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Prost, Herr Nachbar

Von Bier brauen ist ein neues Trendhobby. Das wird eindrucksvoll in Flacht ausgeübt von einer Gemeinschaft interessierter Männer. „Brunnenbrau Flacht“ wurde vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben.
Ralf Schutzbach, Norbert Stein, Peter Vogt, Kurt Helffenstein, Uwe Nicodemus und Heiko Schutzbach (von links) freuten sich über so viel Interesse bei ihrem Schaubrauen. Es fehlen Roland Koch und Lutz Künzel. 	Foto: Kahl Ralf Schutzbach, Norbert Stein, Peter Vogt, Kurt Helffenstein, Uwe Nicodemus und Heiko Schutzbach (von links) freuten sich über so viel Interesse bei ihrem Schaubrauen. Es fehlen Roland Koch und Lutz Künzel. Foto: Kahl
Flacht. 

Briefmarken sammeln? Malen? Segelflieger bauen? Alles Schnee von gestern - immer mehr deutsche Männer begeben sich lieber auf eine Expedition ins Bierreich. „Bier brauen“ ist nach einer neuesten Studie der Volkshochschulen das hopfige Trendhobby der Stunde. Ein Männeroktett aus Flacht braucht dafür jedoch keinen VHS-Kurs und auch keinen Trend.

Eine Kiste Bier kaufen kann jeder. Bier brauen auch? Diese Frage stellten sich vor genau zehn Jahren acht Bierenthusiasten aus der Aargemeinde und entschlossen sich kurzerhand: „Wir probieren es einfach aus.“ Sie taten sich zusammen und hoben die Nachbar-Hobbybrau-Gemeinschaft „Brunnenbrau Flacht“ aus der Taufe.

„Dabei ist es ein sehr aufwendiges Hobby“, sagt Kurt Helffenstein, während er vor staunenden Flachter Bürgern in einem dampfenden Sud herumrührt. Satte 23 Arbeitsschritte und sieben Stunden dauert es, um aus der Maische, einem bräunlichen Brei aus eingeweichtem Gerstenschrot, ein kühles Helles zu zaubern. „Doch wenn einem ein gutes Bier gelingt, macht das mindestens so stolz wie selbst angebaute Tomaten“, schwärmt Heiko Schutzbach voller Enthusiasmus. Die Besucher der Brauvorführung, die Helffenstein und seine Kameraden anlässlich ihres zehnten Geburtstages erstmals anboten, mussten ihm das glauben. Denn der einzige Nachteil einer Brauvorführung ist, dass man das frisch gebraute Bier nicht gleich probieren kann. „Das wäre schön. Aber das Bier muss zwischen vier und sechs Wochen lagern. Doch dann ist es hervorragend“, so Helffenstein. Auf ein „kühles Helles“ oder auf ein kräftiges Weizen mussten die Besucher des ersten „Public Brewing“ in Flacht dann doch nicht verzichten, denn vor genau sechs Wochen hatten die Brunnenbrauer einen Probiervorrat gebraut, den sie beim Jubiläum kostenfrei zum Verkosten ausschenkten.

 

Frage des Geschmacks

 

Die Vielfalt des Gestensaftes hat es den Hobbybrauern von der Aar angetan. Sie brauen ihr Weizen, das Alt, das Pils und ein Märzen, je nach Durst- und Partylaune. Gebraut wird mit mobilen Kleingeräten, die sie sich gebraucht zusammenkauften. 110 Liter gehen in den Kessel für einen Brauvorgang. Als Privatperson darf man nicht mehr als 200 Liter im Jahr herstellen.

Über die Rohstoffe des Biers gibt es keine Geheimnisse, das 500 Jahre alte Reinheitsgebot, verpflichtend für deutsche Brauereien, setzt den Rohstoffen engste Grenzen. Nach wie vor besteht das Bier aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Bier, das aus deutschen Brauereien stammt, ist nach wie vor ein absolutes Naturprodukt. „Genauso auch bei uns in Flacht“, ist von den Männern in den dunkelgrünen Shirts zu vernehmen. Geschmeckt hat ihnen ihr Bier von Anfang an jedoch besser als jedes gekaufte Markenbier. „Wobei es“, erklärt Norbert Stein, „kein schlechtes Bier gibt.“ Es sei eben alles eine Frage des Geschmacks. Was aber den Geschmack des Bieres selbst betrifft, so sei „entscheidend für ihn die Auswahl und Kombination verschiedener Malzsorten“, erklärt Stein. Je nachdem wie lange das Malz, beispielsweise Gersten-, Weizen- oder Roggenmalz, geröstet wurde, ergibt es ein helleres oder dunkleres Bier mit mehr oder weniger stark rauchigem Geschmack. Ebenso der Hopfen: Erhöht man die Menge, wird das Bier etwas bitterer. Die verschiedenen Rezepte halten die Brunnenbrauer akribisch in ihren Sudberichten fest.

Ganz wichtig für den Geschmack sei auch das Wasser. Das beeinflusse natürlich das Endprodukt, denn schließlich sei Wasser an sich schon überall unterschiedlich. Deshalb könne man, so Ralf Schutzbach „kein Bier nachbrauen, das geht einfach nicht“.

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