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Messwein vom eigenen Berg: Pfarrgemeinde St. Lubentius erntet am Lahnhang Trauben

Von In Dietkirchen wird seit 1998 für die Pfarrgemeinde „St. Lubentius“ an den Hängen hinter der Pfarrkirche der Messwein angebaut. Diese Woche wurden von einem Dutzend Freiwilliger wieder die Weintrauben gelesen.
Viele Helfer sind nötig, um den Rohstoff für den Rebensaft gedeihen zu lassen. Viele Helfer sind nötig, um den Rohstoff für den Rebensaft gedeihen zu lassen.
Dietkirchen. 

99 Weinstöcke stehen auf dem Hang hinter der Pfarrkirche „St. Lubentius“ seit nunmehr 19 Jahren. Geweiht wurden sie vom damaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus persönlich.

Wie Ludwig Schmitt vom „Weinteam“ der Pfarrgemeinde berichtet, seien vorher die Hänge ziemlich verbuscht gewesen, dort wo in früheren Zeiten die Stiftsgebäude gestanden hätten. Folglich wurde entschieden, das ganze Gestrüpp im Rahmen eines Arbeitseinsatzes zu beseitigen. Anlässlich des „Dickerischer Maat“ hatte dann der damalige Ortsvorsteher Kurt van der Burg die Idee, an alte Traditionen anzuknüpfen und dort wieder Lahnwein anzubauen.

Roter Regent

Willi Schuy hat herausgefunden, dass auf den Dietkircher Hängen über Jahrhunderte bis Ende des 18. Jahrhunderts Weinbau betrieben wurde. Wegen des starken Fremdenverkehrs durch Jahrmarkt, alljährliche Prozessionen und Gerichtstage wurde der Wein des Ortes weithin bekannt.

Nach Beratung eines Profiwinzers hat man sich nun für die Marke Roter Regent entschieden, weil die laut Schmitt ziemlich resistent gegen Ungeziefer und Meltau sei. Bis jetzt hat es jedenfalls mit dem Anbau sehr gut geklappt, und ab dem zweiten Jahr nach Pflanzung der Weinstöcke konnten jährlich zwischen 250 bis 400 Liter Wein erzielt werden. „Ein Kilo Trauben ergibt in der Regel 750 Milliliter Wein“, weiß Ludwig Schmitt. Der Wein sei trocken, mit 13-prozentigem Alkoholgehalt.

Peter Edel bringt sich nicht nur mit seinem profunden Wissen rund um die Reben ein, sondern packt auch tatkräftig mit an bei der Ernte. Bild-Zoom
Peter Edel bringt sich nicht nur mit seinem profunden Wissen rund um die Reben ein, sondern packt auch tatkräftig mit an bei der Ernte.

Die Trauben werden stets per Hand gelesen und allen Beteiligten macht die Arbeit eine Menge Spaß. „Wir drängen ja niemanden dazu. Mitmachen kann, wer möchte“, sagt er.

Aus den Dietkircher Trauben Wein zu produzieren, das macht für die Dietkircher ein Profiwinzer. Den Anbauern ist aber am Ende wichtig, dass sie auch genau den Wein bekommen, der aus ihren Trauben erzeugt wurde. Dieser dient dann in der Gemeinde von Pfarrer Friedhelm Meudt als Messwein. Und was dann noch übrig bleibt, das wird unter dem Etikett „Dietkirchener Lubentius-Ley“ auf dem „Dickerischer Maat“ verteilt oder an örtliche Jubilare verschenkt. Weiterverkauft würde der Wein, wie Schmitt sagt, prinzipiell nicht. Anfragen in dieser Hinsicht seien also zwecklos.

Denn wenn die Dietkircher mehr als 999 Stöcke pflanzen und mit dem Wein handeln wollten, müssten sie viel höhere Kriterien erfüllen, die laut Schmitt den Rahmen des mit Ehrenamtlichen Leistbaren sprengen würden.

Auch wenn die ideale Südwestlage der Lahn viel Sonne und die die Wärme gut haltenden Stützmauern gute Ernte versprechen, würde sich nach Einschätzung Schmitts der professionelle Anbau von Wein an der Lahn wie in früheren Zeiten nicht mehr rechnen. „Wenn wir die Stunden der Mitarbeiter alle bezahlen und das auf den Preis rechnen müssten, wer würde das noch kaufen, wenn man im Supermarkt Wein für 1,99 Euro bekommt?“, sagt Schmitt. Es sei für alle Beteiligten einfach ein sehr schönes Hobby.

Dieses Jahr gute Ernte

Allerdings auch ein zeitintensives, denn jeden Monat gebe es einen Arbeitseinsatz, damit das Gras niedrig gehalten werde und die Hänge nicht wieder zuwachsen würden. Zudem sei es stets ein großer Zeitaufwand, die Stöcke jedes Jahr aufs Neue mit Netzen zu überdecken, um zu verhindern, dass gefräßige Amseln und Stare die Trauben der Pfarrgemeinde einfach wegessen würden. „Dieses Jahr war die Ernte eindeutig besser als sonst“, sagt Ludwig Schmitt. Der späte Frost habe sich kaum bemerkbar gemacht. Die Trauben würden solch ein wundervolles Bild ergeben, dass es eigentlich schade sei, sie jetzt abzumachen. Je nach Witterung werden die Weintrauben zwischen Anfang und Mitte September in Dietkirchen gelesen. Zwei bis drei Stunden dauert das jedes Mal.

Lothar Schmidt vom Pflückteam erklärt, dass man aufpassen müsse, dass in den Bottich nicht zu viele Fremdstoffe wie Blätter und Stengel, aber auch noch nicht reife kleine grüne Weintrauben landeten, da der Wein sonst zu bitter werde. Schmitt macht die Arbeit eine Menge Freude. „Wir müssen das ja nicht tagtäglich auf Menge machen wie ein professioneller Traubenleser“, meint er. Und er findet es auch schön, hier im Sommer 35 Meter über der Lahn im Schatten der Mutter Gottes zu sitzen und innerlich einzukehren.

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