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Hundefriseurin Mareen Korte: Sie verpasst „Fiffi“ den passenden Haarschnitt

Von Waschen, schneiden, bellen. Der junge Malteser, im Juli geboren und seit drei Wochen neues Familienmitglied, musste erstmals zum Friseur, denn sein Herrchen hatte überall gehört, dass fachgerechte Hundefellpflege wichtig sei. Also packte er seinen Hund ein – und ab ging’s in den Friseursalon nach Hahnstätten, den die Wiesbadenerin Mareen Korte seit drei Jahren betreibt.
Mats hat zu Beginn seines ersten Friseurtermins noch ein wenig Angst, aber sehr schnell fasst er Vertrauen zu Mareen Korte. Foto: Rolf Kahl Mats hat zu Beginn seines ersten Friseurtermins noch ein wenig Angst, aber sehr schnell fasst er Vertrauen zu Mareen Korte.
Hahnstätten. 

Eines vorab: Was eigentlich ist ein Hundefriseur? Nun, da tut sich sogleich ein Problem auf: Der Job des Hundefriseurs ist kein Ausbildungsberuf, zumindest in Deutschland nicht. Deshalb kann sich jeder, der sich berufen fühlt, eine Schermaschine und Scheren kaufen, sich einen Raum mit Wanne, Tisch und Fliesen einrichten, sich ein Schild an die Tür hängen mit „Hundestübchen Rosie“ oder so ähnlich – und schon ist er oder sie Hundefriseur oder Hundefriseurin. Natürlich haben etliche Hundefriseure einen Kurs belegt, doch vorgeschrieben ist das nicht. Im Grunde kaum vorstellbar, dass man in Deutschland machen kann, was man will. Aber als Hundefriseur darf man es.

Es gibt niemanden, der einen kontrolliert, höchstens vielleicht irgendwann das Finanzamt. Deshalb gibt es in Deutschland Hundefriseure „wie Sand am Meer“. Aber leider auch viele, die es nicht wirklich gut können. Den richtigen zu finden, ist also gar nicht so einfach.

Viele Stammkunden

Wenn es also kein Ausbildungsberuf ist und es auch keine Standards dafür gibt, wie wird man denn dann Hundefriseur? Nun, es gibt einige Hundefriseur-Schulen, bei denen Interessierte einen Vier-Wochen-Kurs belegen können. Das kostet um die 3500 Euro oder mehr, man bekommt sein Zertifikat – und los geht’s. Dauert ein richtiger Ausbildungsberuf in Deutschland etwa drei Jahre, ist man also nach wenigen Wochen schon ausgebildeter Hundefriseur.

„Die Tiere nicht zum Narren machen“

Sind Sie schon mal gebissen worden, Frau Korte? MAREEN KORTE: Natürlich.

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Die 43-jährige Mareen Korte in Hahnstätten zählt nicht zu den „Nichtskönnern“ ihres Berufs. Das bestätigen viele Hundebesitzer, die mittlerweile zu den Dauerkunden im „Fellstübchen“ in der Bahnhofstraße 4 zählen. Dort hat sich die gebürtige Wiesbadenerin in einem Tierfachgeschäft eingemietet und betreibt ihren Hundesalon. „Ich arbeite nun seit etwa drei Jahren als selbstständige Hundefriseurin, und war hier schon bei meinem Vorgänger als Hilfskraft tätig“, erzählt sie.

Körpersprache lesen

Und sie lerne jeden Tag weiter neu dazu, weil das Thema Hundefell so komplex sei. „Ich habe mir von Anfang an nicht vorstellen können, nur mit einem Vier-Wochen-Kurs einen eigenen Hundesalon aufzumachen. Da gehört schon entschieden mehr dazu.“ Das Können ihres Handwerks stehe natürlich an erster Stelle, doch die Hundefriseurin müsse auch die Körpersprache des Hundes lesen können, den Charakter des Tieres im Blick haben, seine Vorzüge, Eigenarten, vor allem aber seine individuelle Anatomie beachten.

Als Herrchen mit seinem Malteser (er heißt übrigens Mats) im „Fellstübchen“ eintrifft, ist er überrascht, dass Mareen Korte zunächst darauf achtet, dass Herrchen keine Unruhe, Nervosität oder Hektik im Salon verbreitet. Mats gibt sie genügend Zeit, um sich in Ruhe umzuschauen und mit der Umgebung vertraut zu machen. Erst dann kommt er auf den Schertisch – und es folgen noch mehrere Minuten mit Schmusen.

Danach beginnt sie mit der eigentlichen Arbeit. Dabei erzählt sie: „Unsere Hunde – wie wir sie heute kennen – entsprechen nicht mehr der Natur.“ Die Lebensbedingungen des heutigen Familienhundes hätten sich geändert. „Hunde, die im Haus gehalten werden und nur noch zum Spaziergang oder zur Freizeitbeschäftigung rauskommen, haben eine andere Fellstruktur als im Freien lebende Hunde. Dies muss ich wissen, wenn es um die Fellpflege des Hundes geht.“ Und auch die Zucht verändere durchaus die Fellbeschaffenheit der Vierbeiner.

Die neudeutsche Bezeichnung für einen Hundefriseur lautet Groomer. Der Begriff kommt aus dem Englischen, und „groom“ bedeutet „pflegen“, was die vielfältigen Aufgaben gut beschreibt. Denn Fellpflege dient nicht nur der Schönheit. Das Fell des Hundes schützt ihn vor Wind und Regen, vor Sonne und Kälte. Die Pflege dient der Gesundheit des Hundes, denn ein kranker, ungepflegter Hund wird für Parasiten anfällig.

Auch Hautentzündungen und Allergien können die Folge sein. Grundsätzlich übernimmt der Groomer bei der Arbeit alle Tätigkeiten, die ein Mensch einem Hund im Rahmen der Pflege zukommen lassen möchte. Er badet, trimmt, schert und stutzt, schneidet, bürstet, kämmt, stylt und föhnt. Seine Hilfsmittel und Werkzeuge erinnern dabei an das Handwerkszeug eines Friseursalons, dem auch die Menschen ihre Haarpflege anvertrauen, nur eben dies als Hundesalon.

Mareen Korte ist in „Mareens Fellstübchen“, Bahnhofstraße 4, in 65623 Hahnstätten und unter der Telefonnummer 01 63-4 80 68 12 zu erreichen.

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