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Limburger Innenstadt: Rostrote Info-Stelen: Hohe Kosten, kaum Klicks

Von Beliebt sind sie nicht, dafür nutzen sie zu wenig Menschen. Günstig sind sie nicht, dafür sind die Kosten zu hoch. Und als schön gelten sie auch nicht gerade, dafür ist ihr Erscheinungsbild zu umstritten: Was passiert mit den drei rostroten Informationsstelen in der Limburger Innenstadt? Werden sie zu Kunstobjekten oder abgerissen?
Zu teuer: Die Info-Stelen in der Limburger Innenstadt sollen stillgelegt werden. Was mit den Stahlgehäusen passiert, ist offen. Foto: Anette in Concas Zu teuer: Die Info-Stelen in der Limburger Innenstadt sollen stillgelegt werden. Was mit den Stahlgehäusen passiert, ist offen.

Wenn die Freien Demokraten in der Stadt Limburg das alleinige Sagen hätten, würden in diesem Jahr die rostroten Informationsstelen abgerissen. Weil die Freien Demokraten aber nicht das alleinige Sagen in Limburg haben, konnten sie sich in den Haushaltsberatungen mit diesem radikalen Wunsch nicht durchsetzen.

Die Stelen bleiben erst einmal stehen, werden aber vielleicht doch eines Tages abgerissen. Oder sie werden offiziell zu Kunstobjekten erklärt. Insgesamt gibt es drei Info-Stelen aus bewusst rostigem Stahl: an der oberen Bahnhofstraße am Anfang der Fußgängerzone, am Rathaus in der Fußgängerzone und kurz vor dem Kornmarkt in der Altstadt.

Der Bildschirm funktioniert wie ein Touchscreen am Smartphone oder Tablet. Hier kann sich jeder per Fingerdruck informieren – über den Stadtplan, Übernachtungsmöglichkeiten oder Veranstaltungen.

Kosten: 350 000 Euro

In den Haushaltsberatungen folgten die anderen Fraktionen nicht dem Wunsch der FDP, die Stelen abzureißen, zu verschrotten und zu vergessen. Der Magistrat ist stattdessen gebeten worden, bis zum zweiten Quartal dieses Jahres die Entscheidung über eine „Nachnutzung“ der Stelen vorzubereiten. Falls keine Einigung mit dem Land Hessen erzielt werden könne, soll ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden unter dem Motto „Kunst im öffentlichen Raum“.

Ein Abriss ist zwar praktisch problemlos möglich, würde aber mehr Geld kosten, als nur für den Abriss erforderlich wäre. Schon Ende 2016 hatten die Stadtverordneten auf Initiative der FDP hin den Magistrat gebeten zu prüfen, „inwieweit der Abriss der Stelen oder die Umnutzung als Kunstobjekt ohne finanzielle Nachteile möglich ist“. Denn die Stadt müsste bei einem Abriss der drei Stelen dem Land Hessen eine Summe von gut 58 000 Euro zurückzahlen. Weil das Land den Bau der Stelen finanziell unterstützt hat im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Aktive Kernbereiche“, mit dem auch die Innenstadt neu gepflastert worden ist. Ganz billig waren die drei Stelen nicht: Die Gesamtkosten lagen bei rund 350 000 Euro.

Der Vorteil der Technik – ein mit dem Internet verbundener PC – ist gleichzeitig der Nachteil. Die Technik in den Info-Stelen muss im Sommer gekühlt werden; das zieht Strom und erfordert eine ständige Wartung. 2016 kosteten Strom und Wartung für die drei Stelen knapp 13 700 Euro.

Vierte Stele abgelehnt

Ein weiteres Problem sind die überschaubaren Nutzerzahlen. Die sind so gering, dass schon der Steuerzahlerbund im Herbst 2015 die Stelen als Steuerverschwendung kritisierte. Aktuelle Nutzerzahlen liegen nicht vor, die muss die Stadt selbst erfragen bei der beauftragten Wartungsfirma. Im Frühjahr 2015 gab die Verwaltung eine Zahl bekannt: Damals war die Stele in der oberen Bahnhofstraße in Höhe der evangelischen Kirche die am meisten genutzte Info-Stele. Rund 50 Mal am Tag sollen bei ihr Informationen abgerufen worden sein.

Um zu verstehen, warum die Info-Stelen in dieser speziellen Optik aufgebaut wurden, bedarf es eines Blickes in die Vergangenheit: Am Anfang stand die von der Stadt Limburg zusammen mit dem Verein Terra Incognita entwickelte Idee, das Einkaufszentrum WERKStadt, die Neustadt und die Altstadt mit einem rostroten „Band“ zu verbinden, also mit entsprechend rot markierten Pflastersteinen.

Dieses optische Band sollte zu einem Museum in die WERKStadt führen, einem Mechanikum, das mechanische Vorgänge anschaulich erklären sollte. Für dieses Museum gab es allerdings keine politische Mehrheit – die meisten Stadtverordneten scheuten die Investitions- und laufenden Kosten, weil die Stadt das Museum betreiben sollte. Ein rostrotes Band wurde auch nicht verlegt. Was blieb, waren und sind die rostroten Stelen.

Eigentlich hätten es vier Stelen werden sollen. Doch im Frühjahr 2015 lehnten die Stadtverordneten es ab, rund 117 000 Euro für eine vierte Stele im Posthof der WERKStadt zu investieren. Schon damals hielt sich die politische Lust auf die Stelen in Grenzen.

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