Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Limburg an der Lahn 10°C

Kabarettist Uli Masuth: Potpourri menschlicher Schwächen

Ein Potpourri der menschlichen Schwächen hat der Kabarettist Uli Masuth auf der Kleinkunstbühne des Limburger Thing präsentiert. Auch die aktuelle Politik kam nicht zu kurz.
Der Kabarett Uli Masuth war mit seinem Programm „Mein Leben als ICH“ im Thing. Foto: Kerstin Kaminsky Der Kabarett Uli Masuth war mit seinem Programm „Mein Leben als ICH“ im Thing.
Limburg. 

Eigentlich wollte Kabarettist Uli Masuth in seinem Programm „Mein Leben als ICH“ nur über sich selbst reden. Doch im Leben des 60-jährigen katholischen Familienvaters und Kirchenmusikers sei kein Platz für Skandale. Schon als Bub, wie die Einträge in seinem alten Tagebuch belegen, sei er überaus brav und anständig gewesen.

Gema als Running-Gag

Und doch: Obwohl er ein grundehrlicher Kerl sei und in seinem Programm auch nur selbst komponierte Musikstücke spiele, müsse er sich stets gegenüber der Gema absichern. Die Gema geriet zum Running-Gag des Abends, und eine Zuschauerin wurde sogar zum minutengenauen Notieren der Zeiten verdonnert, in denen der Künstler sich am Flügel produzierte.

Ohne erkennbaren roten Faden plauderte sich Uli Masuth bei seinem Auftritt im Thing am Samstag durch ein Potpourri menschlicher Schwächen. Da ging es um Gier, Eitelkeit und Selbstüberhöhung, womit keineswegs nur auf Figuren wie Donald Trump angespielt werden sollte, dem er den Charakter eines trotzigen Kindes zuschrieb. So erwartete Masuth demnächst eine Schlagzeile, wonach der US-Präsident sich im Oval Office tobend auf den Boden geschmissen habe und deshalb leider ohne Abendessen zu Bett gehen musste.

Der Künstler aus Duisburg beklagte den Verlust an Echtheit und Sinnlichkeit an Beispielen von der E-Zigarette über vegetarische Wurst und identitätsstiftende Innenstädte bis hin zu den Facebook-Nutzern auf den Schulhöfen. „Der Preis der Freundschaft steht heute auf der Handyrechnung“, bedauerte er.

Über die Stichworte Jugend und Identität schlug er den Bogen zu Bewegungen mit brauner Gesinnung und staunte darüber, dass er die kommentierte Neuauflage von Hitlers „Mein Kampf“ in einer großen Buchhandlung als Bestseller-Pyramide aufgeschichtet sah. Wo kommen nur all die Leser her, fragt Masuth, die sich für teures Geld zwei Bände Hasspredigt anschaffen? Vom rechtsradikalen Gedankengut war der Weg nicht weit zur internationalen Flüchtlingspolitik. Der Kabarettist erinnerte daran, dass Amerika einst von europäischen Hungerleidern besiedelt wurde. Bloß habe man damals das Wort Wirtschaftsflüchtling noch nicht verwendet.

Leben als Avatar

Im Übrigen wünsche er sich, dass die große Zahl der Nichtwähler, die sich in den vergangenen Landtagswahlen von der AfD mobilisieren ließen, zur Bundestagswahl wieder ihre Nichtwähler-Mentalität pflegen und zu Hause bleiben. Viel mehr zu den aktuellen politischen Diskussionen hatte er nicht zu sagen, abgesehen von einem Seitenhieb auf Verkehrsminister Dobrindt und die Autoindustrie.

Stattdessen malte er ein Bild von naturfernen Gärten, denen eine mögliche Weltklimakatastrophe nichts ausmacht und die sogar einem Umzug auf den Mars überstehen. Und von schön gestalteten Avataren, mit denen wir Menschen ein Stellvertreterleben führen können.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse