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Präses: Michael Müller als Wegbereiter für das Großdekanat tritt ab

Er war eine wichtige Figur des evangelischen Lebens im Westerwald. Nun übergibt Michael Müller sein Amt an seinen Nachfolger und hat endlich mehr Zeit für seine Vorlieben und seine Familie. Der Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Präses hat aber auch einen weiteren Grund.
Präses Michael Müller liebt den Wald. Nach dem Verzicht auf eine weitere Amtszeit genießt er seine freie Zeit. Präses Michael Müller liebt den Wald. Nach dem Verzicht auf eine weitere Amtszeit genießt er seine freie Zeit.
Hübingen/Westerwald. 

Schweigend geht Michael Müller durch den Wald bei Hübingen. Es ist bitterkalt, der Schnee und die Zweige knirschen leise unter seinen Füßen. Die Kälte macht Michael Müller nichts aus. Ganz im Gegenteil: Der passionierte Jäger ist in seinem Element. Er liebt den Wald und die Stille. Bestimmt auch, weil die vergangenen Jahre ziemlich turbulent waren. Als Präses des Dekanats Selters war er einer der wichtigsten Köpfe im evangelischen Leben der Region und ein maßgeblicher Wegbereiter der Vereinigung der beiden ehemaligen Wäller Kirchengebiete. Jetzt hat das neue Dekanat Westerwald seine Arbeit aufgenommen, und Michael Müller beendet seine Dienstzeit nach acht Jahren. Er übergibt das Amt an seinen Nachfolger Bernhard Nothdurft – und hat endlich Zeit zum Durchatmen. Für den 68-Jährigen fühlt sich das ungewohnt an. Aber auch schön: Er genießt seine neu gewonnene Freiheit und freut sich, endlich mehr Zeit für seine Frau zu haben. Früher war das nicht so. Schon gar nicht während seines Dienstes bei der Bundeswehr, dem sich vieles unterordnen musste. Trotzdem war die Zeit beim Bund eine gute, erzählt der Oberstleutnant a. D.: „Der Dienst hat mich menschlich und charakterlich geschult“, sagt er. „Meine Eltern haben mir mitgegeben, dass man nicht über eine Situation jammern sollte, sondern etwas dafür tun muss, damit sich etwas ändert. ,Akzeptiere Deine Schwächen und setze Deine Stärken ein, um etwas zu verbessern’, sagten sie. Das habe ich bei der Bundeswehr gelernt. Und wie ich meine Ziele im Blick behalte – selbst wenn ich mich dafür zurücknehmen muss.“ Für Michael Müller bedeutet das Zurücknehmen vor allem der Verzicht auf seine Familie und auf private Planungssicherheit.

Was bedeutet Präses?

Seine Frau und Kinder sieht er während seiner Zeit bei der Bundeswehr viel seltener als ihm lieb ist, und insgesamt ziehen die Müllers neunmal um. Erst 1995 tritt so etwas wie Konstanz ein: Michael Müller kommt mit seiner Familie nach Hübingen bei Montabaur und lebt dort bis heute. Außerdem wird er Regierungsdirektor im Bundesverteidigungsministerium, und seit 2003 ist er Mitglied im Kirchenvorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Montabaur. Der Schritt ins Dekanat folgt aber erst 2007, ein Jahr vor Müllers Pensionierung. Zunächst ist er drei Jahre lang Stellvertreter des damaligen Dekanatssynodalvorsitzenden, Präses Wolfram Lambrecht: 2010 wählt ihn die Synode schließlich zum Vorsitzenden des Dekanats-Leitungsgremiums und damit zum Präses.

Viel Zeit investiert

Sein Ziel behält er dabei immer im Blick: Das Dekanat soll die besten Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich evangelisches Leben im Westerwald gut entfalten kann – ob in den Kirchengemeinden, den Arbeitsbereichen wie der Kirchenmusik, der Erwachsenenbildung oder der Jugendarbeit. „Mein eigener Glaube ist von einem Urvertrauen in Gottes Gnade geprägt: Ich kann frei handeln, ohne ständig Angst vor Fehlern haben zu müssen“, sagt Michael Müller. „Ich hoffe, dass ich als Präses dazu beigetragen habe, dass viele diese Gnade ebenfalls erfahren können. Das, was wir im Dekanat tun, dient letztlich dem Zweck, dieses Geschenk Gottes den Menschen nahe zu bringen.“ Michael Müller investiert viel Zeit in diesen ehrenamtlichen Dienst. Besonders in den vergangenen drei Jahren, in denen der Zusammenschluss der beiden Dekanate Selters und Bad Marienberg zum Großdekanat Westerwald auf den Weg gebracht wird. „Am Anfang meiner Amtszeit habe ich rund neun Stunden pro Woche fürs Dekanat gearbeitet. Am Ende waren es zwischen 20 und 40. Aber es hat mir Freude gemacht.“ Wohl auch deshalb, weil während seiner Amtszeit Neues und Gutes heranwächst. „Mich beschäftigt die Frage, wie wir als Kirche Jugendliche gewinnen können. Deshalb macht es mich froh, dass wir heute eine lebendige und engagierte Jugendarbeit im Dekanat haben.“ Außerdem führen Müller und Dekan Wolfgang Weik regelmäßige Treffen der Dekanatsmitarbeiterschaft ein, stärken die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und betreuen eine umfangreiche Verwaltungsprüfung. Während Müllers Amtszeit setzt das Dekanat zudem wichtige Akzente für die Willkommenskultur im Westerwald und gestaltet das Reformationsjubiläum 2017 mit.

Ernster Hintergrund

„Darüber hinaus ist uns die Mammutaufgabe Dekanatzusammenschluss geglückt – sogar ein Jahr vor dem von der Landeskirche festgelegten Termin“, sagt Müller. Und nebenbei ist dank des Einsatzes des scheidenden Präses’ und des DSV das Gedächtnis der Gemeinden künftig besser geschützt: „Deren Aktenbestand und die wichtigen historischen Kirchenbücher lagern nun in einbruchs- und feuerhemmenden Behältnissen“, gibt er zu Protokoll. Michael Müller kann seine neu gewonnene Freiheit also in aller Ruhe genießen und die Dinge tun, für die ihm in den vergangenen Jahren oft die Zeit fehlte: das Wandern mit seiner Frau, die Radtouren, die Jagd, das Reisen.

Doch der Verzicht auf eine weitere Amtszeit als Präses hat auch einen ernsten Grund: Seine eigene Mutter und seine Schwiegermutter sind pflegebedürftig und auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Michael Müller hat das evangelische Leben als Präses mitgeprägt. Und er behält es auch noch nach seiner Dienstzeit im Herzen: „Ich wünsche dem Dekanat drei Dinge: ein friedliches, konfliktfreies Miteinander der Mitarbeiterschaft, junge, engagierte und im Glauben verwurzelte Pfarrer und einen klaren Blick auf das Ziel, Gottes Reich den Menschen nahezubringen.“

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