaktion Théléton, mit der Spenden zur Erforschung seltener Krankheiten gesammelt werden. In ganz Frankreich kamen über 82 Millionen Euro zusammen. Mehr als 30 000 Euro steuerte Le Thillay zu diesem Ergebnis bei, 500 Euro die Hünfeldener aus dem Verkauf von Kartoffelpuffern und Glühwein sowie einigen Spenden.
Die schaurigen Kreaturen, die die Gäste aus Hünfelden in Le Thillay begrüßten, waren kein Grund zum Fürchten, sondern gute Freunde aus der französischen Partnerstadt. 	Fotos: Königstein Bilder > Die schaurigen Kreaturen, die die Gäste aus Hünfelden in Le Thillay begrüßten, waren kein Grund zum Fürchten, sondern gute Freunde aus der französischen Partnerstadt. Fotos: Königstein
Le Thillay/Hünfelden. 

Die Partnerschaftstreffen sind eine Sache, die Teilnahme am Théléton aber ist etwas ganz Besonderes. Darin sind sich Otto Döhrn, Klaus Nilges, Magali Manns, Norbert Eisel und Brigitte Eisel einig. Beim Théléton dabei zu sein bedeutet, am Dorfleben teilzuhaben, mit vielen Menschen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen, die nicht unbedingt an den Partnerschaftsbegegnungen teilnehmen. Es bedeutet auch, sich zu Hause zu fühlen und nicht nur als Besucher und auch, sich zusammen für eine gute Sache zu engagieren. Dafür werden die Strapazen der dreitätigen Reise gerne in Kauf genommen.

Nach gut 40 Jahren freundschaftlicher Bande und über 30-jähriger offizieller Partnerschaft sind vor allem die Kirberger, denen diese völkerverbindende Freundschaft zu verdanken ist, in Le Thillay genauso bekannt und zu Hause wie im eigenen Dorf. Und Neulinge werden ohne weiteres mit einbezogen. Besonders herzlich ist die Begrüßung mit Eugène Boncoeur, der zusammen mit Otto Döhrn und den Fußballern der beiden Orte den Grundstein für diese deutsch-französische Freundschaft legte.

Apfelmus und Glühwein

Der Erfolg der Unternehmung beginnt mit der intensiven Vorbereitung, die Otto Döhrn mit der Erfahrung der vergangenen Jahre federführend in die Hand nimmt, angefangen vom Einkauf der benötigten Sachen, von den Eiern und Gewürzen für Kartoffelteig und Glühwein über das Apfelmus, bis hin zu Tischdecken und Kreppbändern in den deutschen und französischen Nationalfarben, mit denen nicht nur der deutsche Stand sondern auch der der französischen Partnerschaftskommission in der Sporthalle von Le Thillay, dem Schauplatz des Geschehens, geschmückt wird. Nicht fehlen darf natürlich die technische Ausstattung wie Gasflasche, Bratpfanne, Bestecke, Teller und Becher. Selbst die Schürzen für die Köche und ihre Helfer und die Geschirrtücher sind nicht vergessen worden. Die Material- und Fahrtkosten trägt die Gemeinde Hünfelden.

In der Zauberschule

Gerade rechtzeitig zur Eröffnungszeremonie treffen die Hünfeldener am Abend in der Sporthalle von Le Thillay ein und fühlen sich nach Hogwarts versetzt, in die Zauberschule von Harry Potter. Mit viel Phantasie und künstlerischem Geschick haben die Organisatoren der Théléton-Veranstaltung die nüchterne Sporthalle in eine Zauberwelt verwandelt, entsprechend dem Motto „Stadt der Zauberer“, dem auch mit den Aktionen des nächsten Tags Rechnung getragen wird.

Natürlich werden die Besucher aus Deutschland mit Applaus und vielen Umarmungen begrüßt. Moderator Joel und Bürgermeister Georges Delhalt – zweimaliger Teilnehmer der Tour de France – heißen sie auch offiziell willkommen. Dann berichten einige Betroffene von ihren Schicksalen und von der Hilfe, die ihnen dank der durch die Théléton-Unterstützung möglichen Fortschritte der medizinischen Forschung zuteil werden konnte. Das abendliche Konzert der Gruppe „Les 25soul River“ lassen die Gäste aus dem Goldenen Grund nach der langen Fahrt aus, denn am nächsten Morgen wartet beizeiten jede Menge Arbeit auf sie.

Auf der Galerie der Sporthalle, gleich neben den Freunden, die ihre Austern anrichten, bauen Otto Döhrn und seine Mannschaft alles auf, was sie für die Kartoffelpufferbäckerei brauchen, und der Glühwein wird erhitzt. Noch schnell die Tische dekoriert, Teller, Bestecke und Becher bereitgestellt, und dann öffnen sich die Türen der Schule für Magie für das Publikum. Es wird erwartet von Harry Potter und seinen Freunden und dem kompletten Personal von Hogwarts: Hexen und Zauberer, Trolle, Elfen und viele andere illustre Kreaturen. Ein magischer Parcours macht kleinen und großen Zauberlehrlingen riesigen Spaß. Zur Belohnung gibt es am Ende ein Zeugnis.

Indessen sind auf der Galerie die ersten Austern verkostet, brutzeln die „galettes de pommes de terre“ in der großen Pfanne und wird der erste „vin chaud“ ausgeschenkt.

Anfangs seien die Franzosen skeptisch gewesen, wie wohl die Kartoffelplätzchen schmecken würden. Und das süße Apfelmus dazu war doch recht ungewohnt, erinnert sich Otto Döhrn. Inzwischen aber hat diese typisch deutsche Spezialität ihre Liebhaber gefunden. Nicht wenige kommen eigens dafür in die Sporthalle. Und der einige oder andere nimmt sich sogar eine Portion Kartoffelteig mit nach Hause. Natürlich sorgen auch die französischen Gastgeber mit ihren Spezialitäten bestens für das Wohl der Besucher.

Heiße Öfen

Auch vor der Halle herrscht reger Betrieb, denn hier präsentieren die Motards von Vadrouille ihre Maschinen. Wer möchte, kann gegen einen Obolus für den guten Zweck eine Runde im Seitenwagen durch den Ort drehen, oder aber sich in Kluft auf einem der heißen Öfen ablichten lassen. Mit dabei ist natürlich auch die Partnerschaftskommission von Le Thillay, die kleine Bastelarbeiten und Luftballons für einen ganz bestimmten Zweck verkauft.

Genauso schnell wie alles am Morgen aufgebaut war, wird am späten Nachmittag wieder abgebaut und die Halle für das abendliche Bankett in einen Festsaal verwandelt. Wie in Hogwarts sorgen unter der Decke schwebende Lichter für zauberhafte Stimmung. Verzaubert werden die rund 360 Gäste, weit mehr als in den Vorjahren, von Magiern, ehe zum Abschluss besagte Luftballons noch eine wichtige Rolle zu spielen haben. Sie schweben in den Saal hinunter, um von den Kindern mit Wonne zum Platzen gebracht zu werden, was sich genauso anhört wie ein richtiges Feuerwerk, aber viel mehr Spaß macht. Und schließlich bittet DJ Filho zum Ball der Zauberer. Die Heimreise am nächsten Morgen wird natürlich nicht ohne einen Abstecher nach Paris angetreten.

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