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Zweiter Bauwagen: Neue Bleibe für die „Wurzelzwerge“

Von Die Eltern packen mit an, und so bekommt der Bad Camberger Waldkindergarten „Wurzelzwerge“ einen zweiten Bauwagen. Der ist auch nötig, denn der Kindergarten ist größer geworden. Zurzeit bietet er 28 Kindern von zweieinhalb bis sechs Jahren einen Platz.
Marlene packt kräftig mit an: Gemeinsam mit ihrem Papa Boris Erk räumt sie erst einmal den Bauwagen aus, bevor weitergearbeitet werden kann. Foto: Petra Hackert Marlene packt kräftig mit an: Gemeinsam mit ihrem Papa Boris Erk räumt sie erst einmal den Bauwagen aus, bevor weitergearbeitet werden kann.
Bad Camberg. 

Es regnet wie aus Kübeln. Nach und nach trudeln die ersten Eltern ein, vorneweg Boris Erk mit Martha und Marlene. Er fährt den Schubkarren, seine beiden Töchter sind gut in Regensachen eingepackt. Marlene lacht. Ja, sie hilft gerne, den Bauwagen umzubauen. Auch wenn sie jetzt schon ein Schulkind ist und nicht mehr in den Waldkindergarten geht. Das ist eher Marthas Sache. Und die von Henry. Der Vierjährige hilft seiner Mutter Kimberly beim Streichen. „Holz halten kann er auch gut“, sagt sie stolz.

Transport von Idstein

Kimberly Fischer ist die Vorsitzende der „Wurzelzwerge“, ein eingetragener Verein, der hinter dem Bad Camberger Waldkindergarten steht. In der Nähe des Hotels „Waldschloss“ ist er zu finden. Er verfügt über einen Bauwagen, in dem sich die Kinder zum Frühstück treffen, oder der genutzt wird, um sich zwischendurch aufzuwärmen oder Geschichten zu erzählen. Bis jetzt.

Ab nächste Woche wird es nämlich zwei solcher Wagen geben. Daran bauen Marlene, Martha und Henry gemeinsam mit ihren Eltern und weiteren Unterstützern. Sechs Familien haben sich freiwillig gemeldet. Die Bauleitung hat Kai Fischer. Die Elterninitiative ist seit Ende Oktober dabei, diesen zweiten Wagen umzubauen.

„Der Wagen war ein Geschenk, den Transport von Idstein hierher hat unser Verein bezahlt, das waren 200 Euro“, erklärt Kimberly Fischer. Immerhin: Der ausrangierte Bauwagen war in gutem Zustand, nur nicht ganz für die Zwecke des Kindergartens geeignet. Er musste komplett entkernt werden. Also: Boden raus, Decke, Wände – alles neu. Jetzt hat er Formen angenommen. Ein Bad Camberger Holzbauunternehmen hat Material gestiftet, die Eltern haben kräftig angepackt, das nun schon seit Ende Oktober.

Das ist auch nötig, denn der Waldkindergarten hat sich vergrößert. Die Nachfrage war schon immer stark. Im weiteren Umkreis ist dies die einzige Einrichtung dieser Art. Den nächsten gibt es in Bechtheim, im Kreis Limburg-Weilburg gibt es gerade mal zwei Waldkindergärten, in Bad Camberg und im Weilmünsterer Ortsteil Möttau.

„Die Nachfrage war schon immer groß“, berichtet Kimberly Fischer. Deshalb habe der Verein entschieden, das Angebot zu erweitern. „Wir sind von 20 auf 28 Kinder gewachsen. Außerdem haben wir eine weitere Erzieherin eingestellt“, sagt die junge Mutter. Nur: Der Platz im Bauwagen wurde eng, ein zweiter sollte her. Nach wochenlanger Arbeit ist es so weit: Er ist fast fertig und soll am Wochenende auf das Gelände des Waldkindergartens gebracht werden.

Was jedem auffällt, der dort ist: die Ruhe. Es ist viel, viel leiser, als wenn Kinder in einem Regelkindergarten draußen oder drinnen spielen. Das mag daran liegen, dass sich die Kinder anderweitig austoben. Ausgiebige Spaziergänge sind fest eingeplant im Tagesprogramm. Das Erleben in der Natur, der Umgang mit ihr und die Vorstellungskraft der Kinder, die gefordert wird, sobald Stöcke und Wurzeln zu Spielzeug werden – das alles beschäftigt die Kinder, und sie lernen. Zum Beispiel, dass es bei den zwei bis drei Kilometer langen Spaziergängen wichtig ist, dass man an fest ausgemachten Punkten aufeinander wartet. „Es ist aber auch so, dass wir nun zwei Gruppen bilden können, so dass die Kleineren, die noch nicht so gut längere Strecken laufen können, andere Wege absolvieren als die Großen“, sagt Kimberly Fischer. Waldzwerge und Laufzwerge – diese beiden Gruppen gibt es nun. Die Genehmigung, den Kindergarten zu erweitern, habe man im August beim Kreisjugendamt eingeholt, im September sei sie erteilt worden.

Vorgezogenes Geschenk

Für die Kinder ist es schön, sich so lange an der frischen Luft aufzuhalten. Die Eltern genießen gerade das Bauen am Wagen. Jedes Wochenende dazu beitragen, ihren Kindern einen zweiten, gemütlichen Bauwagen zu bescheren – das wird ihnen sicher fehlen.

Was macht man dann mit den freien Wochenenden? Boris Erk lacht. Es gibt sicher auch so genug zu tun. Für die Kinder des Waldkindergartens ist der zweite Wagen jetzt beinahe so etwas wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, denn es ist ja fast schon Advent.

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