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Nassauische Hofmusik – ein historischer Genuss

Die „Alte Musik im Weilburger Schloss“ hatte historischen Charakter. So erklangen nämlich Werke, die lange Zeit in Archiven der Welt schlummerten. Für die Zuhörer war es ein Genuss.
Weilburg. 
Mechthild Bach war kurzfristig eingesprungen.	Foto: Zimmermann Bild-Zoom
Mechthild Bach war kurzfristig eingesprungen. Foto: Zimmermann

Die „Alte Musik im Weilburger Schloss“ widmete Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg zu dessen 350. Geburtstag ein Sonderkonzert in der Schlosskirche mit „Nassauischer Hofmusik“.

Es ist das zweite Konzert dieser Art, denn schon im vorigen Jahr wurden Teile dieser gut 250 Jahre verschollenen Musik der Nassauer Hofkapelle, die zu ihrer Zeit in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu den Zentren deutscher Musikkultur zählte und europäischen Rang besaß, mit einem Konzert aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Auch in diesem Jahr erklangen wieder Werke, die lange Zeit in Archiven in Washington, Schwerin, Berlin und Frankfurt schlummerten.

Sie wurden in detektivischer, mühevoller Kleinarbeit von Thomas Fritzsch, Musikwissenschaftler und Cellist der „Capella Weilburgensis“, wieder ans Licht gebracht und nun unter der Leitung von Kantorin Doris Hagel, der Capella Weilburgensis, der Kantorei der Schlosskirche und fünf Solisten – Mechthild Bach (Sopran), Bernard Weese (Bass), Florian Deuter (Violine) und den Fagottisten Alexander Golde und Jochen Schneider – erstmals wieder aufgeführt. Ein historischer Moment, den die vielen Zuhörer zu genießen wussten.

Den Auftakt machte die Sinfonia I D-Dur von Giovanni Battista Zingoni (1720–1811), ein fröhliches, lebensfreudiges Stück, in kräftigem Zugriff unter beschwingtem Dirigat von Doris Hagel gegeben. Bezwingend die ausgesprochen schönen, zum Teil forschen Hörner- und Oboenpassagen im ersten und dritten Satz, wobei die Streicher mit Cembalo im Mittelsatz einen sehr geschmeidigen Kontrast abgaben.

 

Harmonischer Klang

 

Die Capella Weilburgensis erfreute mit einem ausgewogenen, harmonischen Klang und feinen dynamischen Nuancierungen. In einer sehr aparten, so nicht oft, wenn überhaupt, zu hörenden Besetzung mit zwei Fagotten das Concerto „In F“ von Johan Baptist Wanhal (1739–1813). Die Solisten Alexander Golde und Jochen Schneider verzauberten mit dem dunkel-sonoren Klang ihrer Barockfagotte, hatten jeder gleich zu Beginn des Stückes ein anspruchsvolles Solo, spielten dann im Duett weiter, wechselten sich ab und erzielten dabei Echo-Effekte, führten Läufe in feinem Legato aus, waren ins Orchester einerseits eingebettet, andererseits solistisch abgehoben, inspirierten sich im Fugatoteil und erweckten zusammen mit hellen, hohen und weichen Hörnern, grundiert von Oboen, die Vorstellung einer bukolischen Landschaft.

 

Leuchtende Akzente

 

Dem innigen, sehr feinsinnig-reizvollen Mittelteil, ein kammermusikalisches Kleinod, folgte als Kontrast ein schneller, tänzerisch-punktierter dritter Satz, in dem die Hörner wiederum leuchtend Akzente setzten. Bewundernswert das Doppelsolo der beiden Fagotte, die dann das Orchester mit einem in den Schlussakkord einmündenden Crescendo integrierte. Ein wirklich schönes Stück, das den Eingang ins Repertoire finden sollte. Gleiches gilt auch für das Concerto in D für Violine, zwei Hörner, zwei Oboen und Streicher von Guiseppe Demachi (1732–1791), in dem Florian Deuter alle Register seines Könnens ziehen konnte und das technisch wie interpretatorisch schwierige Violinkonzert, das nach circa 225 Jahren erstmals wieder zu hören war, zu (s)einem Bravourstück sondergleichen machte. Abwechslungsreiche, virtuose Läufe mit fröhlicher Grundstimmung und schmeichelnde, helle Passagen wurden kontrastiert durch dramatisch-aufgewühlte, hoch emotionale Eruptionen (Allegro), langsam und sehnsuchtsvoll akkompagnierte das Orchester die solistischen, hochkomplexen Solopassagen (Adagio), ehe das sehr tänzerisch beschwingte Rondo, ohne Bläserbegleitung, im umjubelten Schlussakkord ausklang. Langer, jubelnder Applaus für eine inspirierte, fabelhaft geglückte und großartig dargebotene Kunst des Violinspiels von Solist Florian Deuter.

Den sängerischen Teil des Konzertes bestritten zuvor die Kantorei der Schlosskirche mit der Capella und dem Bassisten Bernhard Weese im Offertorium in Dis „Diffusa est gratia“ (Voller Huld sind deine Lippen) von Antonio Rosetti (1750–19’792), in dem der Solist mit feiner Interpretation überzeugte. Sehr witzig „Die Scala oder die personifizierte Stimmbildungs- und Singkunst bei dem Lied eines frommen Kindes“ von Georg Joseph Vogler (1749–1814). Das parodistische Stück entpuppte sich als die komponierte Übungsstunde eines Chores. Hier konnte die Kantorei der Schlosskirche ihre stimmlichen und sängerischen Qualitäten sehr schön ausbreiten, begleitet von Mechthild Bach, die sehr kurzfristig für die erkrankte Magdalene Harer eingesprungen war. Sie überzeugte stark in dieser schwierigen Partie und gefiel wieder sehr mit ihrem klaren und leuchtenden Sopran, vor allem in den Koloraturen. Männer- und Frauenstimmen des Chores waren wohlabgestimmt und erfreuten mit einer präsenten Darbietung.

Zum Abschluss des Konzertes erklang Johann Stamitz’ Offertorium „O salutaris Hostia“ (O heilsames Opfer), in dem nochmals Chor, Capella und Solistin Mechthild Bach zu Hochform aufliefen. Begeisterter, langer Applaus für alle Musiker und Sänger – und die so vielfältige und schöne Nassauische Hofmusik.

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