Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 10°C

Unternehmen schließt nach 35 Jahren: Natursteinwerk macht dicht

Von Jahrzehntelang hat das Natursteinwerk Villmar Fassaden in ganz Deutschland gestaltet. Damit soll nun Schluss sein: Zum Jahresende macht das Unternehmen dicht.
Das Natursteinwerk Villmar steht zum Verkauf. Mit der Schließung zum Jahresende geht eine 35-jährige Geschichte zu Ende. Das Natursteinwerk Villmar steht zum Verkauf. Mit der Schließung zum Jahresende geht eine 35-jährige Geschichte zu Ende.
Villmar. 

Ende des Jahres wird nach mehr als 35 Jahren das Natursteinwerk Villmar schließen. Bis dahin laufen Produktion und Montage noch weiter, soweit das mit den noch vorhandenen 50 Mitarbeitern an den Standorten Kottenheim (Kreis Mayen-Koblenz) und Villmar möglich ist. Viele langjährige, treue Mitarbeiter können sich nun nach neuen Stellen umsehen, so wie „Mädchen für alles“ Helmut Döniges (58) oder Buchhalterin Heidi Wilbert (55). Sie sind seit 32 und 29 Jahren dabei.

Viele Fassaden gestaltet

Die Natursteinwerk Villmar GmbH gehört nach Angaben des Unternehmens zu den größten natursteinverarbeitenden Betrieben Deutschlands. An vielen Bürohäusern und Banken wurden die Fassaden gestaltet, in Köln oder Berlin, ja bis nach Russland. Auch für Privathaushalte ist das Unternehmen bis Ende Dezember noch tätig, schafft aus Natursteinen Kaminabdeckungen, Fensterbänke oder Treppen. Die großen Zeiten waren aber, wie Wilbert andeutet, schon seit längerem vorbei. So denkt sie, dass die Juniorchefin vor allem wegen der schlechten Auftragslage die Entscheidung fällte, das Unternehmen Ende 2017 dicht zu machen. Offiziell hätten die Mitarbeiter von der Firmenleitung erklärt bekommen, dass ihr nach dem Ausscheiden eines anderen Mitglieds des Firmenmanagements die alleinige Geschäftsführung zu viel werde. „Als wir das ohne Vorwarnung Ende April mitgeteilt bekommen haben, sind wir aus allen Wolken gefallen“, berichtet die Buchhalterin. Denn viele Mitarbeiter seien dem Betrieb seit Jahrzehnten treu; man sei wie eine große Familie.

Auch wenn nach Unternehmensangaben die Hälfte des Personals bereits neue Stellen gefunden hat, gibt es natürlich Verlierer. Döniges und Wilbert gehören dazu. Die Buchhalterin ist aus privaten Gründen an die Region Villmar gebunden und kann nicht zum Arbeiten in eine ferne Stadt, wie junge, ungebundene Kollegen, gehen. Döniges war zwar in Villmar phasenweise sogar Produktionsleiter. Doch mit bald 60 Jahren und ohne die heute von Unternehmen erwarteten Qualifikationen werde es schwer für ihn, für die letzten Arbeitsjahre noch eine ähnlich gut bezahlte Stelle zu finden, sagt er.

Der Mayener, der jeden Tag gerne nach Villmar fährt, weil der Betrieb für ihn mittlerweile Heimat ist, hat die Glanzzeiten der Natursteinwerke noch miterlebt, als das Unternehmen 90 Leute beschäftigte und „der Laden richtig brummte“. Döniges hat eigentlich Bäcker gelernt, wollte sich aber beruflich verändern und hatte gehört, dass das Natursteinwerk einen Säger sucht.

Die Vielfalt der Steine von Mutter Natur hat ihn gereizt, sich zu bewerben. Da in Villmar schon seit Jahrzehnten kein Marmorabbau mehr betrieben wird, kam das zu verarbeitende Material bis aus Asien und Afrika. Der Familienvater mit zwei Kindern bekam die Stelle als Säger und fuhr jeden Morgen den Kleinbus aus Mayen, der neun Mitarbeiter sicher nach Villmar brachte. Für Helmut Döniges war das Natursteinwerk „ein sehr guter Arbeitgeber mit menschlicher Geschäftsführung, die auch Ideen der Mitarbeiter aufgriff“. Derzeit hat er immer noch nicht den Kopf frei, sich um einen neuen Arbeitsplatz zu kümmern. Ja, er macht einfach stur und mit dem Humor des Rheinländers so weiter, als wäre das Betriebsende nie verkündet worden.

Anwesen steht zum Verkauf

Döniges wurde einst dafür belohnt, dass er morgens meist der Erste und abends der Letzte war. Aus dem einfachen Arbeiter wurde ein Werkmeister und später ein Produktionsleiter, der sich aber nie zu schade dafür war, sich auch in der Produktion an die Maschinen zu stellen, wenn dort mal Not am Mann war. Zwischendurch berät er Kunden und erledigt Botengänge. Doch für die Zukunft des Unternehmens gibt es keine solchen Idealisten mehr. „Junge Leute wollen doch heute alle nicht mehr körperlich arbeiten“, sagt er. Nun steht das Anwesen des Natursteinwerks Villmar für einen hohen sechsstelligen Betrag zum Verkauf. Döniges meint nachdenklich: „Ich fühle mich wie ein Asylant, der für immer seine Heimat verloren hat“.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse