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Geschichte: Seit 20 Jahren gibt es die Heimatstube im alten Schulgebäude

Die Obertiefenbacher Heimatstube vereint Dorfgeschichte und -geschichten unter dem Dach der alten Schule. In diesem Jahr feiert das kleine, aber feine Museum seinen 20. Geburtstag.
Franz-Josef Sehr (links) und Johann Weis engagieren sich ehrenamtlich für das Dorfmuseum. Bilder > Franz-Josef Sehr (links) und Johann Weis engagieren sich ehrenamtlich für das Dorfmuseum.
Obertiefenbach. 

Über knarrende Holzstufen führt der Weg durch das alte Obertiefenbacher Schulhaus. Es geht ins Dachgeschoss – und in die Vergangenheit. Auf 190 Quadratmetern Ausstellungsfläche haben die Mitglieder des Katholischen Männerwerks vor über zwei Jahrzehnten begonnen, historische Stücke aus der Gemeinde Beselich zusammenzutragen. Mit ehrenamtlichem Engagement versuchte man, die Geschichte zu bewahren und tut das bis heute. Im März 1998 wurde die Heimatstube offiziell eröffnet.

Aus dem Gründerteam ist heute nur noch Johann Weis am Leben – er unterstützt Franz-Josef Sehr und Dieter Pytlik bis heute bei der Arbeit im und am Museum. In kleinen Abteilungen werden die verschiedenen Aspekte des dörflichen Lebens präsentiert. Da liegen in einer Vitrine die alten medizinischen Instrumente von Dr. Paul Scholl, daneben hat die Kirchengeschichte ihren Bereich.

Das Thema Bergbau findet genauso seinen Platz wie die Geschichte der 500 Heimatvertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die Gemeinde kamen. Die alte Werkstatt der Obertiefenbacher Schumacherdynastie Laux hat unter dem Schuldach einen Platz gefunden aber auch Alltagsgegenstände. Dem Handwerk und der Landwirtschaft ist jeweils ein eigener Raum gewidmet – und dann sind da noch die vielen Einzelstücke, hinter denen oft eine ganze Geschichte steckt, die Sehr und seine Mitstreiter nur zu gerne erzählen.

Wie die von Schülern, die dem damaligen Limburger Bischof am 16. Juni 1874 ihre Treue bewiesen. „Die sieben Knaben der Knabenschule zu Obertiefenbach, welche im Jahre 1874/75 in der hintersten Bank saßen“ heißt es in dem Schreiben der damals 13-Jährigen, bezeugen „treue Anhänger der katholischen Kirche und unsers hochwürdigsten Bischofs Joseph Peter Blum“ zu sein. Genützt hat es nichts: Obwohl Blum nicht nur das Vertrauen der Knaben genoss, sondern auch im übrigen Volk großen Rückhalt hatte, musste der Geistliche 1877 im Zuge des Kulturkampfes nach Böhmen fliehen. Gefunden wurde das Schriftstück mit den Unterschriften von Wilhelm Metz, Johannes Brühl, Hermann Joseph Hörle, Johann Schmitt, Johann Schlitt, Georg Schlitt und Jakob Geis beim Umbau des Schulhauses – „versteckt hinter alten Schultafeln“, wie Sehr erzählt.

Blumen für Kennedy

Während die Namen der sieben Knaben nur wenigen bekannt sind, kennen den berühmtesten Sohn des Orts wohl die meisten Museumsbesucher. An den 2012 verstorbenen Georg Leber wird in einem eigenen Bereich erinnert – unter anderem liegt hier seine Original-Ernennungsurkunde zum Verteidigungsminister mit den Unterschriften von Gustav Heinemann und Willy Brandt. Fotos zeigen Leber mit den Großen der damaligen Geschichte: dem Papst, Jimmy Carter und John F. Kennedy. Auch dazu kennt Franz Josef Sehr eine Geschichte. „Für den hat Leber in seiner Funktion als Vorsitzender der IG Bau-Steine-Erden mal einen Blumenstrauß aus Ostberlin schmuggeln lassen. Kurz bevor Kennedy seine berühmte Rede vor dem Roten Rathaus gehalten hat.“ Die Heimatstube bewahrt seit 20 Jahren Geschichte – das gilt für Dorf- genauso wie für Weltgeschichte.

Öffnungszeiten:

Die Heimatstube ist am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Sonderöffnungen nach Absprache. Kontakt: 0 64 84/9 10 31.

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