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Musikalische Zeitreise im Weilburger Schloss

22 Choräle des Barockkomponisten Georg Philipp Telemann standen im Mittelpunkt des jüngsten Konzerts der Reihe „Alte Musik im Weilburger Schloss“.
Mit viel Applaus würdigte das Publikum den gelungenen Auftritt der Musiker. Foto: Helmut Zimmermann Mit viel Applaus würdigte das Publikum den gelungenen Auftritt der Musiker.
Weilburg. 

Das Konzert am Valentinstag der „Alten Musik im Weilburger Schloss“ war ein ganz besonderes Musikereignis, das sich hinter einem schlichten Titel verbarg: „Telemannisches Gesangbuch“.

Der Untertitel präzisierte: Aus dem „Fast allgemeinen Evangelisch-Musicalischen Liederbuch“ – das der Komponist im Jahre 1730 in Hamburg, seiner zweiten großen Arbeitsstätte neben und nach Frankfurt am Main, bei Philip Ludwig Stromer in der Hansestadt drucken ließ. Von hier aus breitete es sich im gesamten deutschen Sprachraum aus und ist also nicht nur „fast“ allgemein, sondern, könnte man sagen, vielleicht das evangelische Gesangbuch schlechthin geworden.

Nicht zuletzt wegen seiner in eingängigen, singbaren Melodien gefassten protestantischen Frömmigkeit, die sich in bis heute bekannten und gesungenen Chorälen aus diesem Gesangbuch niederschlägt, beispielsweise „O Lamm Gottes unschuldig“, oder „O Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Eine feste Burg ist unser Gott“, um nur die bekanntesten zu nennen.

Aus dem Fundus des Telemanischen Gesangbuchs, das mehr als zweitausend Lieder in über fünfhundert Weisen enthält, wurden im Konzert 22 Choräle dargeboten, und zwar von Bassbariton Klaus Mertens, in Weilburg ja seit Jahren bekannt und geschätzt, von Viola-da-Gamba- und Violoncellospieler Thomas Fritzsch, vom Barocklautenisten Stefan Maass und Michael Schönheit an Cembalo und Orgel.

Bezaubernde Choräle

In dieser kammermusikalischen Besetzung kam die Schönheit mancher Choräle erst richtig zu klangvoller Geltung. Dies ist vor allem Thomas Fritzsch zu verdanken, der sich seit Jahren immer wieder vergessenen Werken von Georg Philipp Telemann widmet, um sie in „kreativer Darbietung“ bekannter zu machen. Dazu gehört auch das Telemannische Gesangbuch, aus dem er die präsentierten Werke auswählte und nach des Komponisten Vorbild sehr abwechslungsreich instrumentierte. Von ihm stammt auch die Konzeption dieses Konzertes. Die Instrumentierungen reichten von der Solobegleitung durch Orgel, Laute und Cembalo bis zum fein aufeinander abgestimmten Ensembleklang in wechselnden Kombinationen, was neben anderem den Reiz dieses Konzertabends ausmachte. Zum Beispiel die Besetzung Cembalo und Viola da Gamba in „Jesus meine Zuversicht“, dessen Text Luise Henriette von Oranien zugeschrieben wird, der Ehefrau des Großen Kurfürsten, oder Cello und Laute in „Aus tiefer Noth schrey ich zu dir“ (Text von Martin Luther), oder Cembalo und Laute in „O Wonn“ o Freud“ o Herrlichkeit“, einem Dialog von Erde und Himmel, oder Orgel und Viola da Gamba in „Nun laßt uns gehn und treten“, einem Neujahrsgesang von Paul Gerhardt.

Abwechslungsreichtum

So vielfältig abwechslungs- und nuancenreich die Instrumentierung, so, im Wortsinn, die wunderbare Interpretationskunst von Klaus Mertens, dem unvergleichlichen Bassbariton. In allen Lagen entfaltete seine Stimme eine überzeugende Strahlkraft, mal tenoral hell timbriert, mal in tiefem Bass, und das so leicht und unangestrengt, dass es eine Wonne war, ihm zuzuhören.

Sein Vortrag war von großen, natürlichen Emotionen geprägt, mit klarer, geschmeidiger Stimme, ganz ohne Pathos, aber mit feinem Einfühlungsvermögen in die Stimmung der Choräle: Freude und Trauer, Bitten und Flehen, gläubige Zuversicht und Gottvertrauen. Seine Interpretationen überzeugten dabei restlos in allen Belangen. Gegliedert wurden die Choraldarbietungen durch zwei Lautensoli von Stefan Maass, der aus dem „Getreuen Music- Meister“ die „Allemande“ und „Courante par Monsieur E.T. Baron“ sehr feinsinnig gab, sowie durch das „Trio G-Dur für Viola da Gamba, Cembalo obligato und Basso continuo“ aus Telemanns „Essencizii musici“, bei dem die drei Instrumentalisten des Abends die Schönheit barocker Kammermusik trefflich und sehr reizvoll demonstrierten.

Das Konzert endete dann schließlich mit dem strahlenden „Nun dancket alle Gott“.

(htz)
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