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Einschränkungen: Rolli-Fahrer werden im öffentlichen Personenverkehr ausgegrenzt

Von Wenn Melanie Ließen mit Bus oder Zug nach Limburg will, muss sie Glück haben – und hoffen, dass der Schaffner oder Busfahrer erkennt, dass ihr Rollstuhl mit Zuggerät kein E-Scooter ist. Denn die müssen nicht immer und überall mitgenommen werden. Aber auch darauf kann sie sich nicht verlassen. Klare Regeln für die Mitnahme von Rollstühlen im Nahverkehr gibt es nicht.
Manchmal hat sie Glück: Melanie Ließen kann sich aber am Bahnhof nicht darauf verlassen, dass der Zugführer sie mitnimmt. Das gleiche gilt auch für Busfahrer. Manchmal hat sie Glück: Melanie Ließen kann sich aber am Bahnhof nicht darauf verlassen, dass der Zugführer sie mitnimmt. Das gleiche gilt auch für Busfahrer.
Limburg-Weilburg. 

Mobil möchte sie sein, deshalb hatte Melanie Ließen sich vor zwei Jahren das Zuggerät für ihren Rollstuhl verordnen lassen – und den E-Rolli abgeschafft. Der sei groß, schwer und nicht so einfach zu verstauen gewesen. Und es hatten sich immer mal wieder Busfahrer oder Zugschaffner geweigert, sie und ihren E-Rolli mitzunehmen. Auch das sollte mit dem Lipo Lomo anders werden, schließlich ist das Zuggerät klein, leicht und ziemlich wendig.

Melanie Ließen ist mit dem neuen Elektroantrieb für ihren Rollstuhl im Prinzip auch sehr zufrieden: Er bringt sie zuverlässig den Berg hinauf, lässt sich einfach abkoppeln und problemlos in einem Auto verstauen. Nur der Transport mit Bussen und Bahnen ist scheinbar immer noch ein Problem. Jedenfalls kann Melanie Ließen sich nicht darauf verlassen, mitgenommen zu werden. Sie spricht von Diskriminierung.

Genug Platz

Regelmäßig fährt sie von Hadamar nach Limburg und wieder zurück. Wenn das Wetter gut ist und sie sich fit fühlt, dann schafft sie die Strecke mit dem Rolli, an anderen Tagen ist sie auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. Aber immer wieder werde sie einfach stehengelassen, sagt sie. Es gebe einen Zugschaffner, der sich immer weigere, sie mitzunehmen, andere sehen kein Problem. Vor ein paar Tagen schaltete auch ein Busfahrer auf stur. „Dabei ist genug Platz im Bus gewesen“, sagt Melanie Ließen.

Meist funktioniert der Transport von Fahrrädern in der Bahn recht problemlos. Doch die RMV-Richtlinien beinhalten auch Fallstricke. Bild-Zoom Foto: Pieren
Meist funktioniert der Transport von Fahrrädern in der Bahn recht problemlos. Doch die RMV-Richtlinien beinhalten auch Fallstricke.

Und sie hätte selbstständig hineinfahren und sogar das Zuggerät abkoppeln und separat sichern können. Aber der Busfahrer wollte nicht. Nur wenn er es schriftlich habe, dass dieses Elektrofahrzeug eines von denen ist, die er mitnehmen darf. Jedenfalls kein E-Scooter. „Da gibt es offenbar eine Grauzone“, sagt Melanie Ließen. Und natürlich hat sie kein Schreiben, das ihren Rolli mit Zugmaschine als bus- und bahntauglich ausweist.

Aber genau so etwas würde sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wünschen, sagt dessen Sprecher Maximilian Meyer. „Wenn wir ein Siegel hätten, gebe es keine Diskussionen.“ Dafür seien die Hersteller in der Pflicht – sie könnten am besten beurteilen, welches Gerät die Anforderungen erfüllt, die für den Transport in Bus und Bahn erfüllt werden müssen: Dass das Gerät nicht zu schwer ist, um über die Rampe zu fahren zum Beispiel und dass es auch in Kurven nicht umfällt. Aber bislang habe sich noch kein Hersteller dazu bereiterklärt. Also müssten die Busfahrer und Zugführer entscheiden, welches Gerät sie mitnehmen und welches nicht.

Es geht um die Sicherheit

Natürlich sei auch der RMV verpflichtet, alle Passagiere gleichzustellen, und natürlich wollten auch Rollstuhlfahrer ihre Fahrten planen und nicht vom guten Willen des Chauffeurs abhängen, sagt Maximilian Meyer. Aber letztlich gehe es um die Sicherheit der Fahrgäste – aller Fahrgäste. Und es gebe inzwischen so unglaublich viele Elektro-Rollstuhl-Modelle auf dem Markt, dass es unmöglich sei, immer gleich genau zu wissen, welches man mitnehmen darf.

Nicht jedes Fahrrad darf in die Züge des RMV

Sie sehen genauso aus, nur Fachleute können sie unterscheiden. Die sogenannten „S-Pedelecs“ sind im Grunde ganz normale E-Bikes mit dem Unterschied, dass sie schneller fahren können, weil die Drosselung der Motoren verändert wurde.

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Nur bei den klassischen Elektro-Rollstühlen sei die Sache klar, sagt Maximilian Meyer. Sie müssen in Bussen und Bahnen mitgenommen werden. Denn sie entsprechen garantiert den Anforderungen, die in der DIN EN 12184 festgelegt sind. Bei E-Scootern sieht die Sache schon anders aus, sie sind schwer und nicht so standsicher, wie sie sein sollten. Sie hätten in der Regel eine Lenksäule mit einer direkten Lenkung, „sind teils nur als dreirädrige Fahrzeuge konzipiert und teils auch größer dimensioniert“, heißt es in einem Schreiben des hessischen Verkehrsministeriums an die Verkehrsverbünde. Da steht auch, dass der Ausschluss der E-Scooter ein Verstoß gegen die Beförderungspflicht der Verkehrsunternehmen sein könnte.

Siegel empfohlen

Das Verkehrsministerium empfiehlt in dem Schreiben, die geeigneten Scooter mit einem Siegel auszuzeichnen und den Fahrern so etwas wie einen Führerschein auszustellen. „Das Siegel sollte bundesweit unter gleichen Voraussetzungen vergeben werden, bundesweit einheitlich gelten und bundesweit einheitlich gestaltet sein.“

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Maximilian Meyer hat versprochen, dass er die zuständigen Verkehrsunternehmen, die Hessische Landesbahn und die DB Busverkehr GmbH, auffordern wird, sich Melanie Ließens Rollstuhl einmal genauer anzuschauen, die Busfahrer und Schaffner zu instruieren und es ihr schriftlich zu geben, dass sie mitgenommen werden muss – oder eben nicht.

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