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Interview: Reinhard Ernst über das Kunstmuseum, das Limburg nicht haben wollte

In Limburg sorgte das Angebot von Reinhard Ernst, der Stadt ein Kunstmuseum für rund 40 Millionen Euro zu schenken, im Sommer 2010 für mehr Ärger als Freude. Ganz anders in Wiesbaden. Die Stadt stellt der Reinhard und Sonja Ernst Stiftung für das spektakuläre Projekt ihr Filetgrundstück in der Wilhelmstraße 1 zur Verfügung; die Verträge sind jetzt unterzeichnet worden. Joachim Heidersdorf fragte den 72-jährigen Mäzen, wie er im Nachhinein die Absage aus Limburg bewertet und ob er sich hier mit einem anderen Vorhaben engagieren will.
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Limburg. 

Sind Sie jetzt froh, dass Sie Ihren Traum von einem Kunstmuseum in Limburg nicht verwirklichen konnten?

REINHARD ERNST: Nein. Ich wäre damals sehr froh gewesen, wenn es in Limburg geklappt hätte. Es wäre ein ganz anderes Museum geworden, in die Landschaft gebaut mit vielen Details um die Museumsbauten herum. Das Modell hatten wir ja gezeigt.

Sie haben damals gesagt, Sie seien nicht nachtragend, würden der Stadt aber kein zweites Angebot machen. Gab es denn Versuche vonseiten der Stadt, noch einmal mit Ihnen zu reden und Sie für einen zweiten Anlauf zu interessieren?

ERNST: Ich bin nicht nachtragend. Das war ich nie und das entspricht nicht meinem Naturell. Die Entscheidung der Stadt war klar. Warum sollte ich ein zweites Angebot machen? Die Stadt kam auch nie auf mich zu, um mich danach zu fragen.

Was empfinden Sie, wenn Sie am geplanten Standort für das Projekt zwischen Autobahn und ICE-Bahnhof vorbeifahren?

ERNST: Zunächst war ich natürlich traurig, aber dann – nach einem Jahr – war das Thema für mich erledigt. Ich hatte ja in meinen beiden Firmen „ein wenig“ zu tun, und in Sachen Kunst habe ich mich voll auf die Erweiterung meiner Sammlung konzentriert.

Denken Sie, das Vorhaben in Limburg ist nur an den kleinmütigen Stadtverordneten gescheitert oder haben Sie vielleicht auch selbst Fehler gemacht, indem Sie die Stadt unter Zeitdruck setzten und auf einer Zustimmung von 80 Prozent im Parlament beharrten?

Das Vorhaben der Stadtverordneten würde ich nicht als kleinmütig bezeichnen, sondern eher als fehlenden „Weitblick“, so wie ihn Unternehmer haben müssen, um ihre Firma langfristig weiterzuentwickeln. Argumente, dass es wichtiger sei, den von mir geforderten Betreiberbeitrag in soziale Projekte zu stecken, habe ich eher als „Totschlagargumente“ empfunden, denn dagegen kann man nie etwas sagen. Aber wenn man immer danach handelt, wird Kunst, Kultur, Fremdenverkehr und die städtische Entwicklung auf der Strecke bleiben. Ich denke nicht, dass ich die Stadt unter Zeitdruck gesetzt habe, denn das Projekt war den Verantwortlichen lange bekannt. In Wiesbaden ist dies in neun Monaten gelungen. Auch die geforderte Zustimmung von 80 Prozent der Stadtverordneten war richtig. Ich wollte damit erreichen, dass nicht bei jeder Wahl über das Museum diskutiert wird. In Wiesbaden war die Zustimmung höher als 80 Prozent.

Reinhard Ernst – oben vor einem von ihm ausgeliehenen Werk von Morris Louis im Wiesbadener Landesmuseum – wollte Limburg ein Museum schenken. Das bekommt nun Wiesbaden. Der Neubau, hier als Entwurf zu sehen, entsteht in der Wilhemstraße in direkter Nachbarschaft zum Landesmuseum. Bild-Zoom
Reinhard Ernst – oben vor einem von ihm ausgeliehenen Werk von Morris Louis im Wiesbadener Landesmuseum – wollte Limburg ein Museum schenken. Das bekommt nun Wiesbaden. Der Neubau, hier als Entwurf zu sehen, entsteht in der Wilhemstraße in direkter Nachbarschaft zum Landesmuseum.

Limburg sollte sich zumindest an den Betriebskosten beteiligen, Wiesbaden muss das nicht. Warum?

ERNST: In Limburg gehört die von mir aufgebaute Harmonic Drive AG zu den großen Gewerbesteuerzahlen und größten Arbeitgebern. Die OVALO GmbH, die 2006 von mir gegründet wurde, wird folgen. Die Stadt profitiert in hohem Maße von beiden Firmen. Der von mir geforderte Anteil an den Betriebskosten, den ich auf maximal 500 000 Euro gedeckelt und auch noch zeitlich begrenzt habe, hätte die Stadt aus den weitaus höheren Einnahmen an Gewerbesteuern und anteiliger Einkommens- und Lohnsteuer der Mitarbeiter zahlen können. In Wiesbaden habe ich keine Beteiligung gefordert, da Wiesbaden keine Gewerbesteuer von mir/uns erhält.

Gab es gravierende Unterschiede in den Verhandlungen mit den Verantwortlichen in Wiesbaden und Limburg?

ERNST: Nein. Allerdings gab es in Wiesbaden eine andere Situation. Hier hatte Oberbürgermeister Sven Gerich nach der Bürgerbeteiligung, die sich mit großer Mehrheit für ein Museum aussprach, die Sache zu seiner persönlichen Angelegenheit gemacht. Er hat auch durch Vieraugengespräche immer wieder in die Verhandlungen eingegriffen, bis der Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre mit einer Erbpacht von einem Euro stand. Die Abstimmung der Stadtverordneten war aufgrund der guten Vorbereitung in den Fraktionen dann kein Thema mehr.

Wie sieht der Zeitplan für das Museum in der Wilhelmstraße aus? Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?

ERNST: Wir hoffen, Ende 2021 das Museum stehen zu haben. Das Hessische Landesmuseum und das Museum unserer Stiftung werden dank unserer guten Beziehungen eine langfristige Zusammenarbeit anstreben. Wir glauben, dass es möglich sein wird, Besucher des einen Museums auch in das andere zu „locken“. Wir haben uns ein hohes Ziel gesetzt und gehen im ersten Jahr von 40 000 Besuchern aus; das wäre schon eine tolle Sache.

So viele wären in Limburg wohl nicht gekommen – oder?

ERNST: In den ersten Jahren sicher nicht. Limburg hätte eine längere Anlaufzeit benötigt.

Ihre Interglobal Grundbesitz Gesellschaft besitzt in Limburg die Grundstücke und Immobilien von Harmonic Drive und Ovalo und Ihre Stiftung den Walderdorffer Hof in der Altstadt. Was verbindet Sie noch mit Limburg, und halten Sie es für möglich, dass Sie sich hier mit einem anderen Projekt engagieren?

ERNST: Die Verbindung zu Limburg wird nie abbrechen. Ich habe dort meine beiden Firmen aufgebaut, deren Menschen mir immer am Herzen liegen werden. Ich habe drei Jahre den Walderdorffer Hof unter hohem persönlichen Einsatz saniert und bin seit 1991 dem Rotary Club eng verbunden. Wir leben jedoch seit 2000 in Wiesbaden und fühlen uns als Wiesbadener. Wir lieben die Stadt. Die nächsten Jahre haben wir mit dem Museum einiges zu tun. Darüber hinaus planen wir derzeit kein neues Projekt. Insofern erübrigt sich eine Antwort auf Ihre Frage nach einem eventuellen Engagement in Limburg. Ich kenne in Limburg viele kunstinteressierte Menschen. Ich würde mich natürlich sehr freuen, die alle – und meine Freunde – auch im Museum zu sehen.

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