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Eröffnung der Interkulturellen Woche: Neue Nachbarn

„Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ lautet das Motto der bundesweiten Interkulturellen Woche. Gestern wurde sie in der Leo-Sternberg-Schule für die Region eröffnet.
Der Willkommensgruß an der »Oase« neben dem Flüchtlingscamp in Staffel ist eindeutig. Ob daraus dann auch eine dauerhafte und gute Nachbarschaft wird, entsceidet das Verhältnis zwischen denen, die neu ankommen und denen, die aufnehmen. Bilder > Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Der Willkommensgruß an der »Oase« neben dem Flüchtlingscamp in Staffel ist eindeutig. Ob daraus dann auch eine dauerhafte und gute Nachbarschaft wird, entsceidet das Verhältnis zwischen denen, die neu ankommen und denen, die aufnehmen.
Limburg. 

Die Auftaktveranstaltung in der Leo-Sternberg-Schule stand unter dem Motto „Neue Nachbarn“ und drehte sich vor allem um die aktuelle Flüchtlingsproblematik in der Domstadt. Beteiligt sind am aktuellen Projekt in der Sternberg-Schule die Jahrgangsstufen neun und zehn, aber auch die Achtklässler haben ihre Unterstützung zugesagt und verkaufen die ganze Woche Kuchen in der Schulcafeteria zugunsten des Staffeler Flüchtlingserstaufnahmelagers. Ziel der Schule ist es, unter der Leitung von Rita Wieder Projekte zu initiieren, die Wirkung weit über die Woche hinaus haben sollen.

Schulleiter Attilio Forte sagte, dass er vor einigen Wochen im Integrationsbeirat auf die Idee gekommen sei, sich mit seiner Schule auch an der Interkulturellen Woche zu beteiligen, die es bereits seit 40 Jahren gebe. Das Thema Flüchtlinge sei ja seit Monaten brandaktuell und auch die Schule wolle helfen, zur Bildung von Flüchtlingskindern beitragen. So wurde bereits ein Antrag beim Hessischen Kultusministerium gestellt, an der Schule zwei Intensivklassen für Flüchtlingskinder eröffnen zu dürfen.

Noch nie so wichtig

Die Botschaft der Interkulturellen Woche sei noch nie so wichtig wie dieses Jahr gewesen, meinte Bürgermeister Martin Richard (CDU). Schulleiter Forte sei ja auch ein gelungenes Beispiel für Integration, der als Sohn italienischer Gastarbeiter vom Schüler zum Schulleiter der Sternberg-Schule aufgestiegen sei. Richard hofft, die aktuellen Flüchtlinge ebenfalls derart gut in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Anna Scandura, Caritas Limburg, sagte, dass sie sich viel von der Interkulturellen Woche verspreche. Derzeit seien so viele Flüchtlinge wie nie da und nur wenn beide Seiten intensiv miteinander ins Gespräch kämen, könnten Vorurteile abgebaut werden. Positiv sei, dass es in Limburg bereits in der Theodor-Heuss- sowie der Goethe-Schule Intensivklassen für Flüchtlingskinder zur Integration gebe.

Die Schüler Tobias Zander und Eric Rompel erklärten, dass die Abschlussschüler der Sternberg-Schule Verantwortung den Menschen gegenüber zeigen wollten, die hier eine neue Heimat suchten. Die Menschen sollten sich hier so gut aufgenommen fühlen, dass sie von sich aus anstrebten, sich integrieren zu wollen. „Wir wünschen uns, dass sowohl Einwohner als auch Hinzugekommene die Grenzen der Kulturen beider Seiten respektieren“, sagten die Schüler. Und die Einheimischen sollten nicht vergessen, dass sie auch irgendwann mal diejenigen sein könnten, die Hilfe benötigten.

Bürgermeister Richard wurde von den Schülern über die aktuelle Flüchtlingssituation in der Stadt befragt. Er sagte, auf die Arbeit im Erstaufnahmelager in Staffel habe die Stadt keinen Einfluss, da dieses vom Regierungspräsidium Gießen aus organisiert werde. Noch sei auch nicht klar, ob das Lager wirklich Ende Oktober vor Wintereinbruch wie eigentlich geplant aufgelöst werden könne, da die Flüchtlingszahlen weiter steigen und das Land Probleme bekomme, für alle feste Unterkünfte zu organisieren.

Die Stadt habe mit verschiedenen Organisationen zusammen in eigener Initiative neben dem Zeltlager die „Oase“ als Treffpunkt geschaffen. Dort könnten die Flüchtlinge abschalten, etwas trinken, zusammensitzen und Sprachkurse absolvieren. Für die Kinder gebe es dort Spielmöglichkeiten. Und die „Oase“ biete für Bürger die beste Möglichkeit, um mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen.

Aus 13 Ländern

Richard zeigte sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Bürgerschaft. Im Moment gebe es so viele Anfragen, dass die Organisatoren aufpassen müssten, möglichst alle einzubinden und alle Ehrenamtlichen bei der Stange zu halten. Auf Nachfrage der Schüler sagte Richard, dass er sich nach seinem Gang in den Ruhestand Ende des Jahres durchaus vorstellen könne, für einen Monat das ehrenamtliche Management der „Oase“ zu übernehmen.

Fast 600 Personen aus 13 verschiedenen Ländern befinden sich im Lager, darunter 60 Prozent Männer, 30 Prozent Frauen und zehn Prozent Kinder. Wie viele 2015 noch nach Limburg kämen, könne er nicht sagen, so der Limburger Verwaltungschef. Länger als acht Wochen solle allerdings niemand dort bleiben, bevor die Asylsuchenden auf andere Unterkünfte verteilt würden.

Neben Essen, Getränken, Kleidung sowie Wasch- und Schlafmöglichkeit hält Richard das monatliche Taschengeld in Höhe von 143 Euro für geboten, da es für jeden Menschen wichtig sei, eigenes Geld zu besitzen, über dessen Verwendung er frei bestimmen könne. Richard hört natürlich auch negative Meinungen von Bürgern über Flüchtlinge. Doch beeindruckend sei für ihn vor allem, welch großes Engagement in allen Orten für die Flüchtlinge vorhanden sei. Auch in seinem Wohnort Offheim hätten sich 20 Freiwillige gefunden, die Unterstützung für Flüchtlinge vorbildlich auf die Beine stellten. rok

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