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Projekt: Mit Fachkompetenz zurück ins Leben

Wie man zum Beispiel nach einer Krankheit oder einem Unfall wieder in den Beruf findet, dabei hilft eine neue Beratungsstelle, wie das Evangelische Dekanat Westerwald mitteilt.
Die Mitarbeiter beim neuen Beratungsprogramm für behinderte Menschen (von links): Martin Willuweit, Brigitte Orschel, Ursula Lay-Müller, Wilfried Kehr und Rüdiger Merz (vorn) Die Mitarbeiter beim neuen Beratungsprogramm für behinderte Menschen (von links): Martin Willuweit, Brigitte Orschel, Ursula Lay-Müller, Wilfried Kehr und Rüdiger Merz (vorn)
Montabaur. 

Aufgrund einer chronischen Krankheit verliert der 45-jährige Rüdiger Merz 95 Prozent seiner Sehkraft. Seinen Job als Maler muss er aufgeben, es beginnt eine Odyssee durch den Behördendschungel. „Ich kam mir hilflos vor; keiner hat sich für mich zuständig gefühlt“, erzählt er. Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit erfährt er durch eigene Recherche, dass es Umschulungsangebote für Menschen mit Sehbehinderung gibt. Statt auf die Hilfe der Ämter zu warten, nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand, lässt sich in einem Berufsförderwerk zum Verwaltungsfachangestellten ausbilden und arbeitet in der Verwaltung des Diakonischen Werks.

Heute ist Rüdiger Merz Mitarbeiter eines neuen Projektes: der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Sie berät und hilft behinderten Menschen und deren Angehörigen. „Wenn es so ein Angebot schon früher gegeben hätte, hätte ich nicht zwei Jahre meines Lebens verloren“, sagt Merz.

Individuelle Bedürfnisse

Merz ist Teil des dreiköpfigen Teams, das das Projekt in der Diakonie-Außenstelle in Montabaur betreut. Die Mitarbeiter haben den Anspruch, Betroffene und deren Angehörige zu beraten – ganz auf die individuellen Bedürfnisse der Hilfesuchenden angepasst. Sie erklären, wo und wie behinderte Menschen finanzielle Unterstützung beantragen können, wo sie Hilfe für den Alltag oder den Beruf erhalten. Die EUTB ist unabhängig und vermittelt den Hilfesuchenden an denjenigen Anbieter, der am besten passt. „Unsere Beratung ist zudem komplett kostenlos, da sie vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird“, erklärt Mitarbeiter Martin Willuweit.

Dass es die Teilhabeberatung gibt, liegt auch am neuen Bundesteilhabegesetz. „Das Gesetz hat einen Paradigmenwechsel in der Hilfe für behinderte Menschen eingeläutet“, sagt Wilfried Kehr, Leiter des Diakonischen Werks Westerwald. „Früher wurden diese Männer und Frauen mit ihren Anträgen oft alleine gelassen. Heute werden die Kostenträger viel stärker in die Pflicht genommen: Es ist deren Aufgabe, die Anträge weiterzuleiten. Für Menschen mit Behinderung ist also vieles einfacher geworden. Und dank der EUTB gibt es jetzt eine verlässliche Anlaufstelle.“

Zeitlich begrenzt ist die Unterstützung durch die EUTB nicht: Jeder von Behinderung betroffene Mensch kann so lange die Hilfe in Anspruch nehmen, wie er oder sie möchte. „Das Gleiche gilt auch für deren Angehörige“, sagt EUTB-Mitarbeiterin Brigitte Orschel. Martin Willuweit ergänzt: „Wir verstehen uns als eine Art Krückstock, auf den sich ein Mensch eine zeitlang stützt, bis er oder sie wieder auf eigenen Beinen stehen kann.“

Helferin im Alltag

Inzwischen steht auch Rüdiger Merz beruflich auf eigenen Beinen. In seinem Büro unterstützen ihn nicht nur technische Geräte für Sehbehinderte, sondern auch Ursula Lay-Müller. Sie ist sein „Auge“ und hilft ihm im Rahmen ihres Minijobs bei täglichen Arbeiten. „Es gibt eben viele Wege, behinderten Menschen die Teilhabe in der Gesellschaft möglich zu machen“, sagt Rüdiger Merz. „Das EUTB-Team möchte ein Wegweiser sein.“

Weitere Infos über die EUTB

Telefon (02602) 106 98 72, Netz www.teilhabeberatung.de, E-Mail ruediger.merz@diakonie-westerwald.de

(red)

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