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Gelbachtal: NNP-Mitarbeiter strampelt sich ab beim Selbsttest

Der Autofreie Gelbachtag ist im Nassauer Land eine Institution, die am vergangenen Sonntag bereits zum 22. Mal stattfand. Höchste Zeit also für NNP-Reporter Johannes Koenig, dem heimischen Dietkirchen für ein paar Stunden den Rücken zu kehren und mal selbst mitzufahren.
NNP-Mitarbeiter Johannes Koenig machte den Selbsttest. Bilder > Foto: Johannes Koenig NNP-Mitarbeiter Johannes Koenig machte den Selbsttest.
Weinähr. 

„Eigentlich fährst du in die falsche Richtung“, sagt der Sportsmann in mir. „Nein, du machst das genau richtig“, beruhigt mein innerer Schweinhund das aufkommende schlechte Gewissen. Denn anstatt beim 22. Gelbachtag das Tal sportlich aktiv von Weinähr nach Montabaur hochzustrampeln, bin ich mit meinem E-Bike in der entgegengesetzten Richtung unterwegs. Immerhin als Zugeständnis an mein Ego habe ich den Motor abgestellt. Stattdessen strampele ich ohne elektrischen Rückenwind mit purer Muskelkraft die rund 25 Kilometer talabwärts.

Eine Fahrt, die trotz des angenehmen Gefälles gar nicht so ohne ist, wie ich an der sogenannten Mörderkurve zwischen Kirchähr und Weinähr mitbekomme. „Besonders für Skater ist es hier gefährlich“, erzählen mir die am Kopf der Spitzkurve sitzenden ehrenamtlichen Helfer des DRK-Ortsvereins Singhofen. Denn, wenn die Skater mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, fliegen sie unweigerlich aus der Kurve und stürzen.

Von ihren im Schatten der Einsatzfahrzeuge aufgestellten Liegestühlen aus können sie die Straße in beide Richtungen einsehen. Etwas, was mir und all den anderen Gelbachfahrern erst einmal verwehrt ist. Ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht gefährliche Kurve“ warnt aber rechtzeitig, sodass die meisten vorbeikommenden Fahrradfahrer ihr Tempo drosseln.

Los ging es für mich kurz vor 9 Uhr in Montabaur. Vom Bahnhof aus erreiche ich innerhalb weniger Minuten den Eingang zum Wörsbachtal. Allerdings von einer Absperrung ist weit und breit noch nichts zu sehen.

Den ersten Kontrollpunkt entdecke ich dann einige Hundert Meter weiter an der Kläranlage. „Ihr könnt die Strecke jetzt absperren“, spricht einer der dort postierten Feuerwehrmänner gerade ins Funkgerät. Die ersten Radfahrer sind ohnehin schon auf der Strecke unterwegs. „Guten Morgen“, schallt es fröhlich zu den Feuerwehrleuten hinüber.

Viele E-Bikes unterwegs

Auffällig hoch ist der Anteil der E-Bikes. Ob er aber tatsächlich bei 90 Prozent liegt, wie ein Teilnehmer später schätzt, ist jedoch zweifelhaft. Von weitem zu hören sind wiederum die Mountainbikes, die mit ihren breiten Reifen und dicken Profil für ordentlich Rollwiderstand auf dem Asphalt sorgen. Von Beginn an fällt mir auf, wie schmal die Straße doch ist. Im Alltag, besonders im Herbst oder Winter, hätte ich Hemmungen, dort unterwegs zu sein.

Anfangs halte ich mich daher noch schön am rechten Straßenrand, bevor ich mich traue, mehr in die Mitte zu rücken. Schließlich bleiben Autos bis zur Wiedereröffnung der Straße um 18 Uhr eine absolute Ausnahme. Was nicht heißt, dass die Radfahrer nun die Landstraße allein für sich hätten.

Beengt geht es zum Beispiel in Montabaur-Ettersdorf zu. Dort findet zeitgleich ein Sommerlauf statt. Auf der Straße und den angrenzenden Wegen wärmen sich daher zahlreiche Läufer auf, die um 10 Uhr mit ihren Zehn- beziehungsweise Fünf-Kilometer-Läufen beginnen. Dafür wurde ein Stück der Dorfstraße kurzerhand halbiert: Rechts fahren die Radfahrer, links bringen sich die Läufer in Position.

Glücklicherweise biegen sie nach wenigen Metern schon in einen Waldweg ab. Im nächsten Ort Isselbach lege ich kurz nach 10 Uhr die wohlverdiente Kaffeepause ein. Eigentlich hatte ich das schon vor Beginn der Fahrt vorgehabt. Aber der Montabaurer Bahnhof scheint, wenigstens am Sonntagmorgen, eine eher kaffeelose Zone zu sein.

Durch die Mörderkurve

Stattdessen reichen mir die Frauen der Chorgemeinschaft Isselbach für faire 1,50 Euro eine große Tasse Kaffee und beenden so meine Leidenszeit. „Wir haben die beste Erbsensuppe. Die ist oft schon um 13 Uhr ausverkauft“, schwärmt die Vorsitzende. Für ein Mittagessen ist es für mich allerdings zu früh. So geht es weiter in Richtung Weinähr.

Inzwischen ist die Straße auch richtig voll geworden. Viele Gruppen sind unterwegs und es kommen mir auch immer mehr Fahrer aus der Gegenrichtung entgegen. Im Gegensatz zu mir müssen sie aber durchaus hart strampeln. Manch einer, der nur ein normales Fahrrad ohne große Gangschaltung oder Elektromotor besitzt, muss sogar absteigen und schieben. Für mich geht es nun Schlag auf Schlag. Um 10.31 Uhr fahre ich durch Dies. Zwanzig Minuten später passiere ich die Mörderkurve und erreiche um 11.07 Weinähr und somit das Ende der für den Autoverkehr gesperrten Strecke.

„Du könntest nun nach Montabaur zurückradeln“, denke ich mir kurz. Aber man sollte sich ja noch Ziele fürs nächste Jahr lassen.

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