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Betreiber Andreas Nattermann wirft hin: „Rockarena“ in Limburg macht dicht

Von Nach nur fünf Jahren schließt Andreas Nattermann die „Rockarena“. Er sagt, dass er seine Liebe zur Musik nicht für „dicke Titten und Kartoffelsalat“ verraten möchte.
Fast nur bei den Mallorcaparty wie hier mit Mia Julia tobte die "Rockarena". Bei Rockkonzerten war oft g   ende Leere.Foto: Kl    l Fast nur bei den Mallorcaparty wie hier mit Mia Julia tobte die "Rockarena". Bei Rockkonzerten war oft g ende Leere.Foto: Kl l
Limburg. 

Die „Rockarena“ Limburg ist nur fünf Jahre nach ihrer Eröffnung schon wieder Geschichte. Gastronom Andreas Nattermann wollte sich im früheren Hammerschlag-Gebäude den großen Traum erfüllen, heimischen Rockfans eine Heimat zu bieten und bekannte Stars in die Domstadt zu holen. Doch schnell musste er erkennen, dass Limburg für seine Visionen zu klein war.

„Es war eine schöne Zeit“

Andreas Nattermann sitzt entspannt an einem Tisch der „Rockarena“. Außer ihm ist niemand mehr da. Sein Musikladen hat geschlossen. „Ich bereue die letzten fünf Jahre aber nicht“, sagt der 57-jährige Eschhofener: „Es war trotz allem eine schöne Zeit“. Auch wenn Nattermann schnell erkennen musste, dass in der Region Limburg für Rockmusik nicht mehr wie in seinen jungen Jahren genügend Fans vorhanden sind. „Wenn der Betrieb normal offen war, sind wir null auf null nach Hause gegangen“, sagt „Andi“ Nattermann ehrlich. Richtige Löcher in die Kasse gerissen habe es meistens, wenn bekannte Live-Künstler auftraten. Selbst als Nattermann das Thema Rock aufweichte und Musiker anderer Stilrichtungen verpflichtete – die von ihm erhoffte große Masse Leute blieb aus.

Andreas Nattermann will die „Rockarena“-Zeiten nicht missen. Bild-Zoom
Andreas Nattermann will die „Rockarena“-Zeiten nicht missen.

Die 1980er-Jahre-Stars Hubert Kah oder Geier Sturzflug konnten den Laden auch nicht füllen. „Bei „Extrabreit“ haben wir an einem Abend 7000 Euro Minus gemacht“, sagt der „Rockarena“-Betreiber. Die erste 1990er-Jahre-Party lief mit „Captain Jack“ vielversprechend. Beim zweiten Mal wurde die Fanmasse dann schon deutlich geringer. Nattermann schwenkte wieder um und lud zu einer „Neonparty“ mit der aus vielen Reality-TV-Formaten bekannten „Nacktschnecke“ Micaela Schäfer ein. Obwohl sie wahrscheinlich fast jeder junge Fernsehzuschauer kennt, zahlten für sie in der Rockarena nur enttäuschende 24 Gäste ein Ticket. „Es gab in der ganzen Zeit nur zwei Live-Sachen, die sich gerechnet haben“, verrät Andreas Nattermann. Das eine war der Abend mit den aktuell bei der Jugend angesagten DJs von „Gestört aber geil“, das zweite war der alljährliche „Weihnachts-Bash“ mit dem Eschhofener Mallorca-Star Ikke Hüftgold („Dicke Titten, Kartoffelsalat“). Mickie Krause schaute vorbei, Lorenz Büffel und auch Mia Julia zeigte hier vor voller Hütte viel nackte Haut, lange bevor die Elzer SPD bei der Zeltkirmes Malmeneich auf sie aufmerksam wurde.

Als Hintergrund sollte man dazu wissen, dass Nattermann und Matthias Distel alias „Ikke“ sich aus ihrem gemeinsamen Heimatdorf schon lange kennen. Eigentlich wollten sie zusammen die „Rockarena“ leiten. Doch mitten in den Verhandlungen kam der Aufschwung Distels als Mallorca-Sänger. So entschloss sich dieser, beruflich andere Prioritäten zu setzen und stieg aus dem Limburger Projekt wieder aus, und Sven Adolphs wurde Nattermanns neuer Partner. Nattermann sagt: „Ich respektiere das sehr, was Ikke leistet. Aber Mallorca-Mucke, das ist nicht meine Welt. Ich musste erkennen, dass ich nicht mehr Mainstream bin und es auch nicht sein will“.

Los ging’s im „Easy“

In jungen Jahren war der ehemalige Sänger der heimischen Deutschrock-Band „Ohne Ende“ noch „up to date“. Los ging es 1982 in der Diezer Kult-Discothek „Easy“, wo der heute 57-Jährige hinterm Tresen bediente. Dort spielten live Legenden wie Tina Turner, „Karat“ oder „Die Puhdys“ vor 3000 Zuschauern. Nattermann wurde zum Rock-, im Speziellen „U2“-Fan, war 1985 beim ersten Rock-am-Ring-Festival live als Gast dabei. Irgendwann beschloss er, sich selbstständig zu machen und dabei sein Hobby auszuleben.

In Ennerich baute er die Musikkneipe „Prime“ auf, die heute noch unter dem Namen „Second Home“ mit anderen Betreibern läuft. Später hatte Nattermann in Limburg den „Wicküler Bierbrunnen“ und dann in Niederbrechen das „Bistro 108“. Auch dort ließ er live Rock und heimische Coverbands spielen. Auch Matthias Distel gab dort einen Auftritt als damaliger Sänger der Westernhagen-Tribute-Band „Marius“. Sogar Christian Anders schaute vorbei. Doch die Schlagerlegende der 1970er Jahre lockte auch auf dem „Zug nach Nirgendwo“ nur noch 100 Leute herbei. „Damals hatte ich schon die Idee, am Emsbach einen Beachclub aufzumachen“, sagt Nattermann: „Doch die Zeit war noch nicht reif, und meine Idee wurde als Spinnerei abgetan“.

Der Gastronom zog mit dem Bistro nach Villmar weiter, wo es heute noch ehemalige Gäste als Event-Location betreiben. Nattermann hat auch schon andere große Events im heimischen Raum organisiert. Er füllte die Oberbrechener Emstalhalle mit dem „König von Mallorca“, Jürgen Drews. Und die Limburger Markthalle war proppenvoll, als er die Hessenrocker der „Rodgau Monotones“ zu ihren Glanzzeiten dorthin holte. Als vor acht Jahren dann Hallen eines ehemaligen Supermarktes im Gewerbegebiet kurz vor der Diezer Stadtgrenze in der Rudolf-Schuy-Straße frei wurden, fasste Nattermann den Entschluss, sich seinen lange gehegten Traum von der eigenen „Rockarena“ zu erfüllen.

Neue Interessenten

„Ich musste aber feststellen, dass es unter jungen Leuten kaum noch echte Rock-Fans gibt“, sagt er. Die Jugend höre querbeet alles, wozu man abfeiern könne. Spezielle Themen lockten darum nicht mehr genügend Leute. Hinzu komme, dass Limburg keine Tradition als Konzertstadt habe. Im Gegensatz zu anderen Städten veranstalte in Limburg außerhalb der Stadthalle doch kaum mal jemand Events mit bekannten Sängern und Bands.

Für die „Rockarena“ gibt es laut Nattermann bereits neue Interessenten, daher sei es gut denkbar, dass sie als „Musikarena“ mit mehr massentauglicher Musik bald schon wieder eröffne. Nattermann selbst kann es auch nicht lassen und macht als Gastronom mit der Aumenauer Kanustation weiter, wo Lahntouristen sein neues Hauptpublikum sind.

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