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Wenn das rote Telefon klingelt: Seit 35 Jahren hilft das „Anonyme Sorgentelefon“ Menschen in Not

Wer Sorgen hat und mal jemanden zum Reden braucht, hat die Möglichkeit, beim „Anonymen Sorgentelefon“ anzurufen. Die Mitarbeiter am anderen Ende haben ein offenes Ohr für die Anrufer. Dieser Einsatz ist ehrenamtlich und nicht immer einfach.
Marion Saltenberger-Jost und Barbara Wiesner (rechts) sind zwei der 29 Ehrenamtlichen, die die Anrufe beim „Anonymen Sorgentelefon“ beantworten. Foto: Heike Lachnit Marion Saltenberger-Jost und Barbara Wiesner (rechts) sind zwei der 29 Ehrenamtlichen, die die Anrufe beim „Anonymen Sorgentelefon“ beantworten.
Limburg. 

„Wenn das rote Telefon klingelt, wissen wir nie, was auf uns zukommt“, sagt Barbara Wiesner, Koordinatorin des „Anonymen Sorgentelefons“ (AST). Seit 35 Jahren glüht der Draht des AST als ein Teil der Jugend- und Drogenberatung in Limburg. Jeder, den irgendetwas bedrückt, kann anrufen. Die Sorgen sind sehr breit gefächert. „Es können existentielle Sorgen sein oder der Kummer um eine kranke Katze“, sagte Wiesner.

Manche fallen direkt mit der Tür ins Haus, andere schweigen erst mal und warten darauf, dass sie angesprochen werden. Über die Stimme versuchen die Mitarbeiter am Telefon einzuschätzen, wie der Gemütszustand des Anrufers ist. „Wir gehen auf den Anrufer ein, fragen nach, ob wir etwas richtig verstanden haben“, sagt Wiesner. „Es ist wichtig, erst mal zuzuhören und den Anrufer nicht direkt zu bestürmen“, erzählt Marion Saltenberger-Jost, die seit zehn Jahren ehrenamtlich dabei ist. Wiesner kam vor fünf Jahren zum Team.

100 Stunden Ausbildung

Beide hatten sich über ein öffentliches Gesuch nach neuen Mitarbeitern beworben. Danach gab es ein Vorstellungsgespräch mit einer anschließenden Ausbildung von 100 Stunden, was rund ein halbes Jahr in Anspruch nahm. Danach kamen noch 20 Stunden Hospitation bei einem Mitarbeiter des AST hinzu, bevor sie alleine Anrufe entgegennehmen durften.

Einmal im Monat findet eine Supervision statt, bei der Fälle angesprochen, Gespräche reflektiert und die Mitarbeiter für verschiedene Themen sensibilisiert werden. Einmal im Jahr geht es ein Wochenende lang gemeinsam zur Fortbildung mit Themen wie Gesprächsführung oder Wahrnehmung.

Erst mal zuhören

„In der Regel sind die Anrufer freundlich und nett, einfach froh, dass ihnen jemand zuhört“, sagt Wiesner. „Es gibt auch mal sexistische Anrufe, doch da legen wir direkt auf“, sagt Saltenberger-Jost. Beide sind dabei, um anderen Menschen zu helfen und ihnen zuzuhören, wenn sie sonst niemanden haben, mit dem sie reden können. Dabei müssen die Menschen nicht immer alleine sein: Auch in Familien kann die Kommunikation mal schieflaufen, so dass die Anrufer das Gefühl haben, mit ihren Problemen alleine zu sein oder kein Gehör zu finden, weiß Saltenberger-Jost.

Es ist nicht die Aufgabe der AST-Mitarbeiter zu beraten. Hier geht es hauptsächlich darum, den Menschen zuzuhören und sie durch ihr Nachfragen auf einen neuen Weg zu bringen. Bestehe ein besonderes Problem, haben sie jedoch die Möglichkeit, Kontakte von Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen herauszugeben. Dabei ist das AST von beiden Seiten her anonym. Die Anrufer wissen nicht, wer am anderen Ende der Leitung sitzt, und die AST-Mitarbeiter wissen nicht, wer anruft. Dies fragen sie auch nicht nach. In 35 Jahren hat sich das Altersspektrum verändert. Riefen früher noch viele Kinder und Jugendliche an, sind die Anrufer inzwischen eher zwischen 45 und 75 Jahren einzuordnen. Wobei dies eine reine Einschätzung sei, erklärt Barbara Wiesner.

Es ist nicht leicht, neue Mitarbeiter zu finden. Das Angebot an ehrenamtlicher Arbeit habe insgesamt zugenommen. Hinzu kommt der zeitliche Faktor der Ausbildung und danach zwei Mal im Monat ein Dienst. Diese Verpflichtung möchte nicht mehr jeder eingehen. Die meisten, die sich melden, sind älter als 40 Jahre, jünger eher selten. „Aber das ist auch gut so, da diese Arbeit viel Lebenserfahrung voraussetzt“, sagt Wiesner.

Marion Saltenberger-Jost merkt noch an, dass jeder Ehrenamtliche, der beim „Anonymen Sorgentelefon“ mitwirken möchte, eine gefestigte und stabile Persönlichkeit besitzen sollte.

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