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Festplatz: Nach Camberger Kerb: Ärger um die Pfortenwiesen

Von Dicke Pfützen, in denen das Wasser nicht abläuft, verdichteter Boden – Schäden nach der Bad Camberger Kerb. So schlimm war es auf den Pfortenwiesen noch nie, sagt der DRK-Vorsitzender Volker Mors. „Wir werden das in Ordnung bringen“, versichert Dieter Peuser vom Kerbeverein.
Die Pfortenwiesen und die umliegende Bebauung. Bilder > Foto: Petra Hackert Die Pfortenwiesen und die umliegende Bebauung.
Bad Camberg. 

Weitflächige Pfützen stehen auf den Pfortenwiesen. Reifenspuren und Löcher im Boden sind selbst dann zu erkennen, wenn die Wiese schneebedeckt ist. „Der Platz ist in keinem guten Zustand“, sagt Volker Mors. Und: „Dieses Mal ist es so schlimm wie noch nie.“ Folgen eines einzigen Wochendes, der Camberger Kerb. Muss das so sein?

Der DRK-Vorsitzende meint Nein. Ein altes Thema: Immer wieder gab es in der Vergangenheit Diskussionen um den Umgang mit der Wiese – und die Zukunft des Platzes. Wenn es nach den Vorstellungen von Dieter Peuser geht, sollte ein Teil befestigt werden. Der frühere Vorsitzende des Kerbevereins, jetzt weiter Vorstandsmitglied, sieht darin eine Lösung: 50 Prozent des Platzes befestigen, die andere Hälfte als Wiese belassen – dann hätten alle etwas davon, die den Platz nutzen; auch das DRK, das dort im Sommer die Ferienspiele abhält, sagt Peuser. „Dort könnten zum Beispiel die Küchenzelte stehen“, ergänzt er und erklärt: Jedes Jahr gebe es diese Schwierigkeiten, und jedes Jahr bemühe sich der Kerbeverein anschließend, die Wiese wieder in einen guten Zustand zu bringen. Richtig gemacht, ist das viel Arbeit. „Und natürlich werden wir den Boden im Frühjahr wieder auflockern und Rasensamen säen“, verspricht er. „Das haben wir sonst auch so gemacht.“

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Kommentar Ärger, der nicht sein muss

450 Helfer hatte der Kerbeverein am zweiten Oktober-Wochenende auf den Pfortenwiesen im Einsatz. Eine riesige Aufgabe für alle mit großem ehrenamtlichem Engagement.

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Volker Mors hat das anders in Erinnerung. Aus Sorge um den Platz hatte er daher schon im September, als der Aufbau des Kerbezeltes begann, einen Brief an den Magistrat der Stadt Bad Camberg geschrieben. Der schwere Teleskopstapler, der beim Zeltaufbau genutzt werde, reiße jedes Jahr tiefe Furchen in den Platz. Er bat darum, die Fahrzeuge nicht auf die Wiese zu stellen und dort zu entladen, sondern die befestigten Wege zu nutzen. Gemeinsam mit Stadtverordnetevorsteher Heinz Schaus war er vor Ort, um klar zu machen: „Wir sind nicht gegen die Kerb, aber wir wollen einen sorgsamen Umgang mit dem Platz, der allen zur Verfügung steht.“

Kerb wurde gefeiert, anschließend abgebaut. Da gab es das nächste Problem: „Beim Abbau war es viel schlimmer als in den Jahren zuvor“, sagt Volker Mors. Er hatte den Eindruck, es wurde sogar besonders rüde mit der Fläche umgegangen. Er hat großflächig zerstörten Rasen, verdichteten Boden, tiefe Reifenfurchen fotografiert, die sieben Zentimeter in den Boden reichen. „In dem Ausmaß hatten wir das noch nie.“

Mit Traktor geebnet

„Es war auch sehr nass“, sagt Dieter Peuser. Der anhaltende Regen habe den Boden aufgeweicht. Das habe die Arbeit erheblich erschwert – und zu Beschädigungen geführt, die er nicht bestreitet. Allerdings habe man sich bemüht, wieder Ordnung zu schaffen. So ist ein Traktor mit Schaufel eingesetzt worden, um den Boden wieder zu ebnen. Genau das Falsche, wie Volker Mors meint. „Der Boden wurde noch mehr verdichtet. Jetzt ist er biologisch kaputt. Die obere Erdschicht ist defekt, das Wasser bleibt stehen und kann nicht abfließen.“ Eine Matschlandschaft. Volker Mors hat den Eindruck, dass bewusst schlecht mit der Wiese umgegangen wird, um die Befestigung durchzusetzen. „Dann aber können die Kinder ihre Spielfläche vergessen.“

Warum nicht gleich?

Auf dem Platz finden jeden Sommer die Ferienspiele mit über 200 Kindern statt. Außerdem im Mai das Zeltlager des Jugendrotkreuz. Das sieht er jetzt gefährdet. „Den Boden hätte man gleich nach der Kerb, noch im Oktober, wieder in Ordnung bringen und Rasensamen säen können. Da war das Wetter auch gut. Jetzt ist es viel zu spät“, sagt Volker Mors. Er befürchtet, dass das DRK-Zeltlager im Mai dieses Jahr nicht stattfinden kann. „Und wir sind nicht die einzigen, die darunter leiden. Sie sollten sich im Sommer einmal ansehen, wie viele Kinder und Familien die Wiese nutzen. Da wird Family-Tennis gespielt, Baseball, die Kinder kommen gerne. Es wäre ein Frevel, diesen Platz zu versiegeln.“

Dieter Peuser denkt auch so: Die Pfortenwiesen gehören der Stadt und stehen allen zur Verfügung. Nur zieht er andere Schlüsse daraus: Eine Teil-Befestigung komme auch anderen Vereinen zugute, die dann dort Veranstaltungen abhalten könnten. Zurzeit sind die Kerb am zweiten Oktober-Wochenende und die Ferienspiele zwei Wochen in den Sommerferien die beiden großen Veranstaltungen auf dem Platz – außerdem auf einem Teil der Fläche der Flohmarkt sowie alle fünf Jahre das große VW-Veteranentreffen. Dieter Peuser denkt aber noch ein wenig weiter: So wie der Kerbeverein auf den Pfortenwiesen Schwierigkeiten in Sachen Lärmschutz hatte, könnte es dem Carnevalsverein einmal in der Altstadt gehen. „Vielleicht auch in Sachen Brandschutz.“ Dort steht zur Fastnacht das Zelt, das unter anderem bei der „Altweiberhölle“ rappelvoll ist. Die Pfortenwiesen könnten in der Zukunft auch für solche Veranstaltungen in Frage kommen, meint Peuser. Mit ein Grund, einen Teil des Platzes zu befestigen.

Der Lärmschutz war ein Thema, das 2016 bei der Camberger Kerb auf den Pfortenwiesen hohe Wellen schlug: Bereits am Mittwoch vor der Kerb war die Musik im Zelt sehr laut, es gab Anwohnerbeschwerden direkt beim Umweltministerium, eine Lawine kam ins Rollen. Die Politik schaltete sich ein, Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte es damals so: „Befinden sich Wohnungen in der Nähe eines Veranstaltungsgeländes, sind Einschränkungen auch bei Anwendung der Sonderfallgenehmigung nicht zu vermeiden.“ In diesen Fällen sei nötig, frühzeitig ein Schallschutzkonzept in Zusammenarbeit mit der zuständigen Überwachungsbehörde zu erstellen. Dazu gehörten zum Beispiel die Ausrichtung der Bühne, Schallpegelmessungen und ein Beschwerdemanagement für die Zeit des Festes. Unter Umständen müsse sogar ein Standortwechsel in Betracht gezogen werden.

2017 ging der Kerbeverein das Ganze von vornherein anders an. So sei es gelungen, die erheblichen Auflagen der Lärmschutzverordnung umzusetzen und eine gütliche Regelung mit den Anliegern zu treffen, erinnert Dieter Peuser. Jetzt ist es der Zustand der Wiese, der zu Unmut führt. Auch hier sagt er Maßnahmen zu – Auflockern und Rasensamen pflanzen als Nächstes im Frühjahr. Sinnvoller wäre allerdings aus seiner Sicht in Zukunft die teilweise Befestigung des Platzes.

Was kann besser werden?

Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) sucht derzeit nach einer praktikablen Lösung. Zunächst möchte er alle Beteiligten an einen Tisch holen, auch um Fronten abzubauen. „Dann sieht man anhand der Fotos, die Volker Mors gemacht hat, dass teilweise schräg über den Platz gefahren wurde, was sicher nicht nötig ist.“ Hier sei es sinnvoll, Abläufe zu verbessern. Möglicherweise müsste die Stadt sogar einen Mitarbeiter abstellen, der beim Auf- und Abbau des Zeltes dabei ist, um darauf zu achten. „Die beiden verlorenen Arbeitstage ersparen uns mehrere Tage bei der Schadensbewältigung.“ Gemeinsam müsse nach einer Lösung gesucht werden, um die Situation zu verbessern.

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