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Kommunalwahl in Limburg: „Nazis würde ich nicht dulden“

Von Die Parteien wollen mit Programmen punkten, doch bei der Kommunalwahl kommt es nicht zuletzt auch auf die Personen an. Wir stellen von jeder Partei, die bei der Kreistagswahl antritt, einen Kandidaten vor.
Will für die AfD in den Kreistag: Egon Maurer. Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken Will für die AfD in den Kreistag: Egon Maurer.
Limburg. 

Es gibt keine Schablonen für Politiker, aber Annäherungen, die häufig passen. Nicht bei Egon Maurer. Der 61-jährige Mann aus Bad Camberg wirkt eher wie ein bunter Polit-Senior, denn wie ein AfD-Kandidat, der sich für den Kreistag bewirbt.

Fan von Franz-Josef Strauß

Als Egon Maurer vor einigen Wochen hörte, dass der britische Rocksänger Roger Chapman ein Konzert in Bonn spielen würde, war die Sache für ihn klar: „Ich habe mein Mädel geschnappt – und ab nach Bonn.“ Bei dieser Musik bekomme er eine Gänsehaut. Und sein „Mädel“ auch, erzählt der in Bad Camberg lebende Mann mit der hochgegelten Kurzhaarfrisur, dem modischen Brillengestell, den kleinen, aber gut sichtbaren Ohrsteckern und den bunten Ringen an beiden Händen.

Egon Maurer ist 61 Jahre alt, er ist seit mehr als vier Jahrzehnten „leidenschaftlicher Streifenpolizist“, und er will für die AfD (Alternative für Deutschland) in den Kreistag einziehen. Er sei ein offener, aufgeschlossener Bürger mit demokratischer Gesinnung, betont er. Mit Rechtsradikalismus habe er nichts zu tun. Mehr noch: „Rechtsradikale oder Nazis würde ich nicht in meiner Nähe dulden.“

Egon Maurer

Egon Maurer wohnt in Bad Camberg. Der 61-Jährige ist Polizeibeamter, geschieden und hat eine erwachsene Tochter. Seit November 2015 ist Maurer Mitglied bei der AfD, mittlerweile Beisitzer im Kreisverband

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Tatsächlich hat Maurer einen langen Weg hinter sich, auf der Suche nach seiner politischen Heimat. Als Arbeiterkind habe es für ihn keine andere Partei gegeben als die SPD, berichtet er. Die Sozialdemokraten zu wählen, habe gewissermaßen in der Familie gelegen. Helmut Schmidt imponierte ihm, der ewig stänkernde Herbert Wehner weniger. Für Willy Brandt entschied er sich, weil der den Polizisten mehr Gehalt versprach. Und dann, Ende der 1970er-Jahre, traf der Streifenpolizist Maurer bei einem Einsatz im Taunus den bayerischen Löwen Franz-Josef Strauß. „Das war mein Mann“, schwärmt er noch immer. Endlich war ein Politiker aufgetaucht, der sich „nicht vom Mainstream treiben“ ließ. Nur, dass Strauß bundesweit nicht vermittelbar sein würde, das war Maurer klar. Deshalb wählte er die CDU – und war enttäuscht. „Wer sind die Richtigen?“, fragte er sich immer häufiger. Die Christdemokraten jedenfalls nicht und Angela Merkel schon überhaupt nicht, macht er deutlich. „Viel zu links“ sei sie. Völlig unglaubwürdig. Die Grünen kamen für den Polizisten aus dem Taunus zu keinem Zeitpunkt in Betracht. Die brauche man „so wenig wie einen Knüppel auf den Kopf“, formuliert er.

Gegen „Ausländer raus“

So unbestellt sei das Feld der Parteien gewesen, dass er zeitweise sogar das politische Interesse verloren habe, räumt Maurer ein, bis er zufällig in einer Fernseh-Talkrunde den damaligen AfD-Chef Bernd Lucke entdeckte. Weshalb der ständig als Nazi beschimpft wurde, habe er nicht verstanden, sagt Egon Maurer. „Am liebsten hätte ich dem Mann geholfen“, um dessen Positionen richtigzustellen.

Die Gelegenheit dazu bot sich in Limburg, wenn auch nicht als Unterstützer von Bernd Lucke persönlich, dessen Zeit als AfD-Chef längst abgelaufen war, sondern von AfD-Frontfrau Christine Anderson. Die habe ihn überzeugt etwa beim Thema Bildung, bei dem die AfD verlangt, dass alle das gleiche Recht auf Schulbildung haben sollen – auch ausländische Kinder, die Maurer zufolge erst in einem Deutsch-Crash-Kurs „sonderbeschult“ werden sollen, ehe sie am regulären Unterricht teilnehmen dürfen.

Polnische Freundin

Bei Fragen der Flüchtlingspolitik liegen die Positionen der AfD ohnehin gar nicht weit von den Vorstellungen der anderen Parteien entfernt, meint Egon Maurer. Seine Partei argumentiere nur deutlicher. Deutschland sei kein Einwanderungsland, aber deshalb unterstütze er noch lange nicht die Pegida-Schreie „Ausländer raus“. Mit Fremdenfeindlichkeit habe er nichts zu tun, sagt der Polizist. Totaler Unsinn. Das müsse ganz klar sein, sagt er und beginnt mit einer bemerkenswerten Aufzählung: „Ich habe eine polnische Freundin, meine beiden Schwägerinnen kommen aus Russland, einer meiner besten Freunde ist Moslem, und ich trainiere eine türkische Fußballmannschaft.“ Das Leben ist bunt. Das müsse jeder Demokrat tolerieren, sagt der Mann, der für die AfD in den Kreistag will.

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