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Langendernbach: Millionenbetrug: Volksbank bleibt auf 1,6-Millionen-Verlust sitzen

Von Drei Jahre ist es nun schon her, dass der Millionenbetrug bei der Volksbank Langendernbach aufgeflogen ist. Der langjährige Chef hatte Kunden um rund zehn Millionen Euro geprellt und mit dem Geld Immobilien gekauft. Inzwischen gibt es wenigstens eine positive Nachricht.
Auszahlungen – in die eigene Tasche. Der langjährige Bankchef Hans-Martin G. bei einem Termin in der Schalterhalle. Archivfoto: Anette in Concas Foto: aic Auszahlungen – in die eigene Tasche. Der langjährige Bankchef Hans-Martin G. bei einem Termin in der Schalterhalle. Archivfoto: Anette in Concas
Langendernbach. 

Der Fall ist seit Herbst 2014 klar, und der Täter geständig. Doch die Ermittlungen gegen den langjährigen Vorstand der Volksbank Langendernbach sind immer noch nicht abgeschlossen. Hans-Martin G., nach wie vor auf freiem Fuß, hat Glück, dass die offenkundig überlasteten Strafverfolger Wichtigeres zu tun haben. Dabei sind die Vorwürfe gegen den heute 62-Jährigen so schwerwiegend, dass ihm eine Freiheitsstrafe droht: Ihm werden Betrug, Untreue, Urkundenfälschung und Unterschlagung zur Last gelegt.

Das ansehnliche Waffendepot im Keller des Wohnhauses des früher angesehenen Gemeindeältesten. Bild-Zoom
Das ansehnliche Waffendepot im Keller des Wohnhauses des früher angesehenen Gemeindeältesten.

Der damalige Chef des kleinen Bank an der B 54 hat 70 Kunden 14 Jahre lang um insgesamt rund zehn Millionen Euro betrogen. Von dem veruntreuten Geld kaufte er 108 Immobilien mit rund 600 Wohnungen – auf seinen Namen, versteht sich.

Info: Waffendepot im Keller

Bei einer Hausdurchsuchung Ende November 2014 hatten die Ermittler in seinem Wohnhaus in einem Ortsteil von Burbach (Siegerland) ein erstaunliches Waffenlager entdeckt.

clearing

„Wann die Staatsanwaltschaft eine Abschlussverfügung treffen wird, kann nicht prognostiziert werden“, teilte gestern Oberstaatsanwältin Nadja Niesen auf Anfrage dieser Zeitung mit. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Frankfurt hatte das komplexe Verfahren im Februar 2015 an sich gezogen. Vor einem Jahr hieß es aus der Behörde, die Ermittler seien mit ihrem Programm fast durch; nur der Verteidiger sollte noch eine umfassende Akteneinsicht bekommen. Die weitere Verzögerung begründete Nadja Niesen jetzt damit, dass die Polizei zuletzt ersucht worden ist, eine abschließende Auswertung der Einzeltaten zu erstellen. Darüber hinaus seien noch verschiedene Ermittlungen bei der geschädigten Bank nötig gewesen.

Die Oberstaatsanwältin „versichert, dass Verfahren hier generell so schnell und gründlich, wie die angespannte Personalsituation es zulässt, abgeschlossen werden.“

Ihre Kollegen in Nordrhein-Westfalen stecken im gleichen personellen Dilemma. Bei der Staatsanwaltschaft in Siegen ruht das Verfahren gegen Hans-Martin G. wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffengesetz (siehe gesonderten Bericht). „Wir hatten einen Engpass; außerdem hat der zuständige Dezernent gewechselt“, sagte der Pressesprecher der Siegener Behörde gestern dieser Zeitung. Patrick Baron von Grotthuss legte sich immerhin auf einen Termin fest: „Bis zum Jahresende werden wir fertig sein.“

Zwei Leidenschaften

Waffen waren neben Immobilien offensichtlich die zweite geheime Leidenschaft des gemütlich wirkenden rundlichen Mannes mit Halbglatze und markantem Schnauzer.

Hans-Martin G. ist nie durch einen kostspieligen Lebensstil aufgefallen. Sein Eigenheim in dem 850-Seelen-Dorf deutet ebenso wenig auf Reichtum hin wie sein Auto. Teure Partys, Reisen oder Spielbankbesuche? Fehlanzeige. Das Geld investierte er in Immobilien. Er kaufte vom Jahr 2000 an 108 Objekte mit rund 600 Wohnungen. Mehr als 90 Prozent davon im Osten; außerdem Mehrfamilienhäuser in seinem Wohnort und in den Nachbardörfern sowie in Haiger. Der Gesamtwert des Portfolios lag bei mindestens 20 Millionen Euro.

In seiner Heimat war G. bis zum Bekanntwerden der Straftaten hoch angesehen und sozial engagiert; unter anderem als Gemeindeältester der Freien evangelischen Gemeinde und 35 Jahre lang als aktiver Feuerwehrmann. Eine vertrauenswürdige Persönlichkeit. . .

Fingierte Dokumente

Der für das Anlagengeschäft verantwortliche Bankdirektor, seit 1992 im Vorstand, versprach den Kunden, ihr Vermögen besonders gewinnbringend anzulegen. Seinen Opfern zahlte G. zunächst Zinsen aus und/oder legte ihnen fingierte Dokumente vor, die noch nicht einmal das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt wurden.

Inzwischen sind alle Opfer entschädigt und alle Immobilien verkauft worden – für die Volksbank Langendernbach ist der Skandal damit bis auf den Strafprozess abgeschlossen. Die geprellten Kunden haben ihre Einlage und die von G. versprochenen horrenden Zinsen bis zum vereinbarten Auszahlungstermin erstattet bekommen, sagte Udo Kirschey dieser Zeitung. Er war mehrere Jahre Vorstandskollege von G. und rückte für ihn vor drei Jahren auf den Chefposten.

Laut Kirschey bleibt die Volksbank, die fünf Millionen Euro an Rücklagen auflösen musste, voraussichtlich auf einem Verlust von insgesamt 1,6 Millionen Euro sitzen. Rund 1,5 Millionen haben die vielen Prüfungen verschiedener Aufsichtsinstitute sowie die Kosten für Rechtsanwälte und Gerichtsverfahren verschlungen.

Bei den Immobilien steht nach Angaben Kirscheys unterm Strich ein Minus von etwa 100 000 Euro – deutlich weniger als erwartet. Die Experten hatten mit einer Summe von 700 000 bis 800 000 Euro gerechnet. „Alle 600 Wohnungen sind weg, der Markt war besser als gedacht“, sagte der Vorstand.

Zumindest finanziell ist die Volksbank Langendernbach mit einem blauen Auge davongekommen.

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