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Glücksbringer: Schornsteinfeger spricht über sein Handwerk, Silvester und seine Rolle als Talisman

Die Menschen, die ihm begegnen, freuen sich, lachen, winken und drehen an seinen goldenen Knöpfen. Für Daniel Buchmüller ist das kein Problem. Der 41-jährige Dietkirchener ist Schornsteinfeger und gewohnt, dass die Menschen bei ihm ein Stück Glück mitnehmen möchten. Redakteurin Anette in Concas hat sich mit dem Handwerksmeister unterhalten.
Schornsteinfeger Daniel Buchmüller bringt nicht nur Glück, sondern ist auch glücklich bei seiner Tätigkeit – zu seinem Bezirk gehören die Schornsteine der Altstadt, des Rosenhangs, der Brückenvorstadt und Dietkirchen. Fotos: Anette in Concas Bilder > Foto: Anette in Concas Schornsteinfeger Daniel Buchmüller bringt nicht nur Glück, sondern ist auch glücklich bei seiner Tätigkeit – zu seinem Bezirk gehören die Schornsteine der Altstadt, des Rosenhangs, der Brückenvorstadt und Dietkirchen. Fotos: Anette in Concas
Limburg. 

Herr Buchmüller, bringen Schornsteinfeger wirklich Glück?

DANIEL BUCHMÜLLER: Ich finde schon! Werfen Sie mal einen Blick in einen verstopften Schornstein: Wenn eine Gasheizung angeschlossen ist, kann es gefährlich werden. Wenn man also Glück mit dem Thema Sicherheit gleichsetzt und mal unseren Standard mit anderen Ländern vergleicht, sieht man, dass da deutlich mehr passiert.

Und das heißt?

BUCHMÜLLER: Dann brennt es! Deshalb bringt der Schornsteinfeger, der vorbeugend tätig ist, ja auch Glück. Früher sind, gerade in Norditalien, wo sich die Berufsgruppe der Schornsteinfeger gebildet hat, ganze Orte weggebrannt. Seit dem 12. und 13. Jahrhundert, als die Schornsteinfeger in Gruppen durch die Orte zogen, gab es wesentlich weniger Brände. Welch ein Glück!

Warum sind Sie Schornsteinfeger geworden?

BUCHMÜLLER: Ich mag die Arbeit mit Menschen und ich mag die Selbstständigkeit und die Abwechslung meines Berufs. Schon in der Lehrzeit war ich sehr viel unterwegs und musste in den unterschiedlichsten Situationen kreative Lösungen für bestimmte Probleme finden sowie eigene Entscheidungen treffen. Heute würde ich auch sagen, es ist ein anspruchvoller Beruf. Nicht zuletzt, weil es etliche Gesetze, Verordnungen und DIN-Normen zu beachten gibt – neben der eigentlichen Arbeit.

Wann werden Sie kreativ?

BUCHMÜLLER: Häufiger, als Sie denken! Ein Beispiel: Dohlen und Saatkrähen bauen gerne ihre Nester in Schornsteine. Die Äste verhaken sich dann tatsächlich manchmal sieben bis acht Meter tief in den Schornsteinen. Dazwischen klemmen Eisbecher, Plastikgegenstände, Taschentücher, Tüten, wirklich alles mögliche – das ist manchmal eine ganze Mülltonne voll. Dies alles zu lösen, um den Kamin wieder frei zu machen, ist oft mit normalem Werkzeug nicht möglich. Da muss man sich schon was einfallen lassen!

Sind Sie selbstständig?

BUCHMÜLLER: Inzwischen ja. Nach 3 Jahren Lehrzeit und noch mal 17 Jahren im Angestelltenverhältnis – unter anderem in Limburg, Flörsheim und Eschborn – habe ich mich 2002 selbstständig gemacht und bin glücklich damit.

Ging das problemlos?

BUCHMÜLLER: Zunächst war das nicht einfach. Wenn Netz und doppelter Boden weg sind, müssen Fleiß und Engagement sie ersetzen. Aber es macht viel Freude, und ich habe tüchtige Unterstützung. Meine Frau Simone hilft mir im Büro.

In welchen Orten sind Sie tätig?

BUCHMÜLLER: Zuständig bin ich in Limburgs Altstadt und am Rosenhang, in der Brückenvorstadt, am Meilenstein und in Dietkirchen.

Welche Aufgaben hat ein Schornsteinfeger?

BUCHMÜLLER: Zahlreiche! Und da ich seit 2010 zusätzlich Energieberater im Handwerk bin, kommen weitere Aufgaben dazu. Zum Handwerk des Schornsteinfegers gehört beispielsweise die Gashausschau, das Kehren von Rauchgasschornsteinen, natürlich die Reinigung der Rauchrohre von Festbrennstoff- und Ölheizungen sowie die Überprüfung und Reinigung von Abgasanlagen. Außerdem die Messung nach der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung, die Abgaswegüberprüfung und Kohlenmonoxidmessung an Gasfeuerstätten. Wir müssen Feuerungsanlagen begutachten, auch wenn es notwendig ist, im Keller Reinigungstüren an den Schornstein setzen, einen Schornsteinaufsatz montieren oder einen Schornstein verlängern. Dann gibt es Aufgaben, die ich als Schornsteinfeger und Energieberater wahrnehme, beispielsweise die Beratung in allen Fragen rund ums Heizen.

Was ist für Sie das höchste Glück?

BUCHMÜLLER: Meine Familie! Ich habe eine Frau und zwei Töchter.

Wollen Ihre Töchter vielleicht auch Schornsteinfeger werden?

BUCHMÜLLER (lacht): Ich glaube, eher nicht. Zurzeit ist es ihnen eher manchmal lästig, mit mir auf der Straße gesehen zu werden.

Warum?

BUCHMÜLLER: Von Berufs wegen kenne ich so viele Leute, die mich ansprechen oder mich anfassen möchten. Das mögen die jungen Leute nicht so gern.

Glauben Sie, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist?

BUCHMÜLLER: Oh ja, das glaube ich ganz fest. Allerdings muss man selbst sehr viel dafür tun.

Was denn?

BUCHMÜLLER: Fleißig sein und das Ziel, das man vor Augen hat, einfach verfolgen. Immer am Ball bleiben!

Haben Sie selbst einen Glücksbringer oder ein Maskottchen?

BUCHMÜLLER: Ja. Vor meiner Gesellenprüfung, als ich echt ein bisschen Bammel hatte, hat mir meine Mutter zwei kleine Glückssteinchen überreicht. Sie haben geholfen. Ich habe sogar als Innungsbester abgeschnitten. Tja, und die Steinchen stecke ich mir in wichtigen Momenten und Situationen immer wieder ein.

Von wegen Glücksbringer: Haben Sie in Schornsteinfegerkluft geheiratet?

BUCHMÜLLER: Nein. Aber wir hatten das Glück, dass zehn Schornsteinfeger Spalier standen!

Haben Sie gute Vorsätze für das neue Jahr?

BUCHMÜLLER: Mehr Zeit für die Familie nehmen und fünf Kilo abnehmen.

Wie feiern Sie Silvester?

BUCHMÜLLER: Mit guten Freunden und einem Glas Bier in aller Ruhe. Auch das ist Glück für mich!

Was werden Sie tun, wenn Ihnen einmal das Glück abhanden kommt?

BUCHMÜLLER (lacht): Dann muss ich wohl mal einen Kollegen fest in den Arm nehmen!

Von Hufeisen, Marienkäfern, Schweinen und vierblättrigen ...

Wer vom Glück spricht, spricht meist auch über Silvester. Denn dann wird gefeiert und Fortuna mit zahlreichen Glücksbringern für ein gutes Schicksal im neuen Jahr bestochen.

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