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Demonstration gegen Zirkus Charles Knie: Protest in Limburg gegen Wildtierhaltung im Zirkus

Am Wochenende gastierte der Zirkus Charles Knie in Limburg. Weil er Wildtiere wie Elefanten, Löwen und Tiger einsetzt, ist er nicht unumstritten. Am Samstag hatten die Jusos sowie Tierschützer einen Infostand auf der Plötze aufgebaut, um danach vor dem Zirkus auf dem Limburger Marktplatz zu demonstrieren.
Vor dem Zirkusgelände auf dem Limburger Marktplatz versammelte sich am Samstag eine kleine Gruppe von Demonstranten, die mit Transparenten und Plakaten gegen Wildtiere im Zirkus protestierten.	Foto: Lachnit Vor dem Zirkusgelände auf dem Limburger Marktplatz versammelte sich am Samstag eine kleine Gruppe von Demonstranten, die mit Transparenten und Plakaten gegen Wildtiere im Zirkus protestierten. Foto: Lachnit
Limburg. 

Eine kleine Gruppe hat sich auf der Plötze in der Altstadt eingefunden und sammelt Unterschriften für einen Brief an Bürgermeister Martin Richard (CDU), der ihn dazu auffordern soll, künftig keinen Zirkus mit Wildtieren mehr in Limburg gastieren zu lassen. Die Tierschützer nutzten am Samstag die Gelegenheit während des Gastspiels des Zirkus Charles Knie in Limburg, die Bevölkerung über die Tierhaltung zu informieren und über ihre Standpunkte aufzuklären. Die klare Botschaft: Wildtiere hätten im Zirkus nichts zu suchen, da sie nicht artgerecht gehalten werden könnten.

Neben einigen Juso-Mitgliedern sind die meisten Teilnehmer am Infostand keiner Organisation verbunden, kennen sich aber durch eine Veganergruppe in Limburg oder über die sozialen Netzwerke. Die Beweggründe der einzelnen Teilnehmer sind unterschiedlich. Meysam Ehtemai (SPD) möchte die Menschen gerne informieren, aber nicht vor den Kopf stoßen. Er sei für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen und gegen Züchtungen wie den Liger, eine Kreuzung von Löwe und Tiger. „Mich bewegt momentan vor allem die Frage, was mit den Tieren passiert, wenn sie zu alt für einen Auftritt sind oder zu krank.“

 

Unterschiedliche Reaktionen

 

Unter den Protest-Teilnehmern ist er auf der Plötze mit der Gemäßigste. Bei den anderen Teilnehmern handelt es sich um Frauen oder junge Männer, die in ihren Ansichten deutlich weitergehen. Es interessiert sie nicht, dass es Gesetze gibt, die die Tierhaltung regulieren. „Auch wenn es Tierschutzgesetze gibt“, sagt Miriam Collée, eine Mitorganisatorin, „so gehen mir diese nicht weit genug.“ Und auch für Susan Petterson ist klar, dass es Gesetze gibt, aber dennoch die Haltung der Wildtiere nicht artgerecht sei.

Auf die Amtsveterinär-Kontrollen im Zirkus angesprochen, sagt Collée, ja, es gebe solche Kontrollen, aber es gebe keine Nachkontrollen und so bräuchte sich der Zirkus nicht an Auflagen zu halten. Der Tierschutzgedanke geht bei diesen Protestlern so weit, dass sie sich fast alle vegetarisch oder vegan ernähren, also auf Fleisch verzichten oder tierische Produkte in ihrer Ernährung komplett ablehnen.

Ein erster Schritt sei es, die Vermehrung der Wildtiere im Zirkus zu unterbinden. Längerfristig sollten diese Tiere alle in einem Reservat untergebracht werden, wo sie natürlich leben könnten. Dies ist von mehreren Teilnehmern zu hören.

Die Reaktionen der Passanten fallen unterschiedlich aus. Ein Teil unterschreibt für ein Wildtier-Verbot, geht aber direkt weiter. Ein anderer Teil hört sich die Argumente an. Eine dritte Gruppe kommt direkt mit Gegenargumenten. Und das artet teilweise in hitzige Diskussionen aus. Thomas Pingitzer, bekennender Zirkusfreund und in der Gruppe Pro Zirkus aktiv, räumt ein, jeder könne eine eigene Meinung haben, aber die Art und Weise, wie diese teilweise vertreten werde, sei nicht in Ordnung. „Ich finde es schade, dass sich die Jusos vor den Karren von Tierrechtsorganisationen wie die Peta spannen lassen“, sagt Pingitzer.

 

Zirkus ist gesprächsbereit

 

Zu einem Gespräch mit dem Zirkus sind fast alle Demonstranten nicht bereit. „Was wir wollen“, sagt Adrien König (Jusos), „können die sowieso nicht erfüllen.“ Er sei sich sicher, wie es dort aussehe und müsse es sich nicht noch extra anschauen. Dies ist ein Punkt, den der Sprecher des Zirkus Charles Knie, Patrick Adolph, kritisiert: „Wir möchten den Leuten gerne zeigen, wie es bei uns zugeht, doch dazu sind sie nicht bereit.“ Angebote vom Zirkus, einen Einblick hinter die Kulissen zu geben, würden nicht wahrgenommen. „Wir können uns von außen einen Eindruck verschaffen“, sagt Christian Spiegelberg, Sprecher der Jusos in Limburg, „da müssen wir nicht in den Zirkus gehen.“

Etwas später vor dem Zirkus-Gelände erhitzen sich die Gemüter. Mit Transparenten und lauten Sprechchören stehen rund 20 Aktivisten vor dem Zugang zum Zirkus und raten den Menschen von einem Zirkusbesuch ab. „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr den Tieren die Rechte klaut“, schallt es den Besuchern entgegen.

Ein Besucher beschwert sich beim Ordnungsamt, da er sich massiv durch diese Demonstranten belästigt fühlt, die einem den Besuch richtig vermiesen könnten. Thomas Pingitzer gibt zu bedenken, dass die lauten Sprechchöre in Gegenwart von Kindern ein wenig zurückgeschraubt werden sollten. Diese könnten die Tragweite hinter der Problematik noch gar nicht erfassen.

Für Miriam Collée ist es eine erfolgreiche Aktion. „Im Gegensatz zum letzten Jahr hat sich die Teilnehmerzahl verdoppelt“, sagt Collée, „was zeigt, dass sich die Menschen für die Problematik interessieren.“

Vor dem Eingang lassen sich die meisten Besucher aber nicht durch die Demonstranten abschrecken und strömen in das Zirkuszelt. lh

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