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Kanal 1 mit eigenem Programm: So funktioniert der TV Sender des Limburger St.-Vincenz-Krankenhauses

Sie arbeiten engagiert, haben keinen finanziellen Spielraum und bekommen vom Publikum nicht das kleinste „Feedback“. Trotzdem gibt es im St.-Vincenz-Krankenhaus täglich Fernsehen von morgens um 6 bis Mitternacht.
Technik auf modernem Niveau: Stehen die Themen für die Live-Sendung beim Krankenhaussender fest, bleibt Mario Rudolf im Studio eine Stunde Zeit, begleitendes Bildmaterial auszuwählen, den Teleprompter vorzubereiten, Belichtung, Ton und Kamera einzustellen. Im Hintergrund hat Moderator Friedhelm Gundlach Platz genommen. Foto: Westerweg Heinz-Burkhard Technik auf modernem Niveau: Stehen die Themen für die Live-Sendung beim Krankenhaussender fest, bleibt Mario Rudolf im Studio eine Stunde Zeit, begleitendes Bildmaterial auszuwählen, den Teleprompter vorzubereiten, Belichtung, Ton und Kamera einzustellen. Im Hintergrund hat Moderator Friedhelm Gundlach Platz genommen.
Limburg.  Es dürfte ein Glückfall gewesen sein. Vor mehr als zehn Jahren, aus dem 1985 gegründeten Krankenhaus-Radio waren längst bewegte Bilder geworden, stieß Friedhelm Gundlach zum Team von K 1. Mit im Gepäck außer einer Riesen-Portion Motivation: eine Auswahl aus 250 bis 300 privat gedrehten Filmen. Der Gardasee taucht auf, der Grand Canyon, auch die Heimat zwischen Rhein und Mosel. Ein Fundus, der seit Jahren das Rahmenprogramm eines Senders bildet, der sich ganz bewusst von üblichen Angeboten abheben will. Mit einem „abwechslungsreichen Programm zielgruppenorientiertes Fernsehen und durchdachten Patientenservice zu bieten“ – das ist das Ziel der zwölf ehrenamtlichen Helfer und zwei Techniker im Erdgeschoss des 500-Betten-Hauses.

Naturfilme und Neuigkeiten aus der Region flimmern zusammen mit medizinischen Beiträgen und Gesundheitstipps über den Bildschirm. Zwischen 10 und 11.15 Uhr geht’s jeden Tag live auf Sendung, zweimal wird die Eigenproduktion im Laufe des Nachmittags wiederholt. Mit einem „wirkungsvollen Mix aus Dokumentationen und Reportagen“ sehen die Macher Vincenz TV als „Wohlfühlsender“ für Patienten, Angehörige und Besucher. Ein Kanal, der unterhält und bewegt, informiert, entspannt und motiviert – sagen sie.

Nachrichten aus der NNP

Damit die hauptsächlich „grauen Wölfe“, wie der 74-jährige Friedhelm Gundlach das Team hinter den Kulissen nennt, dem Hospital ein „konkretes Gesicht geben“ und die „Philosophie eines jeden Fachbereichs darstellen“ zu können, bezuschusst zwar die Krankenhaus-Gesellschaft den von 50 Vereinsmitgliedern und ihren Beiträgen kaum zu finanzierenden Betrieb. Zuvorderst aber ist das Engagement der ausnahmslos ehrenamtlich tätigen Moderatoren und Techniker der Garant für den kostenlos zu empfangenden Fernsehsender.

Kanal 1 auf Sendung: Schon im Foyer des St.-Vincenz-Hospitals können Besucher das Programm verfolgen. Bild-Zoom Foto: Westerweg Heinz-Burkhard
Kanal 1 auf Sendung: Schon im Foyer des St.-Vincenz-Hospitals können Besucher das Programm verfolgen.

Morgens um 9 Uhr liefern die Moderatoren ihre Themenwünsche im Studio ab. Mario Rudolf und Bernd Felten haben dann eine Stunde Zeit, begleitendes Bildmaterial für den Hintergrund auszuwählen, den Teleprompter vorzubereiten, Belichtung, Ton und Kamera einzustellen. Wichtig: Für die jeweils drei Minuten langen Pausen zwischen den Beiträgen müssen Filme samt musikalischer Untermalung bereitgehalten werden.

Die Themen, stets zwischen fünf und acht Minuten lang dargestellt, beschäftigen sich außerhalb des Gesundheitsbereichs mit historischen Begebenheiten, gewähren unmittelbaren Zugang zu Klinik und den rund 1300 Mitarbeitern, präsentieren Nachrichten aus der NNP, befassen sich mit Sport und auf Wunsch mit Geburtstagen. Manchmal – zu Weihnachten gab es ein Sonderprogramm – wartet Friedhelm Gundlach auch mit Filmen von heimischen Theatervorführungen auf.

Mit drei Kameras hat der Hobbyfilmer aus Ahlbach dann die Aufführung mitgeschnitten, den Ton separat aufgezeichnet und am Ende beides synchronisiert. Hilfe beim Vertonen seiner eigenen Texte bekommt Gundlach von Hilla Knoth. Die 84 Jahre alte gelernte Schauspielerin mit diversen Theaterengagements und Rundfunkerfahrung assistiert als Sprecherin und lässt sich bis heute die Bildschirmpräsenz nicht nehmen. Journalistisch vorgebildet ist unter den zwölf Moderatoren und Moderatorinnen nur Peter Schäfer. Alle haben aber Vorkenntnisse und zum Beispiel Sprachausbildungen absolviert.

Mit Radio fing es an

Im Studio von K 1 durften sie sich Kenntnisse selbst aneignen oder auf die Hilfe der Kollegen vertrauen. Friedhelm Gundlach filmt seit 55 Jahren privat, fing einst an mit der 15-Meter-Spule und dreieinhalb Minuten Aufzeichnungskapazität. Super 8, erzählt er rückblickend, kam erst später. Er steht auch hinter der Kamera, wenn Sendungen mit Ärzten und anderem Fachpersonal als Studiogespräch aufgezeichnet werden.

In der bescheidenen Bleibe der Fernseh-Macher hält die technische Ausstattung dem Vergleich mit anderen Sendeeinrichtungen stand, freuen sie sich darüber, auf modernem Niveau zu sein.

Doch Probleme kündigen sich an: Der Sende-Server dürfte nicht mehr allzu lange durchhalten, die dann nötige Neuanschaffung wird mit 13 000 Euro zu Buche schlagen. Auf Werbung wird im 18-Stunden-Programm übrigens grundsätzlich verzichtet, folglich fehlt es dem auf Spenden angewiesenen Vincenz TV durchweg „an Möglichkeiten und Geld“. In einer Einrichtung, in der sich Menschen zwischen Geburt und Tod, zwischen Hoffnungen und Ängsten, Freude und Trauer bewegen, möchte Kanal 1 Humor, Mut und Zuversicht vermitteln. Mit viel Musik, guter Laune und manchmal auch kleinen Anekdoten.

Doch Resonanz des Publikums blieb den Männer und Frauen auf dem Bildschirm stets verwehrt. „Dabei möchten wir aus Fehlern lernen“, beklagt Gundlach ausbleibendes „Feedback“ aus Patientenkreisen. Erklären kann er sich das sehr wohl: „Es hängt vom Gesundheitszustand ab. Die Menschen haben anderes im Sinn.“

Etwas im Sinn hatten 1985 auch der damalige Landrat Georg Wuermeling und Walter Bröckers als ehemaliger Chefredakteur der Bistumszeitung „Der Sonntag“, die mit Hilfe der Krankenhaus-Verwaltung „Radio St. Vincenz“ ins Leben riefen. Die Initiative ging auf die Überzeugung zurück, an einem existenziellen Ort ein besonderes, speziell auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittenes Programm anzubieten. Eine Aufgabe, der sich die engagierten TV-Macher nach wie vor verpflichtet fühlen. Alle stellen ihre Freizeit bewusst in den Dienst kranker und hilfsbedürftiger Menschen, arbeiten freiwillig und unentgeltlich. Unterstützung bekommen sie vom Trägerverein „Krankenhausfunk Radio St. Vincenz“ unter dem Vorsitz von Dr. Heinrich Richard. Und Unterstützung möchten sie von jungen Moderatoren.

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