E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 22°C

Millionenschaden aufgedeckt: Sechs Festnahmen nach Großrazzia in Frickhofen

Von Der Westerwald stand gestern im Zentrum einer Großrazzia, an der rund 600 Einsatzkräfte beteiligt waren. Sie deckten Schaden in Millionenhöhe auf und nahmen sechs Männer fest, die Hauptbeschuldigten nach Informationen dieser Zeitung in Frickhofen. Es geht um organisierte Schwarzarbeit.
Symbol Foto: Christian Christes Symbol
Frickhofen. 

Seit Anfang 2017 laufen die Ermittlungen gegen 44 Beschuldigte, gestern Morgen holten die Staatsanwaltschaft Koblenz und das Hauptzollamt Koblenz zum großen Schlag aus. In Frickhofen, Hadamar, Elz, Mengerskirchen und Runkel sowie in weiteren Orten in Rheinland-Pfalz und Hessen durchsuchten sie mit Unterstützung der Steuerfahndung und der Polizei 90 Wohnungen und Geschäftsräume.

Alle Blaulichtmeldungen auf einen Blick

Der Anlass ist ein Ermittlungsverfahren gegen 39 Männer und fünf Frauen im Alter von 22 bis 63 Jahren wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt, des Betrugs sowie der Steuerhinterziehung beziehungsweise der Beihilfe hierzu. „Nach den bisherigen Ergebnissen besteht der Verdacht eines noch nicht genau bestimmbaren Gesamtschadens an Steuern und Sozialabgaben von mehreren Millionen Euro“, sagte gestern Nachmittag der Leitende Koblenzer Oberstaatsanwalt Harald Kruse.

Sechs Beschuldigte wurden festgenommen und gegen sie noch gestern Haftbefehle des Amtsgerichts Koblenz vollstreckt. Die sechs Personen, die nach Informationen dieser Zeitung aus Dornburg, Rennerod und Limburg stammen, sitzen in Untersuchungshaft.

Scheinfirmen genutzt

Die beiden Haupttäter kommen dem Vernehmen nach aus Frickhofen: Ein 38 Jahre alter Türke und dessen Bruder, ein 34 Jahre alter deutscher Staatsangehöriger. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, mittels Nutzung sogenannter Servicefirmen und Abdeckrechnungen Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Beiträge zur SOKA-BAU (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft, Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes AG) in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Die Brüder sollen dazu mehrere Scheinfirmen (Servicefirmen) genutzt haben, die Rechnungen für nie geleistete Arbeiten ausgestellt haben. Sie sollen diese Rechnungen bezahlt und die Rechnungsbeträge sodann abzüglich einer Provision in bar zurückerhalten haben. Hierdurch sollen die Haupttäter in ihren Firmen „Schwarzgeld“ erzeugt haben, mit dem dann nicht zur Steuer und Sozialversicherung angemeldete Schwarzarbeiter bezahlt worden sein sollen.

Das sagt das Gesetz

Gemäß § 266a Strafgesetzbuch macht sich wegen Sozialabgabenhinterziehung strafbar, wer als Arbeitgeber unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder die für den Einzug der Beiträge zuständige

clearing

Die sechs weiteren Beschuldigten, vier türkischen, einem griechischen und einem deutschen Staatsangehörigen, sind die faktischen Geschäftsführer dieser Schein- beziehungsweise Servicefirmen. Gegen sie besteht der Verdacht, als Betreiber mehrerer Servicefirmen die Abdeckrechnungen erstellt zu haben. Bei den anderen Beschuldigten handelt es sich um weitere Abnehmer der Scheinrechnungen.

Bargeldspürhunde

Der Einsatz begann gestern in den frühen Morgenstunden und dauerte bis in den Nachmittag an. Die Großrazzia lief unter Federführung des Hauptzollamts Koblenz in Zusammenarbeit mit der Steuerfahndung Koblenz, der Landes- und der Bundespolizei. Die Limburger Polizei war mit einer Streife beteiligt. Sie nahm als „Nebenprodukt“ zwei Albaner, die sich illegal in Deutschland aufhalten sollen, in Gewahrsam.

„Es konnten umfangreiche Beweismittel sichergestellt werden. Die Auswertung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Oberstaatsanwalt Harald Kruse. Nach seinen Angaben wurden außerdem „vorläufige vermögensabschöpfende Maßnahmen“ ergriffen, für die auch zwei Bargeldspürhunde der Landespolizei Rheinland-Pfalz eingesetzt wurden.

Das große Aufgebot an Uniformierten und Fahrzeugen von Zoll und Polizei sorgte vor allem in Frickhofen für Aufsehen. Die Beamten standen an mehreren Stellen. Passanten beobachteten, dass in einem Haus die Eingangstür eingerammt wurde. Und als ein Gefangenentransportwagen vorfuhr war klar, dass hier eine besondere Aktion gelaufen ist.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen