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Momo liest Momo: Die unendliche Geschichte der Zeit

Von Eine großartige Lesung aus Michael Endes Jugendbuchklassiker „Momo“ erlebten die Zuhörer am Samstagnachmittag im Lesedommit den Schauspielern Radost Bokel und Jean-Marc Birkholz.
Limburg. 

. Es gibt Kinder- und Jugendbücher, die sich eigentlich an deren Vorleser, also an die Älteren, Erwachsenen, wenden.

Zwar ist die Botschaft dieser Werke eingebettet in spannende Handlungen. Zudem sind sie in sehr verständlicher, mitreißender Sprache verfasst.

Aber häufig geht es eben doch um mehr als um eine Verfolgungsjagd, an deren Ende das Gute über das Böse siegt.

Vielleicht waren gerade deshalb bei der Jugendveranstaltung „Momo liest Momo“ im Lesedom die zahlreich erschienenen Zuhörer der Generation 40 plus die aufmerksameren.

Sie erhielten durch die Lesung von Momo-Darstellerin Radost Bokel und dem fabelhaft vortragenden Schauspieler Jean-Marc Birkholz eine 90-minütige, aufregend ausgeleuchtete Rückblende in ihre Jugend-Lesezeit.

Denn auch in „Momo“, dem 1973 erschienenen, jugendbuchpreisgekrönten Roman von Michael Ende, dreht sich die Rahmenhandlung um ein kleines, mutiges Mädchen, das es mit Zeitdieben aufnimmt und diese schließlich überwältigt.

Tödliche Langeweile

Je mehr man sich aber in das Buch hineinliest, desto größer werden die Themen Freundschaft und Hilfsbereitschaft – sowie die Frage nach der gelebten Lebenszeit: Wer seine Zeit einspart und dadurch vergeudet, erkrankt unheilbar an tödlicher Langeweile, das ist eine der Erkenntnisse, die Momo gewinnt. Und wer mit einer „vollkommenen Puppe“ als Spielzeug abgefertigt wird, der braucht keine Freunde mehr, wie einer der unheimlichen „Grauen Herren“ von der Zeitsparkasse dem Mädchen erklärt.

Allein dieser von den beiden Schauspielern präsentierte Dialog war so eindringlich und anrührend, dass man hier gern noch etwas mehr Zeit gehabt hätte, um in dieser zeitlosen Vorstellungswelt zu verweilen.

So authentisch geriet die Interpretation des von Michael Ende geschaffenen Meisters Secundus Minutius Hora, dem Verwalter der Zeit, dass die Zuhörer selbst für einen Augenblick meinten, sie hielten ihre „Stundenblumen“ in Händen.

Das war die große Stärke von Radost Bokel und Jean-Marc Birkholz: Sie boten ihrem Publikum nicht einen neuen, aber einen sehr lebendigen und lebhaften Zugang zu Momos Welt.

Hinter der Filmkulisse

Dass darüber hinaus auch ein wenig über die Dreharbeiten zum Film geplaudert wurde, dass zu hören war, wie die Momo-Darstellerin unerschrocken Schauspiel-Legenden wie Armin Müller-Stahl oder John Huston begegnete und im italienischen Filmstudio gern mit ihren Fingern die Styropor-Kulissen eingedrückt hätte, war ein hübsches, mit eindrucksvollen Aufnahmen bebildertes Aperçu. Wie es aber bei dieser Umsetzung von Michael Endes großartigem Werk den zarten Pflänzchen der „Stundenblumen“ erging, ob sie gepflegt wurden oder doch rasch ihre Blütenblätter verloren, blieb offen.

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